LUXEMBURG
DR. JEAN BOTTU

Die Covid-19-Krise hat das öffentliche Leben in Luxemburg auf den Kopf gestellt. Auch die Nichtregierungsorganisation „Médecins du Monde Luxemburg“ musste ihre Arbeit umstellen. Ihr Appell in diesen Zeiten lautet, die Schwächsten in dieser Krise nicht zu vergessen. Gleichzeitig sucht die Organisation freiwillige Helfer und Material.

„Mit der Covid-19-Krise und den Anweisungen der Regierung hat sich die Situation für uns verändert. Die Zahl der Leute, die zu uns kommen, ist zurückgegangen. Gleichzeitig haben wir einem Teil unserer Freiwilligen, die ein gewisses Alter haben oder als gefährdet gelten, nahegelegt, zuhause zu bleiben, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Unseren Bereitschaftsdienst haben wir von sechs- auf viermal pro Woche reduziert und versuchen ihn weitestgehend per Telekonsultation, also telefonisch zu organisieren. Wer behandelt werden muss, muss derzeit statt im Wartesaal draußen warten. Der Bereitschaftsdienst wird ebenfalls durch eine reduzierte Mannschaft - einen Arzt und einen Krankenpfleger sowie einen Beschäftigten im Backup – gewährleistet.

Wir stellen bei unserer Arbeit fest, dass die Informationen und Anweisungen der Regierung die Menschen, die auf der Straße leben, keinen Fernseher haben, um die Nachrichten zu verfolgen oder weder Luxemburgisch noch Französisch verstehen, nur beschränkt erreichen. Es reicht beispielsweise, durch eines der bekannten Viertel zu gehen und man sieht, dass sich die Leute dort in Gruppen versammeln. Es ist keine einfache Situation. Wir versuchen alles mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu machen

Wir sind uns bewusst, dass die Regierung hier mit einer Notsituation konfrontiert war und prioritäre Maßnahmen ergreifen musste. Unsere Aufgabe ist es zu sagen: Vergesst nicht die Menschen, die keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben und dass man niemandem sagen kann, zuhause zu bleiben, wenn derjenige kein Zuhause hat. Außerdem darf es keine Diskussion darüber geben, wer behandelt wird und wer nicht. Es handelt sich hier um Menschen ohne Schutz, die zudem in sozioökonomischer Hinsicht geschwächt sind.

Auch deshalb lancieren wir einen Appell. Wir sind auf der Suche nach Freiwilligen, die uns derzeit unter die Arme greifen können, auch wenn uns klar ist, dass die Situation nicht einfach ist. In punkto Material konnten wir uns zwar frühzeitig vorbereiten. Doch Desinfektionsmittel oder Schutzbrillen werden dennoch gebraucht.

Darüber hinaus gibt es noch eine Initiative, an der man sich in Luxemburg inspirieren könnte. In Brüssel haben Gemeinden leer stehende Gebäude beschlagnahmt, um Menschen ohne festen Wohnsitz so zu ermöglichen, die Ausgangssperre zu respektieren.“