LUXEMBURG
CORINNE LAHURE

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die in etwa 1 Prozent der Bevölkerung betrifft. Nicht selten bestehen Vorurteile und Vorstellungen über diese Erkrankung, die der Realität nicht entsprechen. Der Verein AFPL (Association des Familles ayant un proche atteint de Psychose au Luxembourg) sieht seine Aufgabe darin, Aufklärung zu leisten und zur Entstigmatisierung sowie Enttabuisierung der Schizophrenie beizutragen. Gleichzeitig sollen Ideen entwickelt werden, wie man in Luxemburg von Schizophrenie betroffene Personen und ihre Familien besser verstehen und unterstützen kann.

„Schizophrenie hat nichts mit einer Persönlichkeitsspaltung zu tun. In der Alltagssprache wird das Wort ,schizophren‘ oft falsch verwendet und es führt zu Missverständnissen. Schizophrenie ist eine schwere Form der psychotischen Erkrankung und ein Zustand, in dem ein Mensch den Kontakt zum allgemeinen Wirklichkeitsverständnis verliert und sich zumeist von seiner Umwelt bedroht fühlt.

Optische Halluzinationen, Stimmenhören oder auch Wahnvorstellungen sind typische Symptome. Betroffene leiden häufig unter ausgeprägten Ängsten und können sich isoliert und unverstanden fühlen, da sie eine ,andere‘ Realitätswahrnehmung und Realitätsverarbeitung haben.

Familien von Betroffenen fühlen sich oft alleine gelassen und mit der Situation einer akuten psychotischen Krise überfordert. Zwangseinweisungen ins Krankenhaus sind nicht selten notwendig und können sich dramatisch für alle Beteiligten gestalten. Deshalb ist eine gute Ausbildung zum Umgang mit psychotischen Patienten bei Polizei, Notdiensten und beim Pflegepersonal absolut von Nöten. Betroffene in Luxemburg klagen über einen Mangel an Wissen im Umgang mit Patienten in akuten Krisen.

Außerdem sind neue, ungewöhnliche, aber sehr effektive Konzepte, wie sie im Ausland bestehen, in Luxemburg Mangelware. So gibt es beispielsweise im Ausland alternative stationäre Behandlungen von Menschen in psychotischen Krisen in einem familienartigen und alltagsnahen Kontext, wo Patienten in einer 1:1-Betreuung (eine Pflegekraft für einen Patienten) mit möglichst geringer Medikation durch ihre Psychose begleitet werden.

Oft sind junge Menschen, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben und noch keinen festen Stand im Leben gefunden haben, von Schizophrenie betroffen. Die Erkrankung erschwert es, die Ausbildung abzuschließen, und nicht selten müssen diese jungen Menschen über das Jugendalter hinaus im Elternhaus wohnen bleiben und materiell versorgt werden. Hinzu kommt, dass die nötigen Medikamente immer noch nicht komplett von der Krankenkasse übernommen werden und die Betroffenen auf den Kosten sitzen bleiben.

Psychische Erkrankungen, und Schizophrenie im Besonderen, sind in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisierte und angstbesetzte Themen, die man lieber verdrängt, als ihnen mit offener Akzeptanz und Wohlwollen zu begegnen. Die Betroffenen leiden darunter, und ihre Erkrankung ermöglicht es ihnen nur in seltenen Fällen, sich gegen diesen gesellschaftlichen Umgang mit ihnen aufzulehnen.“