PATRICK WELTER

In der medial grassierenden Klima-Hysterie und dem für übermorgen erwarteten Weltuntergang entgeht den meisten, dass es ganz tagesaktuell nur eines einzigen Schusses bedarf, um die Welt in Brand zu setzen. Nicht unbedingt die ganze Welt, aber im Extremfall kann das Schlachtfeld von Ägypten bis Pakistan und von der Türkei bis in den Jemen reichen. Zu Lasten der ganzen Welt. Dort wo jetzt schon etliche kleine Krieg toben, bricht bei einem falschen Schritt der große Krieg aus. Dann heißt es nicht mehr Nahostkonflikt, sondern Vorderasiatischer Krieg.

Donald „the brain“ Trump hat zum ersten Mal in seiner Amtszeit kluge Entscheidungen getroffen. Er hat darauf verzichtet den Abschuss einer US-Drohne durch den Iran mit einem Militärschlag zu vergelten und er hat den Eisenfresser John Bolton gefeuert. Dennoch gehört Trump nicht zu den wirklich guten, denn mit seiner Politik der Vertragskündigung und Sanktionen gegen den Iran hat er die „Feuer frei“-Fraktion unter den Mullahs gestärkt. Die besonders Gottes-Besoffenen dort glauben den großen Satan USA besiegen zu können. Ihre Stärke ist die asymmetrischen Kriegsführung: Anstelle von Schlachtschiffen, hunderte von Schnellbooten auf dem Meer und Milizen in jedem Nachbarland. Der Iran hat der Guerillataktik eine geradezu imperialistische Note gegeben. Sein langer Arm reicht bis nach Gaza und in den Libanon. Seine Versuche, sich in Syrien mit Milizen an die israelische Grenze heranzuschieben waren bis jetzt alle zum Scheitern verurteilt. Hebt sich ein pro-iranischer Kopf, schlägt Israel zu - bis jetzt nur vor der eigenen Haustür. Das kann sich ändern. Im Jemen ist der dortige Stellvertreterkrieg der Stiefbrüder im Glauben - Sunniten (Riad) gegen Schiiten (Teheran) - besonders hässlich und blutig.

Noch herrscht in Saudi-Arabien - einem furchtbaren Gottesstaat - ein gewisses Maß an Besonnenheit. Der Angriff auf Raffinerien und die Folgen für die Ölproduktion führten nicht zu einem unmittelbaren Gegenschlag über den Golf hinweg. Dem Bekenntnis der Huthis aus dem Jemen schenkte man Glauben, obwohl diese bisher nicht zu präzisen Militärschlägen in der Lage waren. Washington, undiplomatisch wie immer, machte sofort Teheran verantwortlich. Immerhin ließ man die Finger vom Abzug. Ein Politikstudent im zweiten Semester weiß, welche beiden Szenarien im Iran - einem etwas weniger furchtbaren Gottesstaat - wahrscheinlich sind. Entweder spielt das Regime „Guter Bulle, böser Bulle“ oder unterhalb der staatlichen Führungsebene haben sich die Militärs verselbstständigt und machen ihr eigenes Ding. Dafür spricht die Nadelstichtaktik der Revolutionsgarden in der Straße von Hormus. Gegenüber den Handelsschiffen effizient aber auch höchst riskant. Ein toter Amerikaner und die Hölle bricht aus. Eine Demütigung wie 1979/1980 wird Washington nicht hinnehmen.

Aber es muss nicht ein Zusammenstoß der beiden großen sein, der das Feuer entfacht. Ein „erfolgreicher“ Raketenangriff auf Israel und Jerusalem wird massiv zurückschlagen. Der keineswegs besiegte IS kann sein Heil in einem großen Krieg suchen und mehre Lunten gleichzeitig zünden. Selbst eine Nebenfigur wie Erdogan kann mit einem falschen militärischen Schritt die große Katastrophe lostreten. Niemals war das Wort vom Pulverfass Naher Osten wahrer als jetzt.