LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der zweite Band von Serge Braun stellt fast alles vor, was in den letzten Jahrzehnten im Fracht- und Maintenancebereich den Flughafen Findel angeflogen hat

Der erste, 2017 erschienene Band über die Flieger am Flughafen Luxemburg ist fast ausverkauft, da legt Autor Serge Braun den zweiten vor. Der Flugzeugenthusiast hatte im ersten Teil die Passagierflugzeuge vorgestellt. Im zweiten von drei Bildbänden geht es nun um die Geschichte der Cargolux und ihrer Maintenance-Abteilung, aber auch der Cargolux Italia, des Luxair Cargocenters, der Fracht-Fluggesellschaften von früher und heute sowie einiger seltener Frachtflugzeuge zwischen 1948 und 2018. Das reich bebilderte Werk ist wieder dreisprachig auf Deutsch, Französisch und Englisch erschienen.

Braun selbst arbeitet seit 35 Jahren bei der CFL als Fahrdienstleiter. Aber seit seinen Kindertagen faszinieren ihn Flugzeuge. Erst bestaunte er sie durchs Fernglas, dann hielt er sie mit seinem Canon Fotoapparat fest. Das ist heute auch noch so. Zwischen zwei Schichten etwas „plane spotting“ - und schon sieht das Leben besser aus. Seit 1984 arbeitet er darüber hinaus auch ehrenamtlich für das internationale Schweizer Luftfahrtmagazin „jetstream“ (www.jetstream.ch) als Korrespondent für den Flughafen Luxemburg-Findel. Wir haben den Luxemburger gefragt, auf was sich die Leser des zweiten Bandes freuen dürfen.

Herr Braun, das Buch ist mit 460 Seiten viel dicker als der erste Band über Passagierflugzeuge mit rund 280 Seiten. Wie kommt das?

Serge Braun Mein zweites Findelbuch behandelt das Thema Cargo, also Frachtflieger am Flughafen Findel. Bekanntlich betreibt Cargolux auch eine Flugzeugwartung in Luxemburg und weil dorthin während den letzten Jahrzehnte sehr viele exotische Flugzeuge zur Inspektion kamen, wollte ich unbedingt das Kapitel „CV-Maintenance“ in diesem zweiten Buch unterbringen. Das Kapitel umfasst schlussendlich 160 Seiten, was die erhöhte Seitenzahl von Band zwei erklärt. Auf 460 Seiten befinden sich nun rund 700 Fotos, viele davon ganz einzigartige Zeitzeugnisse. Das neue Findelbuch Part-2 wird in allen guten Buchhandlungen und Zeitungskiosken sowie in verschiedenen Supermärkten zum Preis von 48 Euro verkauft. Im Dezember war mein neues Buch sogar in der Rubrik „Luxemburgensia“ tagelang auf Platz eins. Die Qualität meines ersten Buches hat sicherlich zu diesem Resultat beigetragen.

Was erwartet denn die Leser?

Braun Vor allem viel über Frachtfugzeuge am Findel! So hatte Cargolux beispielsweise am Anfang ihrer Geschichte insgesamt fünf Canadair CL-44 im Einsatz, danach folgten diverse DC-8 Frachter der verschiedensten Versionen und sogar eine Boeing 707 der Cargolux wurde zum Pferdetransporter umgebaut. Cargolux hatte auch drei Mal in ihrer bisherigen Geschichte Passagierflugzeuge für andere Airlines betrieben: Douglas DC-8 für Bangladesch Biman, Air Algérie und Loftleidir. Durch das Vermieten von Passagierflugzeugen hat Cargolux gutes Geld verdient. Das geschah oft wochen- oder monatsweise. Ende der 70er Jahre half Cargolux sogar gemeinsam mit einigen Unternehmern bei der Gründung der Aero Uruguay, der Bab El Mandeb Airlines sowie der TAM aus Mexiko. Übrigens hat Cargolux auch Passagier-Jumbos für Drittgesellschaften eingesetzt, welche damit Pilgerflüge, so genannte „Hadj-flights“, nach Mekka durchführten. Die Ölkrise Anfang der 80er Jahre führte dazu, dass die DC-8 fast alle verkauft oder vermietet wurden. Am Ende hatte Cargolux nur noch eine einzige 747 übrig für ihre Fracht. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Krise länger angedauert hätte. Zum Glück ging es 1985 wieder bergauf. Als ein Jahr später die US-Gesellschaft „Transamerica“ Insolvenz anmeldete, kaufte die Cargolux gleich drei 747 und baute ihr Luftfrachtgeschäft wieder auf. Cargolux hat auch mal den Einsatz der Antonov AN-124 getestet, doch der Frachter erwies sich als zu groß und zu unrentabel für die CV-Flottenpolitik. Man entschied sich danach zum Kauf der Boeing 747-400F und später dem Nachfolgemodell Boeing 747-8F.

Können Sie uns weitere Details geben zu den anderen Kapiteln Ihres zweiten Buches?

Braun Nun ich will nicht zu viel verraten, doch neben unserer Cargolux, der Cargolux-Italia und der Cargolux Flugzeugwartung beschäftigt sich der zweite Teil des Buches mit den verschiedenen Etappen des Luxair Cargo Centers und den Frachtfluggesellschaften auf Findel von früher bis heute. Das letzte Kapitel handelt von seltenen Frachtfliegern am Findel, die nur einmal oder aber während einer sehr kurzen Zeit am Findel zu beobachten waren. Ich nenne hier nur den Super Guppy von Airbus Industries, die AN-225 als größtes Frachtflugzeug der Welt oder aber die Conroy Skymonster der Azerbaijan Airlines auf einem Sonderflug nach Baku.

Sie arbeiten bereits am dritten Band?

Braun Ja, darin geht es um die anderen LX-Fluggesellschaften von früher bis heute, die Privatfliegerei, Militär- und Regierungsflieger, Helis, Oldtimer, Special Events wie die Taufe oder die Verschrottung eines Flugzeuges sowie last but not least einige Anekdoten vom Findel.

Wer will, kann mir gern noch seine Anekdoten oder Fotos einsenden, ich sammle bis Ende 2019. Danach fange ich erst an Band drei zu schreiben. Wenn alles klappt, wird das letzte Buch meiner Findel Trilogie im Oktober oder November 2020 erscheinen. Nach dem Erfolg der ersten beiden ist es sicher gut, sich frühzeitig ein Exemplar zuzulegen, denn ob sie jemals nachgedruckt werden, ist unklar.