LUXEMBURG
JEFF KARIER

„SafeLive“ soll das Leben von Senioren und Pflegebedürftigen sicherer machen

Ein alleinstehender Mann um die 90 will nur mal eben die Zeitung und die Post aus dem Briefkasten holen. Da er jedoch nicht mehr gut zu Fuß ist, stürzt er die Treppe vor seinem Haus hinunter. Einer seiner Nachbarn hört die Hilferufe des Mannes und holt einen Krankenwagen. Was wäre jedoch passiert, wenn kein Nachbar da gewesen wäre?

Das luxemburgische Start-up „Black Swan“ hat eine Lösung entwickelt, die unter anderem bei solchen Fällen ein echter Lebensretter sein kann. Hinter „SafeLive“ steckt ein Algorithmus, der Anomalien in Bewegungsmustern und anderen Daten von Personen erkennt und Familienmitglieder oder auch Pflegepersonal alarmieren kann.

Schritt halten

„Im Alltag nehmen Menschen - auch alte - täglich denselben Weg, egal ob sie zu Fuß, mit dem Auto oder dem Bus zur Arbeit oder zum Supermarkt fahren“, erklärt Alexandru-Adrian Tantar. Der Mitgründer des Unternehmens „Black Swan“ hat gemeinsam mit seiner Frau Emilia Tantar und seinem Team „SafeLive“ entwickelt.

„Die App registriert zunächst über einen Zeitraum von drei Wochen Daten wie zum Beispiel Bewegungsmuster der zu beobachtenden Person.“ Die gesammelten Informationen werden durch den Algorithmus gejagt. So entsteht ein Profil, das als Norm gilt. „Weicht die Person nun stark von ihrem üblichen Muster ab, wird ein Hinweis oder - bei höherem Risiko - ein Alarm an die definierten Kontakte, wie Angehörige oder Pfleger, gesendet. Denn bei dieser Abweichung könnte es sich um einen Notfall handeln. Sie könnte sich zum Beispiel verlaufen haben.“

„SafeLive“ reagiert aber auch auf Geräusche und auf das zeitliche Verhalten. Unübliche Geräuschentwicklungen in der Nacht können genauso einen Alarm auslösen wie zeitliche Verschiebungen gegen das Normalverhalten, wenn die Person zum Beispiel wesentlicher länger im Bett liegen bleibt als üblich.

Die App richtet sich somit sowohl an ältere Personen, die alleine wohnen und deren Angehörige aus Sorge ein Auge auf sie haben wollen, als auch an Pflegeheime, die mit der App ihre Bewohner überwachen können, um schnell reagieren zu können. „Es sind aber noch viele weitere Anwendungsbereiche denkbar und geplant“, meint Alex Tantar.

Profil lernt dazu

Unterschieden wird zwischen Warnungen und Alarm. Erstere sollen nur dazu dienen, auf eine Abweichung zu dem Üblichen, die aber nicht kritisch ist, aufmerksam zu machen. „Bei einem Alarm geht die App von einer Dringlichkeit aus. Sie zeigt dann auch an, welche Art von Problem es ist und wo sich die Person befindet“, definiert Emilia Tantar, „Chief Operating Officer“ von „Black Swan“. Die App speichert auch ob, wann und wer auf den Alarm reagiert hat. Die Informationen für die „SafeLive“-App können aus jeder Art von digitalem Gerät mit Sensorik kommen. Ein Smartphone kann etwa die Lokalisierung liefern. In Verbindung mit Smartwatches werden noch weitere Informationen, wie etwa die Pulsfrequenz erfasst. Diese Daten fließen ins Profil mit ein, das aufgrund aller verfügbaren Datenströme auch ständig dazu lernt. Über die App können die Angehörigen oder das Pflegepersonal auf die kondensierten Profildaten zugreifen.

„Es werden jedoch keine detaillierten persönlichen Daten gespeichert, sondern eben ein Profil, also ein mathematisches Modell, das unser Algorithmus aus den Daten erstellt hat. So können keine dritten Personen diese Daten nutzen, auch dann nicht, wenn sie trotz Verschlüsselung einem Dritten zugänglich würden“, führt die COO aus. Von diesen mathematischen Modellen, die in der Cloud gespeichert werden, könne somit niemand auf die Person oder ihr Verhalten schließen, nicht einmal die Entwickler.

„Die Sicherheit der persönlichen Daten ist uns sehr wichtig und war von Beginn an ein zentraler Punkt in der Entwicklung der App“, sagt Alex Tantar weiter. So ist auch der Datenaustausch geschützt und die Geräte, auf denen die App installiert wird, bekommen ein einmaliges digitales Zertifikat. Laut den beiden Entwicklern werde eine fünfstufige Verschlüsselung verwendet, um die Sicherheit sicherzustellen.

Positives Feedback

In einem ersten groß angelegten Versuch wurde die App über fast sechs Monate in einem Pflegeheim eingesetzt. Das Pflegepersonal soll dabei sehr angetan gewesen sein von der Funktionsweise der App, die ihnen die Arbeit erleichtert habe. „Die Testsenioren wollten sich am Ende gar nicht mehr von den Smartwatches trennen“, meint Emilia Tantar.

„Aktuell reden wir mit Diensten wie ‚Hëllef Doheem’ über die Möglichkeiten der Nutzung unserer App und den entsprechenden Geräten“, meint Alex Tantar. Bislang böten Pflegedienste sogenannte Panikknöpfe für Senioren und Pflegebedürftigen an. Auch die Schutzengel-App verfügt über eine ähnliche Funktion.

„Um Alarm zu geben muss die Person lediglich drei Mal auf das Display der Smartwatch tippen.“. Die verbundenen Personen können dann den Träger der Uhr auf der Uhr, die mit dem Smartphone verbunden ist, anrufen, um etwa nachzufragen, was los ist. Das Potenzial der App ist sehr groß. „Wir sind fertig mit der Entwicklung der Technik und haben mit der Vermarktung begonnen“, erklärt Alex Tantar. „SafeLive“ werde in den nächsten Monaten auf den Markt kommen.