CLAUDE KARGER

Wes Geistes Kind Machthaber des „Front National“ sind, zeigt sich dieser Tag e nicht weit von Luxemburg. In Hayange gleich westlich von Thionville will der FN-Bürgermeister Fabien Engelmann die lokale Antenne des „Secours Populaire“ aus einem Gemeindelokal ausweisen, das es seit Jahren benutzt.

Die wohltätige Vereinigung gibt es seit 1945, sie steht jedes Jahr hunderttausenden notleidenden Haushalten zur Seite. Der „Secours Populaire“ in Hayange, mitten in einer vom Niedergang der Stahlindustrie wirtschaftlich schwer getroffenen Region, betreut monatlich mehr als 750 Familien.

Den Verantwortlichen der Vereinigung, die ihre politische Neutralität unterstreicht, wirft Engelmann vor, der laut „Le Monde“, eine andere, dem FN nähere wohltätige Organisation in dem Lokal haben will, eine Zweigstelle der Kommunistischen Partei zu sein und vor allem „Pro-Migranten-Propaganda“ zu verbreiten. Merke: Solche Anwürfe gehören längst zu Engelmanns Standard-Repertoire. Nach dem Amoklauf in München am 22. Juli regte er sich auf Twitter flink über die als Migranten-Invasion getarnte Flüchtlingskrise auf. Dabei war der deutsch-iranische Täter ein Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild.

Auch in anderen FN-beherrschten Gemeinden, die in den letzten Jahren leider immer zahlreicher geworden sind, bläst ein scharfer Wind, führen Bürgermeister „schwarze Listen“ von missliebigen Vereinigungen, auf denen oft Menschenrechtsorganisationen stehen.

Was, wenn eine Bewegung wie der „Front National“ es einmal in den höchsten Machtzirkel schafft? Ein Szenario, das in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach knapp abgewendet werden konnte. Ob es bei den nächsten Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr noch einmal reicht? Höchst ungewiss in einem durch schwere Attentate traumatisierten Land im Ausnahmezustand, in dem der Populismus derzeit Hochkonjunktur feiert.

Aber zurück zum Vorwurf der „Pro-Migranten-Propaganda“, der so oder ähnlich leider in vielen Ländern zu hören ist - nicht nur von extrem rechten Parteien - mit dem Politiker und Organisationen, die Asylbewerbern helfen, Schuld aufgebürdet werden soll. Nicht nur für alles was mit Flüchtlingen schief laufen kann, sondern implizit auch für Missstände ,mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben. Die perfide Botschaft der Neid- und Angstmacher: Seht her, die kümmern sich um die und lassen euch allein, die bekommen „alles“ und ihr schaut in die Röhre.

Dass ein Asylbewerber, der etwa aus Aleppo fliehen müsste - wer wissen will, wie lebenswert diese zerbombte syrische Stadt derzeit ist, sollte heute übrigens bei Handicap International auf der Place d‘Armes vorbeischauen - nichts mehr hat und mit den staatlichen Zuwendungen allein wahrlich keine neue Existenz aufbauen kann, sogar wenn er bleiben darf? Fällt nicht ins Gewicht bei den durch Hass Geblendeten, die manchmal zum Äußersten greifen, Asylbewerberheime anzünden, oder, wie am Donnerstag in einem Ort in Schleswig-Holstein geschehen, auf politisch Verantwortliche eindreschen. Es ist dieser Hass, der unsere Gesellschaft zersetzt. Setzen wir uns vielmehr für mehr Solidarität ein.