MUNSBACH
MARCO MENG

Solutions macht Datenklau unmöglich - selbst das Wirtschaftsministerium vertraut darauf

Obwohl als Chemiker „branchenfremd“, stieß Stefan Kistner schon früh auf die Problematik von Datensicherheit. Das machte er sich schließlich zum Beruf. Auf der CeBit in Hannover stellte sein Unternehmen Solutions SA in Munsbach einen multifunktionalen „Token“ „Made in Luxembourg“ im USB-Stick-Format vor - und überzeugte kürzlich auch ein luxemburgisches Ministerium, seine Anwendungen zur Datensicherheit zu nutzen.

Was ist Solutions SA?

Stefan Kistner Wir entwickeln Verschlüsselungsprodukte, und zwar in Software und in Hardware. Dazu sind wir 2014 von Deutschland nach Luxemburg gekommen. Damals hatten wir Vertreter von Luxinnovation und dem Wirtschaftsministerium getroffen, die uns ein sehr positiven Bild von Luxemburg als ein technologiefreundliches Umfeld zeichneten. Und das hat sich dann auch bewahrheitet. Unsere Vorstellungen, die wir hatten, als wir hierhin kamen, erfüllten sich seitdem - zwar nicht ganz so schnell wie wir gehofft hatten, aber dass wir hierhin umgezogen sind, damit sind wir sehr zufrieden.

Warum kamen Sie hierher?

Kistner Wir haben in Deutschland Verschlüsselungen etwa schon zehn Jahre gemacht, als wir nach Luxemburg kamen. Damals wollten wir uns „europäisieren“, wofür Luxemburg der geeignete Standort war.

Auch weil Luxemburg ein Finanzzentrum ist?

Kistner Das war für uns nicht so ausschlaggebend, denn wir suchten keine Investoren. Aber das hierzulande sich so eine Art „Startup-Community“ beheimatet hat, spürten wir dann doch positiv.

Ich meinte Finanzzentrum eher im Hinblick auf Kunden, oder für wen machen Sie ihre Verschlüsselungstechnik?

Kistner Unsere Technik schützt vor allem vor Industriespionage. Wir sind ganz stark im Bereich von Technologie, Automobile, industrielle Fertigung, Konstruktion, Planung... da sind einfach viele schützenswerte Daten. Viele unsere Kunden sind Anlagenbauer, wir haben auch Kunden aus der Luftfahrt, und öffentliche Verwaltungen sind auch dabei. Insgesamt haben wir Kunden aus vielen Ländern, das reicht bis nach Japan. Allerdings haben wir auch angefangen, den Finanzsektor in den Kundenkreis mit aufzunehmen. Das braucht seine Zeit, aber das trägt schon erste Früchte.

Wie kamen Sie auf die Idee, in diesem Bereich ein Unternehmen zu gründen?

Kistner Ich beschäftigte mich jahrelang mit Wissensmanagement und stieß dabei auf die Problematik von „Data-Leaks“; so kam damals aus unserem Kundenkreis in Köln - ein großes Unternehmen, das 2004 Entlassungen vornehmen musste - die Mitteilung, dass man in der ganzen Umgebung in den Läden keine USB-Speicher mehr kaufen kann, weil die alle ausverkauft sind. Ein Mitarbeiter, der weggeht und Projekte zum neuen Unternehmen mitnimmt, ist eben auch eine Form von Industriespionage. Und die Kunden fragten, wie können wir uns davor schützen? Das war dann der initiale Gedanke für unser Unternehmen.

Ihr beruflicher Hintergrund ist aber eigentlich ein ganz anderer?

Kistner Na ja, ich habe Chemie studiert, kam aber schon während des Studiums mit Informatik in Berührung. Damals in den 1980ern war IT übrigens noch etwas ganz Exotisches. Ich arbeitete damals an Enzymkinetik, wozu ich einen Apple II mit heute lächerlich geringem Speicher verwendete. Damit hatte ich dann meine Zukunft nicht mehr im Labor gesehen.

Nachdem Sie Ihr erstes Produkt für Datensicherheit entwickelt hatten, wie ging es dann weiter?

Kistner Dann hatten wir erst einmal eine schwierige Zeit, denn Datenverschlüsselung war damals ein Buch mit sieben Siegeln. Inzwischen hat sich das geändert: Datensicherheit wird immer mehr als wichtiges Thema erkannt, gerade angesichts der zunehmenden Digitalisierung. Heute geht es nicht nur darum, ein Dokument zu schützen, ganze Steuerungssysteme müssen heute vor Manipulation geschützt werden. Dazu schaffen wir die entsprechende Software wie auch die entsprechende Hardware.
Wie funktioniert so ein Token?

Kistner Im Grunde ist ein Token die denkbar kleinste Form eine Computers mit USB-Anschluss, der ein Zertifikat gespeichert hat und der einen privaten Schlüssel, einen Code, hat. Das ist auch ein großer Vorteil, auf den ich bei unseren Produkten hinweisen kann: Hier in Luxemburg haben wir keine Verpflichtung, eine sogenannte „Hintertür“ für den Zugriff von staatlichen Stellen offenzulassen.

Welche Projekte stehen jetzt noch an?

Kistner Wegen der großen Nachfrage nach unserem Hardwareprodukt werden sicher in den nächsten Jahren noch weitere Token entwickeln. Dann werden wir sehen, ob wir angesichts „Industrie 4.0“ noch in anderen Dimensionen vorgehen, denn mit unserer Technologie wären wir in der Lage, die Daten verschlüsselt und gesichert von der Planung mit einem CAD-Programm, dem „Zeichentisch“ also, bis zur CNC-Maschine, zu übertragen, ohne dass dazwischen ein Abgriff oder eine Manipulation stattfinden kann.

Inzwischen haben Sie sogar das Wirtschaftsministerium aus Luxemburg als Kunden, stimmt das?

Kistner Das stimmt. Wobei nicht alle Kunden von uns öffentlich genannt werden wollen. Beim Wirtschaftsministerium Luxemburg darf ich das aber sagen.

Wie wurde das Ministerium auf Sie aufmerksam? Wie überhaupt gewinnen Sie Kunden?

Kistner Das Ministerium bei unserem ersten Treffen 2014 bei Luxinnovation. Kunden finden wir ansonsten vor allem durch Erfahrungsaustausch und Teilnahme an Messen. Da kommen wir mit vielen potenziellen Kunden in Kontakt. Auf der Hannover Messe waren wir 2015 zum erstenmal als luxemburgisches Unternehmen, und im Herbst werden wir in Frankfurt auf der Automesse IAA sein.