LUXEMBURG
SVEN WOHL

Nach der Stagnation soll der Ausbau der Solarenergie in Luxemburg neuen Aufschwung erfahren

Den Ausbau der erneuerbaren Energie hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt. Bis 2020 soll Energie aus erneuerbaren Quellen elf Prozent der eigenen Produktion ausmachen. Immerhin: Bei der Windenergie ist ein steter Wachstum zu verzeichnen. Zwischen 2008 und 2018 wurden hier die Kapazitäten um ganze 410 Prozent erhöht. 2018 erreichte man schließlich den Rekordwert von 255 Gigawattstunden - zehn Jahre davor waren es 62 Gigawattstunden. „Bei der Windkraft sind wir in den vergangenen Jahren gut vorangekommen, weil wir auch ganz große Anlagen gebaut haben“, so Energieminister Claude Turmes auf der gestrigen Pressekonferenz. Hier erwartet man sich auch in den kommenden Jahren einen vergleichbaren Schub, so dass das Land hier besser da stünde, als man dies noch vor einigen Jahren für möglich gehalten hätte.

Beim Solarstrom ist ein ähnlicher Anstieg auszumachen. Die Kapazitäten der installierten Photovoltaikanlagen sind seit 2008 um 533 Prozent gestiegen (siehe Grafik). Insgesamt seien in dieser Periode 7.000 Anlagen installiert worden sein. Was das photovoltaische Leistung dieser Anlagen pro Einwohner betrifft, so erklimmt des Großherzogtum in Europa den sechsten Platz in Europa. Der einzige Dämpfer: In den vergangenen beiden Jahren setzte eine Stagnation beim Bau neuer Anlagen ein.

Klare Visionen

Diese versucht man nun seitens des Energieministeriums aufzubrechen. „Wir haben einen kohärenten Plan“, betonte der Minister gestern bei der Vorstellung der mehrspurigen Strategie. Ein erstes Puzzlestück, welche die Tarifstruktur für kleine und mittlere Anlagen umbaute, wurde im April über ein großherzogliches Reglement eingeführt. Der unmittelbare Effekt schlägt sich in 700 Anfragen nieder. Diese Anlagen alleine sollen in etwa 50 MW produzieren und könnten somit den Energiebedarf von 33.000 Einwohnern abdecken. Damit würde das Großherzogtum die Gesamtleistung auf 180 MW steigern. Überrascht und zugleich erfreut zeigte sich der Energieminister über die Tatsache, dass sich viele Bürger in Kooperativen zusammentun, um solche Anlagen zu betreiben. Etwa 100 Anfragen von solchen Kooperativen liegen dementsprechend vor. „Anfangs herrschte da noch Skepsis“, meinte der Minister und bezeugte, dass sich dies nun gewandelt habe.

Investoren gesucht

Doch dabei handelt es sich nur um einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Im Rahmen einer neuen Ausschreibung für Großanlagen möchte man eine zusätzliche Kapazität von 40 MW aufbauen. Ins Visier genommen werden normale Gebäude, Industriegebäude wie auch Schattendächer und künstliche Gewässer, die zu den Industrien im Süden des Landes gehören, und zur Kühlung genutzt werden. Bis zum 16. März 2020 haben Interessierte Zeit, ihre Projekte einzureichen. Im April und Mai kommenden Jahres werde eine Auswahl getroffen, um dann zwischen Oktober und November mit den Projekten fortzuschreiten. „In dieser Größenordnung ist das für Luxemburg ein großer Sprung nach vorne“, bezeugte der Energieminister mit Hinblick auf den Ausbau der Kapazitäten.

Kombiniert würde man so auf über 200 MW kommen. Doch weshalb sollten die Investoren sich durch die Ausschreibung locken lassen?

Der Staat garantiert über die Dauer von 15 Jahren einen gewissen Einspeisungspreis für den Strom. Wer das preiswerteste und seriöseste Projekt vorzeigen kann, erhält hier den Zuschlag. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um eine einmalige Aktion, wie der Minister durchblicken lässt, jedoch würde die Preisstruktur in ihren Maximalwerten in den kommenden Ausschreibungen anders aussehen, weshalb potenzielle Investoren eher jetzt an Bord kommen, wie der Minister sich sicher war.

Weitere Maßnahmen folgen

Neben dieser Maßnahme stellte der Minister auch ein neues Gesetz für dieses Jahr in Aussicht, das den Einsatz von Solarzellen bei den Eigenheimen stärken soll. Auch was die Nutzung von Batterien anginge, soll eine Verbesserung kommen. Dieses Gesetz sei vor dem Sommer bereits beim Staatsrat gelandet, so der Minister.