MALLORCA/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Daimler bringt die dritte Generation der B-Klasse auf den Markt

Als die zweite Serie der Mercedes A-Klasse auslief und das Nachfolgemodell ein „Hatchback“ wie alle anderen wurde, werden etliche Kunden eine Träne verloren haben. Das Konzept der Ur-A-Klasse, eine Kreuzung aus Kleinwagen, SUV-Sitzposition und Van-Variabilität, war perfekt. Die Verkaufszahlen waren zwar ordentlich, doch wurde die A-Klasse von der Öffentlichkeit als Hausfrauen- und Seniorenauto wahrgenommen. Ihr Todesurteil. Der Markt hat den Mercedes-Leuten Recht gegeben, nach der Abkehr vom Multifunktionskonzept verkauften sich die A-Klassen ab der dritten Generation wie geschnitten Brot, dazu noch an eine deutlich verjüngte Kundschaft.

Wer auf die Tugenden der „alten“ A-Klasse setzte, wurde an die „B-Klasse“ verwiesen. Die B-Klasse, der letzte verbliebene Premium-Kompaktvan im Mercedes-Portfolio, geht jetzt in die dritte Auflage. Für die dritte Ausgabe tritt Mercedes mit dem Motto an: „Der Sports Tourer wird noch sportlicher!“ Mal ehrlich, die B-Klasse ist alles, von vernünftig bis solide, aber ganz bestimmt nicht sportlich. Man muss die Sache mit der Sportlichkeit anders sehen: Die B-Klasse ist ein Fahrzeug für Sportler, die ihr Freizeitgerät in die Berge oder zum nächsten Fluss bringen wollen, aber weder SUV noch Kombi bewegen möchten.

Testen auf „Malle“

Einige luxemburgische Motorjournalisten hatten die Gelegenheit, die neue B-Klasse - deren Auslieferung im Februar 2019 beginnen soll - auf Mallorca bei einer Fahrvorstellung kennenzulernen. Gleich vorab, der B-Klasse jegliche Sportlichkeit abzusprechen ist schon ein bisschen unfair. Bei den Fahrten durch das kurvenreiche Tramuntana-Gebirge zeigten sich Fahrwerk und Lenkung von einer ausgesprochen präzisen Seite, die auch das „Räubern“ durch Kurven erlaubte, trotz des grundsätzlichen Vernunftcharakters. In der Avantgarde-Ausstattung begrüßt den Fahrer der gleiche Breitbandbildschirm wie in der A-Klasse oder den deutlich größeren Modellen - ein volldigitaler Instrumententräger. Auch der Wahlhebel der Automatik sitzt klein und unauffällig rechts am Lenkrad. Die beiden Benzinmodelle und der kleinste Diesel sind mit einem automatischen 7- Gang Doppelkupplungsgetriebe, die größeren Diesel mit einem 8-Gang Doppelkupplungsgetriebe ausgerüstet. Für schaltfreudige Fahrer bleibt die sequentielle Bedienung per Schaltwippen am Lenkrad. Über die Mittelkonsole wird nur noch das Angebot der bordeigenen Systeme gesteuert.

Drei Diesel und zwei Benziner

Bei den Testfahrten konnten wir den Mercedes B 200, einen 1,3 (!) Liter Turbobenziner mit 163 PS - immerhin noch mit vier Zylindern - mit dem stärksten Diesel, dem B 220 d, einem Zweiliter Turbodiesel mit 190 PS, vergleichen. Besonders stolz ist man, mit dem neuen Dieselmotor den ersten Antrieb nach der Euronorm 6d in der Kompaktklasse anbieten zu können. Neben den beiden Modellen gibt es noch einen Benziner (B 180) mit 136 PS und zwei Diesel, den B 180 d mit 1,5 Liter und 116 PS und den B 200 d mit dem größeren Zweiliter und 150 PS.

Sprich mit mir!

Daimler wäre nicht Daimler, wenn man auch in der Kompaktklasse nicht auf neue oder weiterentwickelte Assistenzsysteme und „Connectivity“ setzen würde. Sogar in einem für diese Klasse außerordentlichen Maß. Da der Chronist lieber fährt, als sich fahren zu lassen, sei an dieser Stelle der Mercedes Pressetext zitiert: „Die neue B-Klasse verfügt über Fahrassistenz-Systeme mit kooperativer Unterstützung des Fahrers (…) Erstmals kann die B Klasse in bestimmten Situationen teilautomatisiert fahren. Dafür erfasst sie das Verkehrsumfeld mit verbesserten Kamera- und Radarsystemen bis zu 500 m voraus und nutzt Karten- und Navigationsdaten für Assistenz-Funktionen. So kann der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC als Teil des Fahrassistenz-Pakets den Fahrer in vielen Situationen streckenbasiert unterstützen und die Geschwindigkeit komfortabel vorausschauend vor z.B. Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehren anpassen. Hinzu kommen der Aktive Nothalt-Assistent und ein intuitiv verständlicher Aktiver Spurwechsel-Assistent. Serienmäßig an Bord der neuen B-Klasse ist ein erweiterter Aktiver Brems-Assistent. Er hilft, Kollisionen mit langsamer vorausfahrenden, anhaltenden und stehenden Fahrzeugen und jetzt sogar mit querenden Fußgängern und Fahrradfahrern zu mindern oder ganz zu vermeiden.“ Ach ja, reden kann man auch mit der B-Klasse. Mit einem kräftigen „Hey Mercedes!“ wird die Sprachsteuerung diverser Systeme aktiviert, vom Audio-Programm bis zur Heizung.

Mit Benziner: Das bessere Paket

Der von uns gefahrene B 220 d tritt kräftig an und hebt den „Sportstourer“ mit Leichtigkeit jede Steigung hinauf und aus jeder Kurve heraus - dank eines beeindruckenden Drehmoments von 400 Newtonmetern. Manch größeres Modell sieht dagegen alt aus. Dennoch, mein Favorit ist der B 200. Der - nach Hubraum - winzige Benziner hat mit 163 PS genug Leistung, um mit der B-Klasse durch den Verkehr zu gleiten. Alles wirkt ein bisschen runder, fließender, vernünftiger, ohne gleich langweilig zu sein. Mehr Langstreckenläufer als Bodybuilder. Wer seine B-Klasse nicht im Anhängerbetrieb fahren will, braucht die dicken Diesel-Muckis nicht. Der Benziner passt einfach besser zum Charakter des Wagens..