PATRICK WELTER

Die durchschnittliche europäische Idiotenquote beträgt etwa 12 bis 15 Prozent. Das ist die Größenordnung skandinavischer Rechtspopulisten, das Normalmaß für den FN oder politische Poltergeister wie Hollands Goldlöckchen. Seit dem Wochenende gehört auch Deutschland zum europäischen Mittelmaß. Die Zeit der Zerknirschung hat ausgerechnet die mehrheitlich weggespült, die Jahrzehnte lang unter einer anti-faschistischen marxistisch-leninistischen Regierung gelebt haben. Dass das eine das andere nicht ausschließt, hat schon der erste SPD-Vorsitzende nach dem Krieg, Kurt Schumacher festgestellt, als er die SED als „rotlackierte Faschisten“ bezeichnete.

Dennoch, eine Demokratie muss solche Deppen aushalten und die meisten können es. Ausnahmen gibt es leider. Sie leiden wie Polen unter einer akuten Weihrauchvergiftung oder wie Ungarn an bösartiger K.u.K.-Nostalgie inklusive subkutanem Antisemitismus. Der europäische Politdepp bleibt in der Regel - abgesehen von den genannten Ausnahmen - am Rand und schafft es nicht an die Macht.

Anderswo sieht’s leider schlimmer aus. Dort werden politische Dilettanten -angesichts des Amtes wollen wir das Wort Depp vermeiden - von noch schlimmeren Deppen rechts überholt.

In der Aufregung um die deutschen Wahlen ist fast untergegangen, dass Steve Bannon, Trumps geschasster Mephisto, bereits seinen ersten außerparlamentarischen Schlag gegen das Washingtoner Establishment geführt hat. Der politische Dilettant Donald T. muss jetzt bitter dafür bezahlen, dass er sich den gemäßigten Republikanern zugewandt hat; in den Augen der „Breitbart“-Freunde ein klarer Verrat an der Sache. Donald ist jetzt auch Establishment - zumindest für Bannon und politische Knallchargen wie Sarah Palin und Roy Moore. Die schöne Sarah ist allen ein Begriff, aber wer ist Roy Moore? Ein Rechtsausleger der Republikaner, der mit Stetson und Revolver bewaffnet bei Wahlveranstaltungen auftritt und nun bei Vorwahlen zum US-Senat ausgerechnet den von Trump unterstützten Kandidaten weggefegt hat. Ein Kandidat für den Senat! Einfach so? Eigentlich nicht, denn es war Mephisto Bannon, der mit seiner ultraweißen Webseite „Breitbart“ aktive Wahlhilfe leistete, diesmal gegen Trump. Nicht weil Trump der taumelnde Polittrottel ist, als der er sich in den letzten neun Monaten herausgestellt hat, sondern weil er noch nicht genug Unsinn angestellt hat. Bannons erklärtes Ziel ist die Zerschlagung der Strukturen. Die vernunftbegabten unter den Republikanern leisten Widerstand, allen voran der todkranke John McCain und der Polit-Pensionär Arnold Schwarzenegger.

Der Präsident ist alles andere als vernunftbegabt. Den kleinen bösen Kim als „Rocketboy“ zu bezeichnen, geht noch an. Aber die Auseinandersetzung mit einer ganzen Sportart und die rüde Beschimpfung ihrer Spieler ist unfassbar. Alles nur weil sie sich über den steigenden Rassismus in Trumps USA Sorgen machen und durch öffentliches Niederknien ein Zeichen setzen. Man muss nicht viel auf den Begriff „Würde“ geben, aber eigentlich sollte jedes Staatsoberhaupt wissen, dass er ein ganzes Volk repräsentiert.

Trump repräsentiert bestenfalls die übliche Idiotenquote.