ROGER SPAUTZ

Der 29. August wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als der alljährliche Gedenktag gegen Nuklearversuche gewählt. Der Tag wurde 2010 zum ersten Mal begangen mit dem Ziel jegliche Bemühungen zu unternehmen, um Nuklearversuche, die verheerende und schädliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben, zu beenden und deren Opfer zu gedenken.

„Die Opfer der Atomversuche warten immer noch vergeblich auf Anerkennung ihrer Leiden und die notwendigen Entschädigungen. Als die Crew der ‚Rainbow Warrior‘ 1985 die Einwohner der Insel Rongelap auf deren Anfrage nach Mejato evakuierte, konnte man das Ausmass der Konsequenzen der Atomtests erkennen. Die Insel Rongelap war durch die Kontamination unbewohnbar geworden.

Seit 1945 befürchtete die Menscheit einen Nuklearkrieg; für viele Einwohner der Pazifikinseln war dies von 1948 bis 1956 eine Realität. Der radioaktive Fallout der 66 Atomversuche auf dem Bikiniatoll verseuchte etliche Inseln, und die Einwohner leiden noch heute unter den Konsequenzen. Erst Anfang der 90er Jahre haben die Vereinigten Staaten den Schaden anerkannt und nach langwierigen Gerichstverhandlungen zugesagt, die Opfer zu entschädigen.

Frankreich hat erst 2010 zugesagt, dass ein Entschädigungsprozess für die betroffenen Veteranen und Zivilisten eingeleitet werden könnte. Passiert ist aber nocht nicht viel. Die protestantische Kirche Polynesiens hat vor kurzem angekündigt, dass sie rund zwei Jahrzehnte nach dem letzten französischen Atomwaffentest im Südpazifik das Mutterland Frankreich in Den Haag verklagen will. Die französischen Nuklearwaffentests der 1960er bis -90er Jahre hätten noch heute schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung der Inseln. Frankreich hatte zwischen 1966 und 1996 auf dem Mururoa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien 193 Atomwaffentests unternommen. Zahlreiche Krebserkrankungen auf den Inseln werden mit den umstrittenen Tests in Verbindung gebracht.

Solange aber Staaten Atomwaffen besitzen wird die Welt nicht friedlicher. Der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) wurde 1996 zur Unterschrift aufgelegt, ist aber noch nicht in Kraft getreten. Nuklerwaffenstaaten entwickeln und modernisieren weiterhin ihre Atomwaffenarsenale. Die Regierung der Marshallinseln hat vor kurzem vor dem Internationalen Gerichtshof der UNO einen Prozess gegen mehrere Atommächte angestrengt. Die Marshallinseln sehen Indien, Großbritannien und Pakistan sowie auch alle weiteren Atomwaffenstaaten in der Pflicht, an Abrüstungsverhandlungen teilzunehmen.

Letztes Jahr hat eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen eine Resolution unterstützt, damit eine Arbeitsgruppe zur Abrüstung von Atomwaffen ins Leben gerufen wird. Diese Arbeitsgruppe wurde von der UN Generalversammlung mit dem Auftrag gegründet, legale Maßnahmen und Regeln auszuarbeiten, damit eine Welt ohne Atomwaffen möglich wird. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber ein weiter Weg.“