LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Von einer Biografie über zwei Filme bis zu „The Sound of Music“ am Broadway - Sommerserie über die Entstehungsgeschichte bekannter Musicals

Wir schreiben das Jahr 1905. Augusta und Karl Kutschera sind in einem Zug unterwegs in ein Wiener Krankenhaus, als ihre Tochter Maria Augusta, kurz Maria genannt, auf der Fahrt geboren wird. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern lebt Maria Augusta bei ihrer Großmutter. Sie erlernt den Beruf einer Lehrerin und arbeitet als Erzieherin in der Klosterschule der Abtei Nonnberg in Salzburg. Sie will in den Orden eintreten, doch die Äbtissin beordert sie 1925 als Hauslehrerin zu dem in Österreich bekannten Korvettenkapitän Georg Ludwig von Trapp (1880 - 1947). Sie unterrichtet die sieben Kinder des Witwers, dessen Frau Agathe 1922 an Scharlachfieber stirbt. Maria und Georg heiraten 1927 und bekommen noch drei Kinder.

Von Trapp verliert 1935 sein ganzes Geld im Konkurs einer Bank. Wegen des musikalischen Talents seiner Familie gründet er den Kammerchor Trapp. Der Kaplan Franz Wasner ist dessen musikalischer Leiter. Nach der Annexion von Österreich an Deutschland wird von Trapp 1938 ein U-Boot-Kommando angeboten. Doch er nimmt das Angebot nicht an, sondern nutzt einen Auftritt in Italien, um mit seiner Familie und Wasner nach Amerika auszureisen. In Amerika sind sie als „Trapp Family Singers“ äußerst erfolgreich. Die Familie lässt sich im Vermont nieder, wo Georg 1947 an den Folgen eines Lungenkrebses stirbt. 1950 singt die Trapp-Familie wieder in Salzburg, bevor der Chor 1956 aufgelöst wird. Maria bleibt im Vermont, wo sie sich um ihr Hotel „Trapp Family Lodge“ kümmert. Dort stirbt sie 1987 an einem Herzversagen.

Eine Biografie und zwei Filme

In Deutschland dreht Wolfgang Liebeneiner 1956 den Film „Die Trapp-Familie“ sowie die Fortsetzung „Die Trapp-Familie in Amerika“, mit Ruth Leuwerick als Maria und Hans Holt als Georg. Beide Filme basieren auf der Biografie von Maria Augusta von Trapp aus dem Jahr 1949 „The Story of the Trapp Family Singers“. Der Theaterregisseur Vincent J. Donehue sieht diese Filme und erkennt das Potenzial für ein Bühnenmusical und den damaligen Musical-Star Mary Martin (sie ist übrigens die Mutter von Schauspieler Larry Hagman).

Die Produzenten Leland Hayward und Richard Halliday, den Ehemann von Martin, kann er überzeugen. Allerdings soll es ein Theaterstück werden, mit Liedern aus dem Repertoire der singenden Familie. Dann entscheiden sie sich, ein oder zwei Songs vom Komponisten Richard Rodgers und seinem Texter Oscar Hammerstein II. einzufügen, bis schließlich daraus ein komplettes Musical mit neuen Liedern wird, „The Sound of Music“, mit unter anderem den Evergreens „Do-Re-Mi“, „Edelweiss“, „My Favorite Things“ oder dem Titelsong.

Als Musical sowie als Film erfolgreich

Die Geschichte der Trapp-Familie wurde natürlich zu Bühnenzwecken verändert. So ist Maria (Mary Martin) eine Novizin, und die Familie flüchtet zu Fuß über die Berge in die Schweiz, was direkt von Salzburg aus unmöglich ist. Die Broadway-Premiere war am 16. November 1959 im Lunt-Fontanne Theatre, wo 1443 Mal gespielt wurde. Den Captain von Trapp sang Theodore Bikel, Patricia Neway die Äbtissin und Kurt Kasznar war Max Dettweiler, alias Franz Wasner. Das Musical wurde mit fünf Tony Awards ausgezeichnet, unter anderem als bestes Musical und Martin und Neway gewannen den Preis als beste Haupt- und Nebendarstellerin. „The Sound of Music“ war auch die letzte Zusammenarbeit von Rodgers und Hammerstein, denn letzterer starb 1960 an einem Magenkrebs.

Im März 1964 begannen die Dreharbeiten für die Verfilmung im 70mm-Verfahren, unter der Regie von Robert Wise, in Kalifornien und an der Originalschauplätzen in Salzburg, eine Stadt, die auch noch heute vom Film lebt. Julie Andrews als Maria drehte ihren zweiten Film nach „Mary Poppins“, und Christopher Plummer spielte den Captain von Trapp. Zwei neue Songs wurden eingefügt, „I Have Confidence“ und „Something Good“, während „How Can Love Survive“, „No Way To Stop It“ und „An Ordinary Couple“ wegfielen. Der Film brach an den Kinokassen das Rekord-Einspielergebnis von „Vom Winde verweht“ und gewann fünf Oscars. In der deutschen Fassung, „Meine Lieder - Meine Träume“, die damals um die Nazi-Anspielungen gekürzt wurde, sprach Michael Tellering den Kapitän von Trapp, während der Luxemburger Camillo Felgen die Lieder sang.