LUXEMBURG
LUC SPADA

„Weißt du, mir ist Geld nicht so wichtig“, sagst du, sagen die meisten Menschen immer dann, wenn sie genau wissen, dass sie genug davon, von diesem Geld, haben. „Der hat gut reden“, sagt der Volksmund dazu. Eine gerechte Welt wird es geben. Wenn Freiheit endet und Verzicht beginnt. Ohne dass Mensch sich folglich dadurch ungerechter behandelt fühlt.

Derzeit ist Freiheit mit „genug Geld“ gleichzusetzen. Deine Tochter im SUV oder Porsche zur Schule bringen, um eine halbe Stunde länger zu schlafen, ist Geld. Und Freiheit. Wenn ich lange ausschlafe, heißt das, dass ich genug Geld habe. Es mir leisten kann, ein mir nicht angenehmes Arbeitsgespräch abzusagen, weil noch genug Kohle auf dem Konto ist. Wenn du mit den Kids für eine bessere Umwelt demonstrieren gehst, danach zum Fast Food-Restaurant, ist das Geld. Na ja, inkonsequent ist es auch. Und wiederum Freiheit. Nämlich die, sich herausnehmen zu dürfen, da man direkt und gefühlt noch nicht an den Nebeneffekten der Umweltverschmutzung benachteiligt wird, andere in die Verantwortung zu ziehen, für etwas, wofür man sich ungern in der Verantwortung sieht. Gut, dass du kein Eisbär bist. Nur ein kleines Arschloch. Oder: Wenn ich den teuereren Zug nach Prag nehme, nicht den Billo-Flug, ist das Geld. Und natürlich: Freiheit, sich für eine umweltschonendere Option zu entscheiden. Und gegen meine Flugangst. Auch ich bin ein kleines Arschloch.

Nun flirten wir einmal mit dem Verzicht. Jeder bekommt die gleiche Summe an Geld. Jede darf seinen Kontinent nicht mehr verlassen. Jeder darf nur noch regional angebaute Produkte kaufen. Jede Raucherin darf nicht mehr rauchen. Jede Google-Suche wird auf zehn Einheiten pro Jahr reduziert. Die Smartphone-Produktion wird eingestellt. Die Autoproduktion ebenfalls. Und so weiter und so fort - und du weißt mit Sicherheit, wo ich hinwill. Genau. Die völlige Angstfreiheit. Niemand braucht sich mehr benachteiligt zu fühlen, weil der andere bereits fünf Mal eine zweiwöchige Meditation in Bali abgehalten hat. Kein Macho-Mann muss mehr bangen, dass er eine dieser emanzipierten Frauen kennenlernt, die es wagen, mehr zu verdienen als er. Du schneidest dich nicht mehr beim Öffnen einer Avocado, weil sie ist eh nicht regional. Und somit nicht im Einkaufsmarkt deines Vertrauens vorhanden. Du kannst endlich wieder die Lexika, die deine Eltern dir für viel Geld erworben haben, vom Speicher holen und auf echtem Papier nach dir unbekannten Begriffen suchen. Dein Stalker kann nicht mehr nachprüfen, ob du online bist. Deine Nachbarin hat kein größeres Auto als du, denn ihr habt beide keins mehr. Die Leute gehen wieder raus, treffen sich, schauen sich in die Augen und auf Konzerten musst du keine Angst mehr haben, nichts zu sehen, da niemand sein blödes Handy in die Luft hält. Die Lösung für ein besseres Leben? Verzicht ist geil.

www.lucspada.com