COLETTE MART

Anschließend an die Zelebrierung des hundertsten Geburtstages des Frauenwahlrechts kommt es jetzt, Anfang 2020, zu einer entscheidenden Wende in Sachen Frauen in der Politik. Voraussichtlich werden im Laufe des Jahres 2020 21 Frauen der Abgeordnetenkammer angehören, womit sie dann mehr als ein Drittel der dortigen Mandate besetzen würden.

Während bis in die 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts lediglich eine einzige Frau, nämlich Marguerite Thoma-Clement, auf dem Krautmarkt ausgemacht werden konnte, und nach ihr Colette Flesch, Astrid Lulling und Madeleine Frieden-Kinnen in den 1960er/1970er Jahren zu den Pionierfrauen der Luxemburger Politik wurden, stagnierte die Anzahl der Frauen im Parlament bis voriges Jahr bei 15 bis 25 Prozent. Obwohl die großen Parteien sich allgemein bemühten, Frauen in die ersten Reihen der Politik zu bringen, schien es, als würden die Wähler nicht richtig mitmachen, und als würden die Frauen dann doch eine Hemmschwelle vor einem öffentlichen Mandat nicht überwinden.

Die Wege, die Frauen in die ersten Reihen der Politik brachten, sind vielfältig. Noch immer gilt es als elektoraler Vorteil, wenn man als Kind einer Politikerfamilie bei Wahlen kandidiert, und demnach einen politisch bekannten Namen trägt und die Stimmen der voran gegangenen Generationen für sich verbuchen kann. Des Weiteren gelten das Radio und das Fernsehen, sowie eine Karriere als Jurist oder Anwalt, oder aber ein lokalpolitisches Engagement als ein gutes Sprungbrett in die nationale Politik. Sehr viel schwerer haben es Männer und Frauen, die aus dem Handel, dem Handwerk kommen. Und Arbeiter können vor allem in die Politik gewählt werden, wenn sie gewerkschaftlich tätig waren, wie das zum Beispiel bei Jean Spautz und Benni Berg der Fall gewesen ist.

Schaut man sich hier und jetzt die Profile der Frauen in der Politik an, so stellt man fest, dass mit Francine Closener, Cécile Hemmen und Françoise Hetto-Gaasch drei frühere RTL-„Gesichter“ in den vordersten Reihen der Politik zu finden sind.

Interessanterweise zählt unser Parlament jetzt auch weibliche Profile aus jenen Berufen, in denen viele Frauen in der Gesellschaft tätig sind.

So kommen zum Beispiel Taina Bofferding, Simone Asselborn-Bintz und Djuna Bernard aus dem sozialen Bereich, Corinne Cahen, Tess Burton und Stéphanie Empain aus dem Handels- und Unternehmerbereich.

Darüber hinaus zählt die Abgeordnetenkammer bei den weiblichen Mitgliedern auch Anwältinnen und frühere Staatsbeamtinnen.

Die professionelle Diversität in der Politik konnte also dank der Frauen vorankommen. Die Parteien haben die Frauen dort rekrutiert, wo sie in der Gesellschaft tätig sind, und haben sie auch gelegentlich promoviert.

Es besteht demgemäß eine reale Hoffnung, dass sich auch die Diversität der Blickwinkel und der Sensibilitäten vornehmlich für alle sozialen Anliegen in der Politik verbessern wird und dass auf diese Weise dem Graben, der sich zwischen Politik und Bevölkerung ausbreitet, entgegengewirkt werden kann.