COLETTE MART

Die Corona-Krise hat in den letzten Monaten die Berichterstattung in den Medien vereinnahmt. Es war, als gäbe es kein anderes Thema mehr, und tatsächlich schlich sich das Virus in alle Lebensbereiche in den meisten Ländern der Erde ein.

Mit der Krise wurden grundsätzliche Themen diskutiert, wie zum Beispiel die völlig unnötige Schließung der Grenzen, die ja kein Virus aufhalten. Allerdings gerieten andere, genauso wichtige Themen in den Hintergrund, wie zum Beispiel die Situation der Flüchtlinge, und die allgemeine Entwicklung der Krise in den Entwicklungsländern. Interessanterweise vertiefte „Le Monde/Afrique“ vorige Woche dieses Thema, und sprach von den unsichtbar gewordenen afrikanischen Flüchtlingen, die immer noch im Mittelmeer ertrinken, und um die ihre Familien trauern, dies umso mehr, da sie sie nicht einmal nach den Traditionen begraben können.

Hinter jedem ertrunkenen Flüchtling steckt eine oft dramatische Familiengeschichte. Familien sammeln Geld, oft mehrere Tausend Euro, um einen jungen Menschen nach Europa zu schicken in der Hoffnung, dass dieser Geld verdienen und die in Afrika verbliebenen Familienmitglieder mit unterstützen kann. Auf dem Geld der Diaspora gründet dann auch ein Teil der Wirtschaft in Afrika, wurde doch errechnet, dass die finanziellen Beiträge der Diaspora in Mali zum Beispiel elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Es wird vermutet, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in Mali mit Hilfe dieser Geldtransfers aus der Diaspora lebt. Darüber hinaus wäre zu sagen, dass dieses Geld von Afrikanern in oft prekären Bedingungen in Europa verdient wird. Die sogenannten illegalen Arbeiter auf den Obst-und Gemüseplantagen, die Afrikaner, die in Restaurants und Cafés in Frankreich ein bisschen Geld verdienen, ernähren damit ihre Familien, und haben im Moment gar kein Einkommen. So fällt eine ganze Wirtschaftsbranche zusammen, die nach der Krise ein näheres Hinsehen und humanere Lösungen verdient. Das Klischee vom Afrikaner, der von unserem Wohlstand profitieren will, sollte hiermit einmal grundsätzlich überdacht werden. Sowohl Italien als auch Portugal sind während der Krise auf den Weg gegangen, sogenannten „Illegalen“ Papiere zu geben, weil sie dringend in der Landwirtschaft gebraucht werden. Es gab demnach auch positive, inklusive Initiativen innerhalb diese Krise. Allerdings sollte Europa sich im Rahmen einer neuen Welt, die idealerweise aufgebaut werden soll, verstärkt diesen „Unsichtbaren“ widmen.

In dieser Welt wollen auch führende afrikanische Intellektuelle mitreden und mitgestalten. Sie wollen ein solidarisches Afrika, das stolz auf sich selber sein kann. Sie wollen an gesundheitlichen Lösungen, an der Konzipierung emanzipierter Gesellschaften mitwirken. Die Implizierung intellektueller Eliten im Wiederaufbau des Nordsüddialogs sind die Herausforderung schlechthin. Luxemburg hat sich durch die Aufnahme jugendlicher Flüchtlinge inmitten der Krise in Europa positiv profiliert. Ein Umdenken im Nordsüddialog, der Verzicht auf jegliche Arroganz den Menschen in Afrika gegenüber wäre tatsächlich eine innovative Piste, in dem unser Land eine echte Vorreiterrolle spielen könnte.