CORDELIA CHATON

In dieser Woche ist so einiges los in Sachen „Circular Economy“; gleich drei Pressekonferenzen gibt es. Circular was? fragen jetzt einige, die noch nicht die Ausgabe vom Dienstag gelesen haben. Deshalb hier einige Erklärungen zum Thema und dazu, was es nicht ist.

Circular Economy hat nichts mit Kreisverkehren zu tun. Sie hat auch nichts mit dem deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz zur Abfallentsorgung aus den 50er Jahren zu tun. Tatsächlich handelt es sich - wie so oft - um einen englischen Modebegriff, der etwas beschreibt, was es in Ansätzen so schon gab. Aber rein alter Wein in neuen Schläuchen ist es auch nicht, denn es wurde aufgefüllt.

Wir Menschen leben heute nicht mehr in Höhlen, wir produzieren viel; auch viel Abfall. Für die Produktion verbrauchen wir reichlich Rohstoffe und einige werden knapp - darunter so schwer ersetzbare Dinge wie Sand oder Rohöl.

Was liegt also näher, als möglichst viel zu recyceln, im eigenen oder in anderen Produkten weiter zu verwerten? Noch besser: Gleich so zu produzieren, dass kein Abfall entsteht oder das Produkt nach Gebrauch komplett demontiert und neu benutzt werden kann. Wenn dann noch die Lieferanten genau so denken und möglichst kurze Wege zu meiner Fabrik haben, ist schon ein guter Teil dessen, was heute unter „Circular Economy“ fällt, umgesetzt.

Aber es geht um mehr: Wenn Fensterhersteller wie Guardian künftig Fenster verleasen und nicht mehr verkaufen, dann ändert sich nicht nur für den Hausbesitzer einiges, sondern auch für die Versicherung und die Hausbank. Wenn dann der Installateur den Heizkessel verleast und der Baumaschinenhersteller die Geräte für den Bau, stellt sich die gesamte Finanzierung für alle anders dar. Circular Economy ist also Recyceln plus X. Und unter X fällt Finanzierung, Logistik, Rohstoffbeschaffung und Wissen.

Momentan beispielsweise gibt es Bemühungen, Schüler dafür zu interessieren. Schließlich wollen sie lieber Handys mit seltenen Materialien haben, als sich Rauchzeichen zu geben. Wie wird ihre Welt morgen aussehen, wenn sie wie wir leben - und wie können sie es besser machen? Darüber hinaus sind Schulungen für Unternehmen und Mitarbeiter geplant. Der Finanzbereich wird morgen bei einer eigens von KPMG veranstalteten Konferenz darauf eingestimmt, dass er neue Produkte anbieten kann. Wie wäre es mit Fonds, die nur in Circular Economy investieren?

Die Summe der Aktionen macht den Begriff schwer greifbar. Bei Unternehmen und der Bevölkerung herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Dass die Politik mit aller Macht in diese Richtung will, ist klar. Manche wissen auch schon, dass es einen Wettbewerb zwischen den Nationen gibt, der aber so nicht heißen soll, weil wir nur gemeinsam alle auf diesem Planeten überleben können und es sich nicht schickt, bei Gutmenschengedanken mit Gewinnerzielungsabsicht immer gleich ans Ausstechen zu denken. Bedenklich ist, dass Berater sich der Sache annehmen und Konzerne nach unbestimmten Kriterien grünwaschen. Da läuft eine runde Sache ins Leere. Vielleicht sollten sie nochmal nachlesen, was es wirklich ist. Also...