LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Wie eine junge Studentin den schwierigen Weg zur eigenen Firma gemeistert hat

Axelle Feider aus Luxemburg ist 23 Jahre jung, studiert Entrepreneurship & Innovation an der WHU Wallenburg und weiß, was Durchhaltevermögen ist. Mit Gilles Mangen und Tim Wiltgen wagte sie den großen Schritt ins Unternehmertum: Die Start-up Orga50 wurde im Februar 2017 gegründet. Wir haben mit der Unternehmerin über ihre Geschäftsidee, sowie über Schwierigkeiten und Erfolge gesprochen.

Um was handelt es sich bei Orga50?

AXELLE FEIDER Orga50 bietet webbasierte Einrichtungen an, um die administrative Arbeit von Gemeinden und Vereinen zu erleichtern. Es ist ein zentrales, interaktives Element, durch welches der Verein alle Aufgaben, wie zum Beispiel das Member-Management, die Zahlungen der Mitgliedsbeiträge oder die Social-Media-Präsenz über eine Software einfach bedienen kann. Es gibt 50 verschiedene Funktionen, die genutzt werden können. Zu unserer Zielgruppe gehören auch die Gemeinden, die wir anschreiben, um ihnen die Vorzüge aufzuzeigen. Auch die Freiwilligenarbeit kann durch Orga50 unterstützt und deutlich vereinfacht werden. Zu unserer potentiellen Kundschaft gehören aber auch individuelle Organisationen, Jugendhäuser und Kindergärten.

Welche Servicefunktion findet am meisten Anklang?

FEIDER Ausnahmslos nutzen alle unserer Kunden das Website-Tool. Sportlich ausgerichtete Organisationen greifen sehr gerne auf unsere Member-Management-Funktion zurück, dies um Lizenzen oder Médico-Termine zu verwalten. Unser System verschickt zum Beispiel auch automatisch Erinnerungen an die Mitglieder, wenn die jährlichen Beiträge fällig werden - die man übrigens ebenfalls über die Plattform bezahlen kann. Viele Vereine profitieren aber auch von unserem Sponsoring-Netzwerk. So können zum Beispiel kleine Gesangsvereine von Geldgebern unterstützt werden, die sie ansonsten vielleicht nicht erreicht hätten.

Wie kamen Sie auf die Idee mit Orga50?

FEIDER Ich war schon immer selbst in Vereinen aktiv, so wie ich es jetzt auch noch bin. So habe ich selbst gemerkt, dass die Verwaltung sehr viel Zeit kostet - Briefe einzeln verschicken, den Mitgliedern wegen der Zahlung nachlaufen und so weiter. In der momentanen Digitalisierungsbewegung werden kleine Dorfvereine sehr schnell vergessen, diese scheinen nicht interessant. Aber auch sie müssen am Prozess teilhaben können. Und so kam dann die Idee auf, eine Lösung zu finden.

Wie kam es zur Gründung Ihres Unternehmens?

FEIDER Also, wenn ich ganz ehrlich bin, war es ein Sprung ins kalte Wasser! Wir hatten die Idee und den Business Plan; meine beiden Kollegen bringen das technische Know-how mit, ich bin für das ganze Front Office zuständig. Wir haben es einfach mal probiert! Anfangs waren wir der Meinung, das würde sich alles schnell realisieren lassen. Leider haben die administrativen Prozeduren aber unglaublich viel Zeit in Anspruch genommen.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?

FEIDER Die ersten Hürden waren die langwierigen administrativen Aufgaben. Anscheinend läuft das hier im Vergleich zu unseren Nachbarländern aber noch relativ flexibel und schnell. In Luxemburg wird gerne behauptet, dass man mit einem Euro ein Unternehmen gründen könnte. Das stimmt so aber gar nicht, man muss bereits mindestens 900 Euro zur Verfügung haben, um den Notar direkt bezahlen zu können. Manchmal schwebt die Illusion im Raum, dass es einfach wäre, eine Firma zu gründen, doch schon am Anfang müssen dicke Rechnungen bezahlt werden. Wenn man dies nicht bewältigen kann, sollte man es lieber gleich sein lassen. Des Weiteren scheint es unmöglich, jemanden zu finden, der einem genau sagen kann, welche Schritte zur Gründung unternommen werden müssen. Nirgendwo steht zum Beispiel, welche Genehmigungen man überhaupt braucht. Es sind gut zwei Monate vergangen, ehe ich die ersten Rechnungen schreiben konnte. Für ein junges Start-up kann dies schon tödlich sein.

Wie lief die Finanzierung?

FEIDER Es ist für ein eben erst gegründetes Start-up ohne konkrete Wachstumsperspektive sehr schwierig, finanzielle Unterstützung zu finden. Ich würde behaupten, dass 90 Prozent der Start-ups, die hier in Luxemburg gegründet werden, auf Geldgeber aus dem direkten Familien- und Freundeskreis zurückgreifen müssen. Also auf Leute, die an dich glauben und dir das Geld trotz eines großen Risikos borgen. Warum erhalten diese Menschen eigentlich keine Unterstützung? Es würde helfen, wenn die geliehenen Beträge von der Steuer abgesetzt werden könnten. Dies könnte für viele einen Anreiz darstellen, jungen Firmen unter die Arme zu greifen. Start-ups brauchen gerade am Anfang Hilfe.

Hatten Sie denn nie Bedenken, so jung den Schritt ins Unternehmertum zu wagen?

FEIDER Ich denke, so etwas wird man nicht tun, wenn man schon an einem gewissen Punkt in seinem Leben angekommen ist. Ich bin noch im Studium, vielleicht noch ein wenig naiv, habe weniger Verantwortung zu tragen und somit auch weniger zu verlieren. Ist man aber bereits fest in der Arbeitswelt etabliert, oder hat man eine Familie, sieht die Sache schon anders aus. Ich bin mir wohl bewusst, dass das Ganze auch ein Schuss nach hinten sein könnte, aber auch das Worst-Case-Szenario wird mich nicht meine Existenz kosten. Ich habe bis jetzt noch nichts bereut, aber natürlich hatte ich schon Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum tust du dir das an? Aber wie gesagt, ich sehe mein junges Alter eher als großen Vorteil an.

www.orga50.lu