SANDWEILER
CLAUDE KARGER

Im Juni 1955 wurde der Deutsche Soldatenfriedhof in Sandweiler eingeweiht - ein Besuch 75 Jahre nach Kriegsende

Das Kanonenfutter war ein Mensch. Kriege werden von denjenigen gewollt, die entweder verrückt sind oder daran verdienen“, steht auf einer gerahmten Tafel am Grab von Nikolaus Kirsch aus Reitscheid. Darunter eine Urkunde aus einer Missionsschule, das den im November 1915 geborenen Kirsch als Jugendlichen zeigt. Er wurde 29 Jahre alt. Am 2. März 1945 kam der Obergefreite bei Kämpfen in der Nähe von Luxemburg um. Nikolaus Kirsch ist einer der insgesamt 10.913 Soldaten der Wehrmacht, die auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Sandweiler begraben sind. 4.829 ruhen in einem Kollektivgrab. Ihre Namen sind auf Bronzeplatten am Fuße eines großen Kreuzes vermerkt. 810 der Bestatteten sind bis heute unbekannt.

An einigen der Reihen der grauen Natursteinkreuze auf der Grasfläche, der die Dürre offensichtlich sehr zugesetzt hat, stehen Trockenkränze ohne Widmungen. Angehörige können sie über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der die Stätte unterhält, an den Gräbern niederlegen lassen. Übers Jahr kommen 1.000 bis 1.500 Menschen zu Besuch, viele rund um den Volkstrauertag Mitte November. 

Düster: der Eingangsbereich - Lëtzebuerger Journal
Düster: der Eingangsbereich

Tausende aus Massengräbern

An anderen Gräbern, erkennt man, dass sie regelmäßig besucht werden. Man sieht kleine Blumengebinde, Engelsstatuen, Laternen und andere Gegenstände. Erschreckend, wie jung die Verstorbenen waren, als sie ihr Leben verloren. Im Alter von um die 20, oft noch jünger kamen die meisten während der Kämpfe in der Ardennenschlacht um.  

Allein 5.000 Gefallene starben in den ersten drei Monaten des Jahres 1945. Bei vielen sind die Sterbedaten nicht bekannt. Im Schlachtengetümmel blieb oft wenig Zeit, um Verzeichnisse zu führen oder gingen Dokumente verloren. Oft wurden die Körper in Massengräbern verscharrt.

Die Gefallenen, die aus der Kampfzone geborgen werden konnten, wurden damals von der US-Armee in die Nähe des Flughafens gebracht. Die toten US-Soldaten wurden auf einem Areal bei Hamm begraben, die deutschen Gefallenen auf einem Grundstück in Sandweiler rund 1,5 Kilometer vom US-Militärfriedhof entfernt.  

Nach dem Krieg gab es am Deutschen Soldatenfriedhof etwa 5.600 Gräber, jedes mit schlichten Holzkreuzen versehen. Nach und nach wurden hierhin auch tausende Gefallene umgebettet, die zumeist in Massengräbern in 150 luxemburgischen Gemeinden lagen. Das war Aufgabe des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Vertrag von 1952 zwischen den luxemburgischen und deutschen Regierungen über die Fürsorge für die deutschen Soldatengräber auf luxemburgischen Boden.

Zwischen 1.000 und 1.500 Besucher kommen jährlich - Lëtzebuerger Journal
Zwischen 1.000 und 1.500 Besucher kommen jährlich

Technische Koordination aus Frankreich

Im Mai 1952 begann die Gestaltung des definitiven Soldatenfriedhofs. Es war übrigens der erste, den der Volksbund im Ausland bauen konnte. Eingeweiht wurde die Stätte am 5. Juni 1955 in Anwesenheit von über 2.000 Angehörigen und Schülerabordnungen aus allen deutschen Bundesländern. Die liegenden Grabsteine wurden 1979 durch stehende Natursteinkreuze ersetzt.  

Der Unterhalt des Friedhofs, dessen Patenschaft der Volksbund-Landesverband Schleswig-Holstein übernommen hat, kostet nach Auskunft der Volksbund-Pressestelle in Kassel rund 100.000 Euro jährlich. Während der Volksbund sich direkt um die finanziellen und administrativen Dinge kümmert, liegt die technische Unterstützung beim „Service d’Entretien des Sépultures Militaires Allemandes“, die französische Niederlassung des Volksbunds bei Metz.  

Das SESMA kümmert sich um den Unterhalt von rund 220 Kriegsgräberstätten in Frankreich, zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören aber auch die deutschen Soldatenfriedhöfe von Luxemburg (Sandweiler und der deutsche Garnisonsfriedhof in Clausen, wo 467 Tote, darunter auch Franzosen ruhen. Im Zweiten Weltkrieg waren hier 262 deutsche Gefallene hinzugekommen) und Bastogne.

Zwei Gärtner kümmern sich um die Gräberstätten in Luxemburg. Und zweimal im Jahr kommt ein Kontingent der deutschen Bundeswehr, um beim Unterhalt zu helfen. Vor dem Volkstrauertag wird die Stätte besonders auf Vordermann gebracht.  Sie ist ein Mahnmal: „Die Toten dieses Friedhofs mahnen zum Frieden“, steht gleich am Eingang.