LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Innenarchitektin Do Demuth verbindet alte Elemente mit neuer Gestaltung

Do Demuth aus Schifflingen ist seit 15 Jahren selbstständige Innenarchitektin. Als „One Woman Show“ ist sie vor allem an kleinen Projekten im Privatbereich interessiert, bei denen sie Wohnraum durch ihre Gestaltung wiederbelebt. Auf was sie besonderen Wert legt und wie sie die momentane Situation in der Architektur einschätzt, hat sie uns im Interview verraten.

Was haben Sie studiert?

DO DEMUTH Angefangen habe ich mit einem Sprachstudium, da ich immer Dolmetscher werden wollte. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das Kreative in dem Metier fehlt. Nachdem ich bei diversen Filmproduktionen mitgearbeitet habe, wurde mir bewusst, dass ich im Bereich Dekoration bleiben wollte. So bin ich dann zur Innenarchitektur gekommen. Hier kann ich mich mit den verschiedenen Kunstepochen und -stilen auseinandersetzen, und mich mit Raumgestaltung und -ausstattung beschäftigen. Daher kann ich sowohl beim Film und Theater Dekorationen kreieren, aber auch in der Architektur tätig sein. Nachdem ich in Brüssel ein vierjähriges Studium an der Académie des Beaux-Arts im Bereich Innenarchitektur abgeschlossen hatte, bin ich nicht mehr zur Filmbranche zurückgegangen. Ich wollte das technische Know-How, das ich durch mein Studium erlernt hatte, weiter anwenden. Deswegen war ich zunächst vier Jahre lang in Architekturbüros angestellt, bevor es dann Zeit wurde, keinen Vorgesetzten mehr zu haben. Seit 2003 bin ich selbstständig.

Innenarchitektur bedeutet für Sie...?

Demuth Für mich ist Innenarchitektur Raumgestaltung im weitesten Sinne. Sie betrifft nämlich nicht nur den Raum an sich, sondern immer auch die Person, die darin lebt. Es ist ein Zusammenspiel zwischen Bewohner und seiner Wohnung oder seinem Haus. Anliegen und Wünsche müssen angepasst werden, denn auch das Gebäude hat seine Bedürfnisse. Bei altem Gemäuer, das schon einiges an Geschichten erzählen kann, ist es einfach wunderschön, seine Seele unterstreichen zu können. Durch die Renovationsarbeiten der fünfziger, sechziger, siebziger Jahre wurde der Bausubstanz relativ viel Schreckliches angetan. Ich versuche die verborgenen Schichten aufzudecken, um den Originalzustand des Hauses wieder hervorheben zu können. Dies wird dann mit neuen Elementen kombiniert, mit ansprechenden Farben oder spezifischer Möbelausstattung. Oft kann dies sehr schlicht gehalten werden, sodass das Neue im guten Dialog mit dem Alten stehen kann.

Gibt es den ‚Do-Demuth-Stil‘?

DEMUTH Ich denke schon, dass ich einen eigenen Stil habe. Er ist nicht extravagant, der jedem direkt ins Auge springt. Meine Zeichnungen sind schlicht und zeitlos, sodass es auch in zehn Jahren noch passend sein wird. Es ist mir wichtig, dass die Nachhaltigkeit auch in der Raumgestaltung respektiert wird. Es bringt ja nichts, etwas Hypermodisches zu gestalten, das in ein paar Jahren als stilistisch obsolet angesehen wird. Durch die Nüchternheit meines Stils soll das eigentliche Material des Gebäudes herausstechen. Das alte Parkett, die Holzbalken an der Decke, oder auch eine rohe Mauer, an der vielleicht noch ein bisschen von Großmutters Tapete zu sehen ist sind kleine sensible Details, mit denen ich gerne arbeite. Dazu gehört ein eher umsichtiges Vorgehen, es widerstrebt mir, mit dem Bagger alles plattzufahren und dann Betonklötze aufzustellen. Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie altes Holz rausgerissen wird, nur weil es auch mal knarrt und knackt. Das gebe ich auch dem Kunden zu verstehen. Mit jemandem, der altes Gemäuer von vornherein nicht behalten will, kann ich nicht zusammenarbeiten. Meine jetzigen Kunden kommen aber eigentlich genau deswegen zu mir, sie schätzen meine Einstellung und mein filigranes Vorgehen.

Wo finden Sie Ihre Inspirationen?

DEMUTH Größtenteils im Haus selber. Zunächst muss man sich natürlich mit dem Aufbau des Gebäudes beschäftigen. Aber punkto Farb- und Materialkombinationen entdecke ich viele Ideen in der Natur. Ich observiere gerne mein Umfeld, die Natur, die Menschen, Tiere und Wälder. Natürliche Texturen wie das Fell eines Tieres bieten sehr viele schöne Farbkombinationen und -spiele an. Ich arbeite auch gerne mit dem Lichteinfall, das fasziniert mich. Ich habe aber jetzt kein rigides Rezept, nach dem ich arbeite. Das hängt immer vom Projekt individuell ab. Das ist ja auch das Schöne am Beruf, so kommt keine Monotonie auf.

Wie schätzen Sie die momentane Architektur ein?

DEMUTH Alles, was vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde, zeugt richtig von Liebe zum Detail. Da gibt es wunderschöne Dekorelemente, tolle Zierleisten an den Decken und Türen mit Ornamenten. Nach dieser Zeit ging es vor allem darum, schnell und billig zu bauen. Heute ist das leider auch so. Wenn man sich anschaut, was im Privatbereich gebaut wird, alle diese Einfamilienhäuser, das ist wirklich witz- und seelenlos. Ich finde es grausam, dass fast nichts mehr zu finden ist, das eigenständigen Charme hat. Ja klar, da wo Architekten sich austoben und größere Projekte umsetzen können - aber auch das riskiert oft nach zehn, 20 Jahren überlebt zu sein. Im Moment finde ich, dass vor allem die großen Architekturprojekte interessant sind. Hier entstehen riesengroße Flächen, Philharmonien und ähnliches, da passiert wirklich viel.

Im Privatbereich hingegen herrscht Monotonie, man fühlt sich wie in einem Käfig oder einer Kiste, und es ist eigentlich egal, wo man mit der Kiste steht. Meiner Meinung nach hat dies auch einen Einfluss auf die Moral und das Leben der Menschen. Das Wohlbefinden und die Lebensqualität steigert sich bestimmt nicht, wenn man in engen Zimmerchen mit niedrigen Decken wohnen muss. Da lebt man in luftigen Räumen mit viel Licht und schönen, gut bedachten Details ganz anders, hier kann man sich erst entfalten. Ich freue mich, dass meine Arbeit den Menschen einen Ort zum Wohlfühlen schaffen kann. Eine Wohnung ist ganz sicherlich mehr als bloß vier Wände und ein Dach. Meine Vorgehensweise schafft Zufriedenheit bei meinen Kunden, das ist die beste Bestätigung.


www.dodemuth.lu