LUXEMBURG
JEFF KARIER

Interview mit Georges Eicher von luxroots.com

Es scheinen sich immer mehr Menschen für ihre Vorfahren zu interessieren, zumindest gibt es immer mehr Leute, die sich der Genealogie beziehungsweise Familiengeschichtsforschung zuwenden. Die meisten dieser Hobby-Ahnenforscher beschränken sich dabei auf die eigenen Vorfahren oder denen des Partners oder von Freunden. Einen anderen Ansatz verfolgt luxroots.com. Die treibende Kraft hinter diesem Genealogie-Projekt ist Georges Eicher.

Herr Eicher, wie kamen Sie zur Genealogie?

Georges Eicher Mein Bruder und ich haben 1981 aus Neugierde angefangen mit der Ahnenforschung, um mehr über unsere Vorfahren zu erfahren. 1982 haben wir sogar einen Familienclub gegründet, um unter anderem Familientreffen zu organisieren. Dazu muss man wissen, dass sich meine Familie über die Jahrzehnte immer weiter verstreut hat, was nicht zuletzt an den Grenzverschiebungen von 1815 und 1919 lag. Da die ganze Arbeit, die mit der Genealogie zusammenhängt mir irgendwann zu viel wurde, habe ich die Lust verloren und damit aufgehört.

Das Internet und die Digitalisierung haben mich allerdings dazu bewegt mit der Ahnenforschung wieder anzufangen. Ich habe mir 2003 eine Digitalkamera gekauft und bin in die Archive gegangen. Dort habe ich dann unzählige Bilder von Heirats-, Geburts- und Sterbeurkunden von vor 1925 gemacht, die dort auf Mikrofilm archiviert sind. Die digitalen Bilder hatten gegenüber den analogen eine bessere Auflösung und man konnte sie bearbeiten, was das Lesen der Urkunden unglaublich erleichterte. Für eine einzelne Person bleibt diese Arbeit dennoch ein großer Akt, weswegen auch viele mit der Genealogie wieder aufhören. Dank des Internets ist es aber möglich sich gemeinsam durch die Massen an Bildern zu kämpfen und die Informationen für alle zugänglich zu machen, weshalb ich dann auch luxroots.com gegründet habe.

Wie gehen Sie vor bei ihrer Arbeit?

Eicher Um gute Bilder von den Originaldokumenten oder Mikrofilmen machen zu können brauche ich neben meiner Digitalkamera auch ein Stativ. Die Fotos bekommen jeweils eine Nummer, um bei den hunderttausenden Urkunden, die wir mittlerweile haben, den Überblick behalten zu können. Die Auswertung und Übertragung der Informationen der Dokumente übernehme nicht nur ich, sondern insgesamt etwa 50 Freiwillige, die mit mir an www.luxroots.com arbeiten. Diese bekommen von mir eine CD mit den Fotos und machen sich dann an die Arbeit. Jedes der Mitglieder hat Zugriff auf unseren Server und gibt die Informationen aus den Dokumenten in die Datenbank ein.

Was wollen Sie mit ihrem Projekt erreichen?

Eicher Von unserer Arbeit soll die Gesellschaft und zukünftige Generationen profitieren können. Durch unsere Dokumentation und Auswertung wird es möglich sein, die eigenen Vorfahren zu ermitteln, ohne sich selbst dafür durch Archive kämpfen zu müssen. Die ganzen alten Urkunden zu lesen fällt bereits heute vielen sehr schwer, was besonders an Schriften wie etwa dem Altdeutschen liegt. Außerdem ist es für uns ein interessanter und sinnvoller Zeitvertreib.

Gibt es neben der Schrift weitere Probleme auf die Sie bei ihrer Arbeit immer wieder stoßen?

Eicher Die Menschen mussten früher je nach Beruf oft umziehen oder umherreisen, zum Beispiel als Zollbeamter oder Hirte. Daher ist es oft nicht ohne weiteres möglich Geburts-, Heirats-, und Sterbeurkunde einer Person zu finden. Aus diesem Grund ist das vernetzte Arbeiten wie wir es bei luxroots.com machen auch erfolgversprechender, als wenn man sich auf der Suche nach einigen wenigen Urkunden alleine durch die Archive wühlt.

Kann jeder auf ihre Datenbank zugreifen?

Eicher Um auf alles zugreifen zu können muss man ein Abo abschließen, das zwischen neun Euro für einen Monat und 22 Euro für ein Jahr kostet. Man kann aber auch vier Tage lang unseren Dienst testen. Was ich festgestellt habe ist, dass besonders viele Personen aus dem Ausland, die luxemburgische Wurzeln haben, bei uns Abonnent sind.

Mit dem durch die Abos eingenommene Geld werden unter anderem unser Server bezahlt und weitere Kosten, wie Messestände gedeckt. Zum anderen muss unser System in naher Zukunft neu programmiert und besser gegen Angriffe geschützt werden. Hierfür bräuchten wir aber wahrscheinlich Hilfe von Sponsoren, da dies sehr kostspielig wird.

Wie sieht in ihren Augen die Zukunft von luxroots.com aus?

Eicher Momentan ist das Projekt sehr stark von mir abhängig und irgendwann werde auch ich das Zeitliche segnen. Auch wenn wir, wie bereits erwähnt, etwa 50 Leute sind, die an Luxroots arbeiten und sich somit auch ohne mich weiter um das Projekt gekümmert werden würde, ist es mein Ziel, dass zum Beispiel eine Universität sich unseres Projektes annimmt. Es ist mir wichtig, dass sich eine öffentliche Institution und keine private, bei der das Risiko einer Insolvenz besteht, finden lässt, um unsere mühsam aufgebaute Datenbank zu bewahren, mit neuen Informationen zu füttern und auswerten.