CLAUDE KARGER

Am Ende ging es schnell. Der Druck auf den Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini wurde wegen der Affäre um sein Haus respektive das Gartenhäuschen in einer Natura 2000-Zone dermaßen groß, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als zurückzutreten.

Der Rücktritt des grünen Oberhaupts der drittgrößten Stadt des Landes hing seit Tagen in der Luft, nachdem er eine Reihe von Fehlern zugegeben hatte. Schnitzer, wie Arbeiten ohne die notwendigen Genehmigungen durchzuführen oder Gemeindebeamte oder Arbeiter einer Beschäftigungsinitiative, deren Chef er auch noch ist, für private Angelegenheiten einzuspannen, die doch sehr erstaunen von einem Mann, der bereits sehr lange im kommunalpolitischen Geschäft dabei ist und gestern noch einmal betonte, dass Politiker eine Vorbildunktion haben und auch haben müssen.

Wissen müsste er auch, dass es in der Kommunalpolitik bisweilen nicht nur ziemlich rau zugehen kann, sondern er als Gemeindevater unter besonderer Beobachtung steht und Fehler in einer Kommune rasend schnell hochkochen.

Ob die Fehler des Roberto Traversini strafrechtliche Konsequenzen zeitigen werden, das ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Die Justiz klärt nun „à charge et à décharge“ den Verdacht auf Veruntreuung öffentlicher Gelder, illegaler Vorteilsannahme, Verschleierung und Verstoß gegen das Gesetz über kommunale Einrichtungen. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Aber für eine politische Karriere, die den bislang erfolgreichen Traversini möglicherweise hätte in die Regierung bringen können - sein Name wurde nach der schweren Erkrankung von Minister Braz oft in Zusammenhang mit dem Wohnungsbauressort gebracht - ist eine solche Affäre natürlich Gift.

Unklar ist noch, ob er sein Mandat als Parlamentarier weiterführen möchte. Unklar ist auch, ob es eventuell noch weitere Klagen wegen der Angelegenheit geben wird.

Ungewiss ist zudem, wie weit diese Affäre die Glaubwürdigkeit der Grünen und der Politik insgesamt beschädigt. Sie dürfte auch schon einige Spannungen in der Regierungskoalition verursacht haben...

Während Traversini erste Lektionen aus der Affäre gezogen hat, ist sie doch auch eine Lehre für jeden Politiker, demonstriert sie doch, wie schnell die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen verloren gehen, und dass die eben erwähnte „Vorbildfunktion“ überall und zu jeder Zeit gilt, wenn man ein politisches Mandat innehat, das die Trennung zwischen der öffentlichen und der privaten Person kaum zulässt.

Vielleicht wäre es auch der Moment, einen Gedanken über die Arbeitsbelastung zu verlieren, der Spitzenpolitiker im Kumul von Parlaments-
und Bürgermeistermandaten ausgesetzt sind. Kein Verantwortungsträger kann überall sein, ohne Arbeitsdelegierung zu Wege kommen und alle Schnitzer vermeiden. Doch die Einstellung muss freilich sein, alles Menschenmögliche dafür zu tun. In aller Vorbildlichkeit.