LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Im November 1944, kurz vor Beginn der Ardennenoffensive, waren Truppen der 28. US-Infanterie-Division in Munshausen stationiert – Am Samstag ließ man die Umstände von damals wieder aufleben

Brigadegeneral Norman Cota kommt gegen 13.00. Angeführt wird sein Tross von zwei Soldaten auf Motorrädern. Der Kommandant der 28. US-Infanterie Division ist zur Inspektion der in Munshausen stationierten Truppen angereist, die sich auf dem Paradeplatz aufgestellt haben. Hier verleiht er zwei Soldaten ein Verdienstabzeichen.

Großherzog Henri begrüßt einen der rund 100 „Reenactors“, die sich monatelang auf den Einsatz in Munshausen vorbereitet hatten   - Lëtzebuerger Journal
Großherzog Henri begrüßt einen der rund 100 „Reenactors“, die sich monatelang auf den Einsatz in Munshausen vorbereitet hatten

Eine Szene, die sich so oder so ähnlich abgespielt haben könnte vor 75 Jahren, als in dem beschaulichen Örtchen amerikanische Soldaten stationiert waren. Viele von ihnen kamen direkt aus der blutigen Schlacht im Hürtgenwald in der Nordeifel bei Aachen, wo die US-Truppen ab Anfang Oktober 1944 um die Kontrolle der Ruhr-Dämme kämpften, aber auf starken deutschen Widerstand stießen.

Die Schlacht – ein rückblickend sinnloses Unterfangen, hätten die Amerikaner das schwierige Terrain doch auch umgehen können - , die im Februar 1945 mit einem taktischen Sieg der Nazis endete, sollte auf beiden Seiten rund 12.000 Gefallene kosten. Die 28. US-Infanterie-Division verlor 50 bis 60 Prozent ihrer Kräfte. Verluste, die zu einer Umdeutung ihres Symbols, dem „Keystone“, dem roten Abschlussstein in einem Steinbogen, in „Bloody Bucket“, „Bluteimer“ führten.

Action: Sanitäter helfen einem Verwundeten nach Feindkontakt. Andere Soldaten sichern den Perimeter ab   - Lëtzebuerger Journal
Action: Sanitäter helfen einem Verwundeten nach Feindkontakt. Andere Soldaten sichern den Perimeter ab

Die schwer mitgenommene Division wurde Mitte November 1944 zur Erholung an die südliche Ardennenfront abgezogen. Ein Teil der Soldaten kam in Munshausen unter, wo sie nach wochenlangen Kämpfen endlich mal Gelegenheit bekamen, sich ordentlich zu waschen und die Kleider zu wechseln. Die Ruhe sollte nicht lange währen: am 16. Dezember starteten die Deutschen auf einer Frontlänge von 136 Kilometern zwischen Monschau und Echternach das Unternehmen „Wacht am Rhein“: die 28. Division stand plötzlich mitten im Feuer der Ardennenoffensive und erlitt wiederum schwere Verluste...

Roland Gaul, der langjährige Kurator im Diekircher Militärmuseum, erläutert Großherzog Henri, US-Botschafter Randy Evans (r.) und dem Clerfer Bürgermeister Emile Eicher, wie es vor 75 Jahren in Munshausen aussah - Lëtzebuerger Journal
Roland Gaul, der langjährige Kurator im Diekircher Militärmuseum, erläutert Großherzog Henri, US-Botschafter Randy Evans (r.) und dem Clerfer Bürgermeister Emile Eicher, wie es vor 75 Jahren in Munshausen aussah

Großherzog und „Thanksgiving“

75 Jahre später hatte die Gemeinde Clerf gemeinsam mit dem „Cercle d’Etudes de la Bataille des Ardennes“, Gaul’s Legacy Tours und dem Tourist-Center Robbesscheier in Munshausen unter der Schirmherrschaft des US-Botschafters in Luxemburg die Umstände von damals wiederaufleben lassen. In Partnerschaft mit der „28th US Infantry Reenactement Group” aus dem niederländischen Leeuwarden und Quadriga, der luxemburgischen Vereinigung der Sammler militärischer Fahrzeuge konnten die rund 1.500 Besucher - darunter auch Großherzog Henri - am Samstag so einen Eindruck bekommen, wie es damals in Munshausen aussah um „Thanksgiving“ 1944. Das Fest am vierten Donnerstag im November ist eines der höchsten in den USA.

Die Erste Hilfe-Station war realitätsgetreu ausstaffiert worden   - Lëtzebuerger Journal
Die Erste Hilfe-Station war realitätsgetreu ausstaffiert worden

Für die Soldaten der 28. Division, die am 22. Juli in der Normandie gelandet waren und seither unablässig nach Osten stürmten, muss es nach den Entbehrungen weit weg von zuhause ein ganz besonders „Thanksgiving“ gewesen sein. Damals wurden für die Truppen extra tiefgefrorene Truthähne aus den USA eingeflogen. Auch der Tag der Erinnerung am Samstag ging mit einem Truthahn-Galadinner zu Ende.

Eine Geschützstellung wird befestigt. Auch vor 75 Jahren standen Kanonen in der Gegend um Munshausen  - Lëtzebuerger Journal
Eine Geschützstellung wird befestigt. Auch vor 75 Jahren standen Kanonen in der Gegend um Munshausen
Blick ins Camp der 28th „Roll On“   - Lëtzebuerger Journal
Blick ins Camp der 28th „Roll On“
Karte der ersten Tage der Ardennenoffensive. Durch Munshausen stießen Panzerverbände vor. Rechts in Rot: Der Westwall  
Quelle: U.S. Army Center for Military History, Public Domain - Lëtzebuerger Journal
Karte der ersten Tage der Ardennenoffensive. Durch Munshausen stießen Panzerverbände vor. Rechts in Rot: Der Westwall Quelle: U.S. Army Center for Military History, Public Domain
Ein M18 „Hellcat“-Panzerjäger wird bereit gemacht für eine Patrouille   - Lëtzebuerger Journal
Ein M18 „Hellcat“-Panzerjäger wird bereit gemacht für eine Patrouille