LUXEMBURG
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Mehr als 70.000 Menschen haben sich in China mit dem neuen Corona-Virus infiziert - Außerhalb Festland-Chinas sind fünf Patienten gestorben - einer davon in Europa

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus hat in China 70.000 überstiegen. Mit 105 neuen Todesfällen innerhalb eines Tages sind bis gestern 1.770 Todesfälle zu beklagen, wie die Gesundheitskommission in Peking mitteilte. Die nachgewiesenen Ansteckungen nahmen um 2.048 zu und erreichten 70.548. Besonders schwer ist in Zentralchina die 60 Millionen Einwohner zählende Provinz Hubei mit der Metropole Wuhan betroffen. In der weitgehend abgeschotteten Krisenregion sind allein rund 58.000 Infektionen und 1.696 Todesfälle durch das Sars-CoV-2 genannte Virus bestätigt. Experten befürchten auch eine hohe Dunkelziffer. Den ersten Todesfall gab es übrigens vor mehr als einem Monat. In der zweiten Januarwoche überlebte ein Patient in Wuhan das Virus nicht. Die Krankheit war im Dezember in der chinesischen Me-tropole ausgebrochen.

Mit einem Fahrverbot für privaten Autoverkehr waren in der ohnehin weitgehend von der Außenwelt abgeschotteten Krisenregion am Vortag neue radikale Beschränkungen der Bewegungsfreiheit der Menschen erlassen worden. In Städten der Provinz dürfen nur noch Dienst- und Notfallfahrzeuge sowie Transporte mit Waren des täglichen Bedarfs auf die Straßen. Ende Januar waren bereits Flüge, Zugverbindungen und Fernbusse eingestellt worden.

Rund 50 bestätigte Fälle in Europa

Während die Zahl der Infektionen und Todesfälle durch das neue Coronavirus in China weiter steigt, hat sich am Wochenende die Lage in Deutschland entspannt. Im pfälzischen Germersheim endete am Sonntag die Quarantäne für rund 120 China-Rückkehrer. In Bayern wurden Corona-Patienten als geheilt entlassen. Frankreich meldete hingegen den ersten Todesfall durch die neue Lungenkrankheit Covid-19 in Europa. Der chinesische Tourist, ein 80-Jähriger aus der Provinz Hubei, erlag der Krankheit in einer Pariser Klinik.

Außerhalb Festland-Chinas sind bislang fünf Patienten gestorben. Mehr als 700 Virusfälle wurden in mehr als zwei Dutzend Ländern entdeckt - die meisten in Japan wegen des Kreuzfahrtschiffes. In den vergangenen Wochen breitete sich das Virus immer weiter aus. So berichtet die Weltgesundheitsorganisation von acht Fällen in den Vereinten Arabischen Emiraten, sieben in Kanada und weiteren 15 in den USA. In Europa sind derzeit knapp 50 Fälle bekannt. In Frankreich gibt es Informationen über elf weitere bestätigte Infektionsfälle. In Belgien hat sich eine Person mit dem Coronavirus angesteckt.

Erster Fall in Afrika

Ende vergangener Woche erreichte das neuartige Coronavirus erstmals auch Afrika. Das ägyptische Gesundheitsministerium teilte am Freitagabend in Kairo mit, betroffen sei eine ausländische Person. Viele Experten haben die Sorge, dass das Virus Länder mit einem schlechten Gesundheitssystem etwa in Afrika oder Asien erreicht, wo es schwer zu kontrollieren wäre. Dann drohe sich die Lungenkrankheit Covid-19 dauerhaft auf der Welt einzunisten.

Infolge der Verbreitung des Virus wurden bereits viele Events abgesagt oder verschoben. China plant nun offenbar sogar eine Verschiebung der Jahrestagung seines Parlaments. Das wichtigste politische Ritual des Jahres hätte am 5. März in Peking beginnen sollen. Formell soll der Ausschuss am nächsten Montag darüber entscheiden.

Aufruf zum Blutspenden

Die chinesischen Behörden haben gestern einen Aufruf an Geheilte vom Coronavirus gestartet: Sie sollen Blut spenden, aus dem Plasma extrahiert werden kann, um schwerkranken Infizierten zu helfen. Im Plasma befänden sich Antikörper, die es ermöglichen könnten, die Ausbreitung des Virus im Körper zu bremsen.

Die China National Biotec Group hat in einem Post versichert, dass sich der Zustand von Patienten, die solche Plasma-Transfusionen bekamen, innerhalb von 24 Stunden verbessert habe.

Zweieinhalb Monate Fieber

Dezember 2019
Erste Infektionen werden bekannt. Sie sollen auf einen Markt in der 11-Millionen-Stadt Wuhan zurückgehen, wo Fische und Wildtiere verkauft werden. Am 31. Dezember teilen die chinesischen Behörden der Weltgesundheitsbehörde WHO die Existenz einer Reihe von Lungenentzündungen mit unbekanntem Auslöser mit

9. Januar
Experten identifizieren laut WHO als Erreger das neue Coronavirus

11. Januar
Chinas Behörden melden einen ersten Todesfall

14. Januar
Der Erreger wird laut WHO in Thailand und damit erstmals im Ausland nachgewiesen

20. Januar
Das Coronavirus sei von Mensch zu Mensch übertragbar, berichten chinesische Experten. China beginnt, Millionen Menschen in den am meisten betroffen Gebieten abzuschotten

22. Januar
Trotz rasanter Zunahme der Infektionen ruft die WHO keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus

24./25. Januar
Am 21. Januar war ein erster Fall in den USA nachgewiesen worden, nun hat das Coronavirus auch Europa erreicht, in Frankreich werden drei Fälle bekannt

26. Januar
Chinesischen Behörden sprechen von rund 2.000 Infizierten und 56 Todesfällen. Die Provinz Hubei mit 56 Millionen Einwohner ist praktisch ganz abgeschottet. Peking verbietet organisierte Reisen nach China und außerhalb des Landes. Verschiedene Ländern beginnen, ihre Staatsbürger aus China auszufliegen

30. Januar
Russland schließt seine Grenze zu China, andere Länder verweigern die Einreise von Ausländern, die kürzlich China bereisten

31. Januar
Die WHO stuft die COVID-19-Verbreitung als Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationaler Tragweite ein

1. Februar
Die Luxemburger Behörden bestätigen einen Verdachtsfall auf den Coronavirus bei einem EU-Bürger der aus China zurückkehrt. Der Verdacht bestätigt sich nicht

5. Februar
Nach Coronavirus-Verdachtsfällen sitzen die 3.400 Passagiere und Crew auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ in Japan in Quarantäne. Fluggesellschaften suspendieren ihre Flüge nach Hong Kong und Teile Kontinentalchinas

7. Februar
Li Wenliang, ein Arzt, der den Alarm zum neuartigen Virus ausgelöst hat, stirbt am COVID-19 - wie der Erreger nun heißt

9. Februar
Ein Luxemburger wird aus Wuhan ausgeflogen

13. Februar
Krisensitzung der europäischen Gesundheitsminister zum Coronavirus. Gegenmaßnahmen sollen besser abgestimmt werden

14. Februar
In Ägypten gibt es den ersten Fall auf dem afrikanischen Kontinent. Experten befürchten, dass sich der Virus in Afrika wegen mangelnder Gesundheitsinfrastrukturen besonders schnell verbreiten könnte

15. Februar
Erstmals stirbt auch in Europa ein Mensch an Covid-19. Der chinesische Tourist, ein 80-Jähriger aus der Provinz Hubei, erliegt der Krankheit in einer Pariser Klinik. Am gleichen Tag fordert der Chef der WHO auf der Münchner Sicherheitskonferenz viel mehr Geld für die Vorbereitung auf die Epidemie

17. Februar
Die Zahl der Infektionen hat in China 70.000 überstiegen. Mit 105 neuen Todesfällen innerhalb eines Tages sind bis Montag 1.770 Todesfälle zu beklagen, wie die Gesundheitskommission in Peking mitteilte
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Gebot der Wachsamkeit

Die EU sieht sich gut aufgestellt, um auf Fälle von COVID-19 zu reagieren

Luxemburg Nachdem in der Zwischenzeit einige Fälle des neuartigen Coronavirus in Europa bestätigt werden konnten, haben sich die EU-Gesundheitsminister zuletzt vergangene Woche getroffen, um Koordinierungsmaßnahmen zu besprechen. Im Allgemeinen sieht sich die Europäische Union indes gut aufgestellt, um auf Verdachtsfälle reagieren zu können. „Die EU-Mitgliedstaaten haben im Wesentlichen gut aufgestellte Gesundheitssysteme und sind in der Lage auf Fälle von COVID-19 zu reagieren. Nichtsdestotrotz ist Wachsamkeit geboten, falls sich die Lage verschlechtert“, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.
Entscheidend seien die Isolierung betroffener Patienten sowie die Rückverfolgung von Kontaktpersonen. Zudem müssen Labors und Krankenhäuser auf eine mögliche Verschlechterung der Situation vorbereitet sein. Zuvor hatte es kritische Stimmen aus dem Europaparlament gegeben. So hatte die Europäische Volkspartei angesichts unterschiedlicher Vorgehensweiser in den Staaten für eine gemeinsame Strategie ausgesprochen.

Kein weiterer Verdachtsfall in Luxemburg

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) zufolge steht Luxemburg in direktem Kontakt zu internationalen Experten und halte sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisationen. Es gebe hingegen keinen Grund, in Panik zu verfallen, sagte sie vorige Woche im Parlament. So gebe es beispielsweise keine direkten Passagierflüge von Luxemburg nach China.
Das luxemburgische Außenministerium rät seit Ende Januar von nicht-notwendigen Reisen nach China ab, insbesondere in die Regionen Hubei und Wuhan. In Luxemburg war Ende Januar ein Verdachtsfall auf eine Infektion mit COVID-19 gemeldet worden, der sich aber nicht bestätigte. Auf Nachfrage bestätigte uns das Gesundheitsministerium gestern, dass es bislang keinen neuen Verdachtsfall gebe. Sollte sich die Lage ändern, werde man die Öffentlichkeit davon in Kenntnis setzen. Geraten wird, sich auf der spezifischen Webseite des Ministeriums zum Thema „Coronavirus“ auf dem Laufenden zu halten. LJ

Weitere Informationen sind auf der Webseite des Gesundheitsministeriums zu finden.
Direktlink: tinyurl.com/santecoronavirus