LUXEMBURG
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Der hauptstädtische Gemeinderat stimmt Bohrungen in Cessingen zu

Der hauptstädtische Gemeinderat gab gestern seine Zustimmung zum Ausbau der Kläranlage in Beggen, die erst 2012 eröffnet worden war, und das Abwasser von 210.000 Einwohner/Gleichwerten reinigen sollte. Jetzt lautet das vorerst gesteckte Ziel 450.000 Einwohnergleichwerte, das aber erst im Jahr 2027 erreicht werden kann. In einer ersten Phase geht es um die Vergrößerung der Kapazität der Anlage um 50.000 Einwohnergleichwerte, und um die Schaffung einer vierten Reinigungsphase, die es ermöglichen soll, auch Chemikalien und Medikamentenrückstände aus dem Abwasser zu entfernen. Diese Modernisierung wird aufgrund neuer EU-Wassernormen notwendig.

Während das Gesamtprojekt mit 200 Millionen Euro beziffert wird, beträgt der Kostenpunkt der ersten Phase gemäß dem gestern angenommenen „Avant-projet sommaire“ 27 Millionen Euro. Gebaut werden unter anderem zwei zusätzliche Becken, ein Faulturm sowie eine Vorkläranlage. Zu erwähnen ist, dass in Beggen nicht nur die Abwässer der Hauptstadt behandelt werden, sondern ebenfalls die der Gemeinden Bartringen, Strassen, Leudelingen und des (Flughafen) Findel.

Auf dem „Kuelebierg“ („Tubishaff“) in Cessingen wird das Grundwasser angebohrt. Rezent hat der Staat nämlich sein Verbot für das Vornehmen solcher Bohrungen aufgehoben. Das so erschlossene Wasserreservoir soll 55 Kubikmeter pro Stunde liefern, was einer recht hohen Schüttung entspricht. Indes wird das aus einer Tiefe von 122 bis 143 Meter zu Tage geförderte Wasser zu eisen- und manganhaltig sein, so dass eine Demineralisierung nötig wird. Demnach wird ein Bauwerk von 12,20 x 11,20 Metern in der Rue Kohlenberg errichtet, in dem eine Filteranlage untergebracht wird. Kostenpunkt der Bohrung und Anlage: rund zwei Millionen Euro. Die zuständige Schöffin Simone Beissel stellte klar, dass diese Investition dazu beitragen soll, die Wasserversorgung der Hauptstadt sicherzustellen. Immerhin wird der neue Wasserturm im „Ban de Gasperich“ mit SEBES-Wasser beliefert.

Der Gemeinderat hieß einen rektifizierten Kostenvoranschlag für die Arbeiten in der Avenue Gaston Diderich gut, der sich auf fast 2,8 Millionen Euro beläuft, und damit den ursprünglichen Kostenvoranschlag von zwei Millionen Euro um fast 40 Prozent übersteigt. Als Grund für diese doch happige Kostenerhöhung wurde unter anderem der verseuchte Untergrund angeführt (es seien „hydrocarbures aromatiques polycycliques“ festgestellt worden). Die Erde musste zur Sonderreinigung nach Amsterdam, so dass erhebliche Transportkosten anfielen. Auch mussten weitere, unvorhergesehene Maßnahmen ergriffen werden, um das Projekt fertigstellen zu können. Die Straße wurde auf einer Länge von 650 Metern neugestaltet.

Beteiligung an „Design City“

Der Gemeinderat hieß verschiedene Konventionen gut, so die Teilnahme an der nächsten Ausgabe von „Design City“, die vom Mudam organisiert wird. Unter anderem werden, so war den Worten von Rätin Sylvia Camarda (DP) zu entnehmen, eine ganz besondere Bank auf dem Place du Théâtre aufgestellt und ein partizipatives Projekt umgesetzt.

Schöffin Colette Mart gab zum Teil Antwort auf eine Reihe von Fragen, die die Gemeinderäte am vergangenen Freitag im Rahmen der Debatte zur Schulorganisation 2018-2019 aufgeworfen hatten. Unter anderem machte sie einen Rückblick auf das Projekt Ganztagsschule, das im Bahnhofsviertel entstehen sollte, das aber jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben scheint. So sieht es danach aus, als werde man die Fertigstellung des neuen Schulkomplexes in der Rue Adolphe Fischer abwarten müssen, bevor sich wieder etwas im Dossier tut.

Schulorganisation 2018-2019 einstimmig verabschiedet

Die Schöffin ging ebenfalls auf ein auf Limpertsberg ausgearbeitetes Projekt ein, wonach die Kindergartenkinder die Schule bis 12.50 besucht und danach frei gehabt hätten. Dieses Modell, sagte die Schöffin, hätte jedoch eine Aufstockung des Betreuerpersonals im lokalen „Foyer scolaire“ nach sich gezogen, und habe bei den Eltern für etliche Aufregung gesorgt, so dass es nicht weiterverfolgt werde.

Zum „Kanner-Elteren-Center“ bestätigte sie nochmals dessen Schließung, nannte aber keinerlei Zahlen was Besucher und Teilnehmer an den Aktivitäten angeht. Die Schulorganisation 2018-2019 wurde einstimmig angenommen.

„Hariko“ muss umziehen

Im Rahmen der „Fragestunde“ war zu erfahren, dass die Stadt eventuell eine Konvention mit dem Betreiber des „Coffee Bike“ abschließt. Schöffe Patrick Goldschmidt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadt 2017 den „Kommerz im öffentlichen Raum“ geregelt hat, und jeder Interessierte einen Antrag stellen kann. Die Bestimmungen sind im Internet der Stadt einzusehen („vente dans l’espace public“ in die Suchmaschine eingeben).

Im Bahnhofsviertel sollen in der Avenue de la Gare einmal sowohl die Busse als auch die Fahrräder bidirektional verkehren. Dies bestätigte Schöffe Goldschmidt in Beantwortung einer Frage von Rätin Sam Tanson („déi gréng“). Goldschmidt wies auch darauf hin, dass im Herbst die Arbeiten zur Verbreiterung des „Viaduc“ („Passerelle“) anlaufen werden, und hierfür eine Bauzeit von anderthalb Jahren vorgesehen ist.

„Hariko“, ein Jugendhilfsprojekt des Roten Kreuzes, muss aus seinen derzeitigen Räumlichkeiten umziehen, da der Eigentümer ein größeres Bauprojekt lancieren möchte. Bürgermeisterin Lydie Polfer wies indes darauf hin, dass dies sich wohl noch eine längere Zeit hinziehen dürfte, müsse doch ein Teilbebauungsplan vorliegen. Nichtsdestotrotz sieht man sich nach einem anderen Standort um. Dass „Hariko“ eventuell nach Esch-Alzette umzieht, sieht die Bürgermeisterin derweil als „grondleeënd eng gutt Iddi“ an. Es sei sicherlich nicht falsch, dieses Projekt ebenfalls in der zweitgrößten Stadt in Luxemburg anzubieten.

Auf die Überschwemmungen im Pfaffenthal kam Carlo Back („déi gréng“) zurück. Ihm bestätigte Schöffin Simone Beissel, dass in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni der Hauptwasserkollektor überlastet war, was zum Teil auf nichtkonforme Privatanschlüsse zurückzuführen sei. Dem will man jetzt auf den Grund gehen. Gleichzeitig werden das Anlegen eines Bypasses sowie andere bauliche Maßnahmen ins Auge gefasst, um eine weitere Katastrophe zu verhindern.