COLETTE MART

Im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen, deren Ausgang sicherlich auch die Zukunft der EU beeinflussen wird, lohnt sich ein Blick auf verheerende Entwicklung im Umgang mit der Wahrheit in der Politik. Der neugewählte amerikanischen Präsident Donald Trump machte schon zum Zeitpunkt seiner Vereidigung negative Schlagzeilen mit Falschmeldungen, also „Fake-News“; mittlerweile schleusen weltweit auch Hacker Falschmeldungen in die sozialen Netzwerke und beeinflussen die politische Meinung, sowie voraussichtlich den Ausgang von Wahlen. Politische Berichterstattung muss prinzipiell immer hinterfragt werden, weil sie tendenziös sein kann und bestimmte Aspekte der Wirklichkeit umschreiben oder vertuschen kann, gleichzeitig aber andere Aspekte hervorheben und die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung beeinflussen kann. Demgemäß lohnt es sich immer, Informationen aus verschiedenen Medien zu beziehen und zu vergleichen.

Allerdings ist die derzeitige gezielte Verbreitung von „Fake-News“ ein Phänomen, das eine ehrliche politische Presse unbedingt denunzieren muss und das dann doch neu ist in einer Zeit, in der gute Berichterstattung komplexer wird und viele Aspekte sozialer Realitäten umfassen muss. Die politischen Zeiten sind demgemäß gefährlich: Nachdem sich ein Donald Trump in Amerika an die Macht hissen konnte, und unseren Glauben an das amerikanische Demokratieverständnis durchaus ins Wanken bringen könnte, nachdem auch eine Gefahr besteht, dass sich fortschrittliche Kräfte in Europa von Amerika, anstatt nur von Trump, distanzieren, stehen in Europa Wahlen an, die das Schicksal des Kontinents beeinflussen werden. Genauso wie Trump will eine Marine Le Pen eine vermeintliche alte Größe ihrer Nation heraufbeschwören, während ein linksliberaler unabhängiger Kandidat wie Emmanuel Macron, der zum Beispiel den Kolonialismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnete, von Cyber-Attacken und „Fake-News“ untergraben wird.

Auch die anstehenden Bundestagswahlen in Deutschland werden durch „Fake-News“ beeinflusst, in denen Angela Merkels offenherzige Flüchtlingspolitik durch Schreckensmeldungen über kriminelle Flüchtlinge angegriffen wird. Rechtsradikale Fake-News, die dem Humanismus in Europa entgegenwirken, sind die versteckten Helfer reaktionärer Bewegungen und Politiker, die durchaus die Zukunft der EU und der Welt beeinflussen können. Aus all diesen Gründen ist es hier und jetzt wichtig, der Weltöffentlichkeit allgemein die Komplexität politischer Zusammenhänge verständlich zu machen und dem Humanismus auf jeden Fall zuzuarbeiten. Es gilt, jeder Besinnung auf grandiose alte Zeiten, die es nie gegeben hat, und deren „Grandiosität“, wie im Falle Frankreichs, mit einer menschenverachtenden Kolonialpolitik einherging, auf jeden Fall etwas entgegenzusetzen und korrekte Informationen zu verbreiten und in den Meinungen zu verankern. Des Weiteren empfiehlt sich unbedingt eine Solidarität aller fortschrittlichen Kräfte in den Industrienationen, was impliziert, dass Amerika auf keinen Fall mit Trump identifiziert werden sollte, sondern die zahlreichen Trump-Gegner, sowie die demokratischen Institutionen in Amerika bei uns Gehör finden sollten.