LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Lucie Hoffmann ist seit drei Jahren mit Vendimus selbstständig - und verdoppelt ihr Geschäft jedes Jahr

Wer nach Howald fährt und Lucie Hoffmann (30), CEO und Gründerin von Vendimus besucht, stellt schnell fest: Viele Schreibtische passen hier nicht mehr rein. Zwölf Mitarbeiter sitzen in einem offenen Raum an ihren Büros, bald sollen es noch mehr sein. Dabei gibt es Vendimus erst seit drei Jahren. Die Luxemburgerin erklärt, was sie eigentlich macht und warum das so gut läuft.

Sie haben Kunstgeschichte studiert und sind jetzt Unternehmensgründerin. Wie kam es dazu?

Lucie Hoffmann Ja, ich habe tatsächlich Kunstgeschichte in Berlin studiert. Dann bin ich nach Luxemburg zurückgekommen und habe drei Jahre lang für ein Merger&Acquisitions-Unternehmen gearbeitet, die bei Übernahmen und Fusionen behilflich sind. Da war ich für die Geschäftsentwicklung zuständig und habe viel gelernt. Die Geschäftswelt hat mich schon vorher fasziniert. Ich war immer mit Unternehmern zusammen und wollte wissen, was sie bewegt. Mit Studenten habe ich nicht viel Zeit verbracht - auch, wenn ich mein Studium nicht bereue. Ich liebe Kunst, aber ich wollte lieber in ein Beratungsunternehmen. Schnell habe ich gemerkt, dass Berlin nicht mehr die richtige Stadt für mich war. Also bin ich zurückgekommen und habe erst bei dem Unternehmen gearbeitet und mich dann nach drei Jahren selbststndig gemacht.

Einfach so?

Hoffmann Nun, ich habe einen Business Plan geschrieben und dann mit verschiedenen Unternehmern darüber gesprochen. Ich erhielt gute Rückmeldungen. Und durch die Kommentare habe ich viel gelernt. Noch heute mache ich es so, dass ich mich regelmäßig mit erfahrenen Unternehmern berate. Den Namen Vendimus habe ich gewählt, weil es an das lateinische Wort für Verkaufen angelehnt ist.

Was machen Sie genau?

Hoffmann Wir arbeiten mit IT-Unternehmen vor allem im Bereich Cloud Computing. Zu unseren Kunden gehören die Großen der Branche. Wir generieren Nachfrage für sie und ihr Umfeld. Darüber hinaus sprechen wir gezielt Zielgruppen an. Große Konzerne arbeiten oft mit Netzwerken von Partnern. Diese kümmern sich dann um die Cloud-Strukturen für Unternehmen. Gemeinsam mit unseren Kunden identifizieren wir für sie Zielgruppen, nach verschiedenen Kriterien wie Kundenprofile der Entscheider, Segmente oder territoriale Verteilung. Die Kunden haben sehr genaue Vorstellungen.

Können Sie das genauer erklären?

Hoffmann In der Cloud-Welt reichen die Kompetenzen von Migration über Security bis hin zu Internet of Things. Wir identifizieren, welche Punkte hervorgehoben werden sollen. Dann legen wir eine Strategie fest. Anfangs war mir nicht klar, dass wir uns so stark spezialisieren würden, aber da liegt der große Mehrwert.

Wie verlief der Start?

Hoffmann Zu Beginn habe ich in meiner Wohnung angefangen, ganz klein. Dann kam mein erster Mitarbeiter dazu. Schließlich sind wir nach Hamm gezogen. Nach zehn Monaten war das Büro zu eng. Einer unserer Kunden lud uns ein, weil er genug Platz hatte. Jetzt sind wir seit rund einem Jahr hier und es wird schon wieder eng. Wir verdoppeln unsere Größe jedes Jahr.

Welche Ziele haben Sie?

Hoffmann Ich plane etwa für die kommenden fünf Jahre im Voraus. Aber es kann sich noch so viel ändern. Vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass wir zu zwölft sein werden. Aber die Zahl ist nicht das Ziel. Bis Ende des Jahres werden wir 20 oder 25 Mitarbeiter haben und die Herausforderung besteht darin, die gleiche Qualität zu liefern.

Was mögen Sie an Ihrem Job?

Hoffmann Er ist sehr vielfältig und abwechslungsreich, weil wir von Strategie über Datenaufhebung und -auswertung bis zu so genannten „Marketing Qualified Leads“ oder „Sales Qualified Leads“ alles abdecken. Außerdem reise ich sehr viel und bin mehrmals monatlich in Europa unterwegs, komme aber auch nach Israel. Auf Wirtschaftsmissionen bin ich noch nicht mitgefahren, bin aber offen dafür. Es gefällt mir, dass ich meine Zeit so gestalten kann, wie ich will. Ich fange gegen 7.00 an und versuche, gegen 17.00 aufzuhören. Dann gehe ich häufig noch mit Kunden essen - aber das ist ja nicht wirklich Arbeit.

Haben Sie Hilfe bei der Gründung vermisst?

Hoffmann Wenn man es wirklich will, dann geht es. Es ist nicht einfach - aber wer hat gesagt, dass es das sein soll? Es gibt jedoch Profis, die man fragen kann. Vieles steht auch im Web. Für mich waren die Gespräche mit anderen Unternehmern immer sehr wichtig.

www.vendimus.lu