CHRISTIAN BLOCK

Wer dieser Tage am Hauptbahnhof unterwegs ist, wird die Plakate der EU-weiten Kampagne gegen Menschenhandel bemerkt haben und sich dabei vielleicht die Frage gestellt haben: Menschenhandel in Luxemburg? Gibt es das?

Die Antwort auf diese Frage lautet selbstverständlich: Ja, genauso wie andere Formen der organisierten Kriminalität auch. Doch Menschenhandel ist, wie auch der neue Bericht der beratenden Menschenrechtskommission wiederum zeigt, ein wenig thematisiertes und ebenso schwierig zu erfassendes Phänomen. Die am Mittwoch vorgestellten Zahlen - 31 identifizierte und mutmaßliche Opfer von Menschenhandel im Großherzogtum in den Jahren 2017 und 2018 - kratzen nur an der Oberfläche dieses Problems, wie die CCDH denn auch selbst einräumt, auch wenn sie sich nicht auf Spekulationen über eine Dunkelziffer einlassen will. Auf europäischer Ebene sieht es ähnlich aus. Angaben des Europäischen Parlaments zufolge wurden in den zwei Jahren 2012 bis 2014 rund 63.250 Opfer von Menschenhandel entdeckt. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Lediglich eine Schätzung kann dabei helfen, eine Vorstellung der Ausmaße des Phänomens zu bekommen: Schätzungsweise 21 Millionen Menschen werden weltweit auf gewisse Art und Weise ausgebeutet.

Das schwer greifbare Problem erklärt zum Teil auch die Schwierigkeiten der Behörden, Menschenhandel aufzudecken. Gewiss gibt es Risikobranchen und -faktoren, doch ohne Sensibilisierung und ohne Kompetenz, um die Anzeichen und damit die Opfer zu erkennen, ist es schwierig, voranzukommen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird der Frust, den die Menschenrechtskommission am Mittwoch äußerte, auch nachvollziehbar. Gerade denjenigen, die im Rahmen ihrer Kontrollen Zugang zu Restaurantküchen, Baustellen und in der Theorie sogar Privatwohnungen haben, also allen voran die Gewerbeaufsichtsbehörde ITM, kommt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Menschenhandel zu. Diese Botschaft hat die CCDH unmissverständlich formuliert. Jetzt liegt der Ball bei der Politik, um den Aufgabenbereich der ITM, falls das wirklich erforderlich sein sollte, gesetzlich nachzubessern.

Klar ist: Opfer identifizieren zu können ist mindestens genauso wichtig, wie sie, wie in der aktuellen Kampagne, direkt anzusprechen und auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Wer ausgebeutet wird, ob in einem Restaurant oder auf dem Bau oder zur Prostitution oder gezwungen wird, hat in vielen Fällen Gewalt und Einschüchterung erlebt, sich seinem Schicksal ergeben und/oder keine Papiere und finanziellen Mittel, um aus seiner Situation zu entkommen. Ein Entkommen aus eigenen Kräften unter solchen Bedingungen ist schwierig und gefährlich.

Der Bericht der Menschenrechtskommission zeigt jedenfalls, dass die Anstrengungen auf allen Ebenen verstärkt werden müssen. Wird diese Bedingung erfüllt, dann dürfte der nächste Bericht in zwei Jahren mit Sicherheit noch mehr identifizierte Fälle von Menschenhandel aufzeigen - und sich damit vermutlich auch näher an die wahren Ausmaße von Menschenhandel im Großherzogtum herantasten.