LUXEMBURG
RAYMOND AENDEKERK

Kloertext - Bedrohte Kohlenstoffspeicher

Für den Menschen wie den gesamten Planeten sind sie von enormer Wichtigkeit: Die Wälder des Nordens und die Kohlenstoff speichernden Böden. Raymond Aendekerk, Direktor von Greenpeace Luxemburg, erklärt, warum der Schutz dieser Wälder eine hohe Priorität genießen muss.

„Auch wenn wir bei den Wäldern im Zusammenhang mit dem Klimawandel prioritär an den tropischen Regenwald denken, so spielen die Wälder des Nordens ebenfalls eine große Rolle und sind mindestens ebenso bedroht.

Dieses Waldökosystem umfasst etwa 16 Millionen Quadratkilometer. Es ist nach den tropischen Wäldern das zweitgrößte Waldökosystem der Welt – und von immenser Bedeutung für die Menschen und den gesamten Planeten. Neben den tropischen Wäldern ist der ,Silva Borealis‘ der größte Kohlenstoffspeicher der Welt. Anders als im tropischen oder in unseren einheimischen Wäldern, sind es in den Wäldern des Nordens vor allem die Böden, die den Kohlenstoff speichern: 95 Prozent lagern dort. Doch wie lange kann dieses wertvolle Ökosystem seinen Beitrag in der Bekämpfung des Klimawandels noch leisten?

Die Waldwildnis, die die Arktis um den gesamten Erdball herum zwischen dem 50. und 70. Breitengrad umgibt, ist gigantisch. Dieser nördliche Waldgürtel erstreckt sich von Alaska und Kanada über die skandinavischen Länder bis nach Russland an das Beringmeer. Er ist das Zuhause vieler indigener Völker. In Kanada leben beispielsweise die Dene und die Cree, in Skandinavien sind die Sami heimisch; Nenets, Yakut, Udege und Altaisk bevölkern die Wälder Sibiriens. Doch ihre Landrechte müssen anerkannt und ihre Territorien besser geschützt werden.

Mit mehr als 20.000 Tier- und Pflanzenarten ist die Vielfalt riesig. Zwischen einer bis drei Milliarden Vögel brüten im Frühjahr in den Wäldern; im Winter suchen sie Schutz bei uns oder in weiter südlich gelegenen Regionen.

Fast zwei Drittel des borealen Waldes werden weltweit als Forstfläche genutzt. Problematisch ist dort die langsame sogenannte Umtriebszeit, da durch die nördliche Lage und folglich lange Winter die Bäume sehr langsam wachsen. Der nicht nachhaltige Raubbau in diesen Wäldern, getrieben durch die industrielle Forstwirtschaft, aber auch durch Ölförderung und Minenarbeiten, muss aufhören. Denn diese Rodungen für Papier, Verpackungskarton und Bauholz zerstören nicht nur die Bäume, sondern auch die Waldböden. Diese setzen den gespeicherten Kohlenstoff frei – der Klimawandel wird weiter angeheizt.

Greenpeace ist seit vielen Jahren für den Schutz dieser Wälder aktiv. Wir fordern die nördlichen Länder auf, starke Fahrpläne für den Schutz der Wälder zu beschließen. Für die Menschen, die von diesen Wäldern leben, für Bären, Luchse und andere Tierarten, sowie für unser Klima, müssen die Wälder des Nordens erhalten bleiben. Auch wir als Konsumenten können einen bedeutenden Beitrag leisten, indem wir z.B. unseren Papierkonsum reduzieren und auf Produkte aus nachhaltiger Holzproduktion zurückgreifen.“