LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Rapper Maz nutzt die Quarantäne um sich kreativ zu entfalten

Rapper Maz ist aus der luxemburgischen Musikszene kaum noch wegzudenken. Musik war schon zu Kindeszeiten seine große Liebe und ist aus seinem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine Leidenschaft, die selbst während eines Telefongesprächs nicht zu überhören ist. Allerdings fehlt auch ihm, wie so vielen Künstlern, die Bühne. Wie er die Quarantänezeit nutzt und wie man ihn auch jetzt unterstützen kann, verrät der Rapper im Interview.

Wie empfindest Du die momentane Situation als Künstler?

MAZ Ich denke das Wort „merkwürdig“ fasst es ganz gut zusammen. Dass keine Konzerte mehr stattfinden, hat auf mein Leben natürlich einen sehr großen Einfluss. Wenn ich auftrete, fühle ich mich am lebendigsten und genau das Gefühl werde ich jetzt auf unbestimmte Zeit nicht mehr haben. Zudem hat es auch meinen Alltag auf den Kopf gestellt. Vor der Krise habe ich Workshops an Schulen gegeben, viel Zeit im Studio verbracht, hatte Meetings und war insgesamt sehr viel unterwegs. Was wir gerade erleben, ist für jeden schwierig zu begreifen. Dennoch versuche ich positiv durch diese Zeit zu kommen und sie so kreativ wie nur möglich zu nutzen. Sie bietet uns ja auch die Möglichkeit, wieder zu realisieren, was wirklich wichtig ist. Ich denke hier an Freunde und Familie, die Menschen, die wir leider viel zu oft als selbstverständlich wahrnehmen. Dieses Gefühl des Zusammenhalts sollten wir alle nach dieser Krise weiter in uns tragen.

Was genau waren das für Workshops?

MAZ Ich beteilige mich an zwei unterschiedlichen Projekten. Zum einen am Hip-Hop-Marathon, zum anderen einem Projekt der SuperDrecksKëscht. Bei letzterem beschäftigen ein Poetry-Slammer und ich uns mit ausgewählten Klassen unter anderem mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel. Wir sollen den Schülern helfen, einen Rap- oder Poetry-Slam-Text zu diesen Themen zu verfassen. Eigentlich sollte das, was hier erarbeitet wird, im Rahmen eines Festivals vorgestellt werden, doch leider musste auch dies aufgrund der aktuellen Lage abgesagt werden. Wir versuchen allerdings dafür zu sorgen, dass die Texte auf anderen Wegen veröffentlicht werden können. Wie genau das aussehen wird, muss noch besprochen werden.

Als Dein Konzert mit CHAILD zu Beginn der Krise abgesagt wurde, habt ihr schnell eine Live-Session auf die Beine gestellt. Wie genau verlief das?

MAZ Wir waren natürlich traurig als die Absage kam und wollten uns bei den Leuten, die sich bereits Tickets gekauft hatten, bedanken. Das Lied „Circles“ war fertig und wurde auch schon einmal aufgenommen, aber wir wollten eine schöne instrumentale Version daraus machen. Deshalb haben wir auf die Schnelle alle Leute zusammengetrommelt und uns gleich am Folgetag an die Arbeit gemacht. In nur zwei Stunden stand das Instrumental. Gleich danach haben wir das Video aufgenommen und hochgeladen. Wir haben uns dafür tatsächlich morgens um 10.00 getroffen und das Video am frühen Abend schon gepostet.

Am Mittwoch bist du „Live aus der Stuff“ aufgetreten. Wir fühlt es sich an für die Kamera zu performen?

MAZ Die Reaktionen der Menschen zu sehen, ist eigentlich das, was einem Sicherheit gibt. Ohne dieses direkte Feedback aufzutreten ist merkwürdig und zu Beginn ist eben diese Sicherheit etwas weniger vorhanden als im Normalfall. Ich würde aber sagen, dass ich weiß, was ich kann und welche Fehler ich mache, sodass ich trotzdem selbstbewusst auftreten kann. Es war aber tatsächlich das erste Mal, dass ich 40 Minuten via Livestream aufgetreten bin. Auch, wenn es gut gelaufen ist, hoffe ich dennoch, dass es nicht die neue Norm wird.

Deine Texte sind insgesamt etwas düsterer – woher nimmst Du die Inspiration?

MAZ Tatsächlich sind meine Texte oft düsterer oder auch traurig, obwohl ich von meiner Grundeinstellung her ein sehr positiver Mensch bin. Meine Inspiration nehme ich aus unserer Welt und wie wir mit ihr umgehen. Leider passieren in diesem Zusammenhang sehr viele unschöne Dinge. Mit meinen Liedern will ich unseren Alltag reflektieren und unserer Gesellschaft in gewisser Weise den Spiegel vorhalten. Ich will zeigen wie unsere Welt funktioniert, oder wie sie eben nicht funktioniert. Dennoch versuche ich gerade in dieser Zeit, ein Licht für die Menschen zu sein und auf meine Art Positivität zu verbreiten.

Dient die aktuelle Lage als Inspirationsquelle?

MAZ Ich muss gestehen, dass diese Apokalypse-artige Stimmung mich schon inspiriert. Was nicht bedeutet, dass ich keinen Respekt vor dieser Ausnahmesituation habe. Mir tut es unfassbar leid, dass es so vielen Menschen schlecht geht. Es ist die Stimmung an sich, die mich inspiriert und aus dieser Stimmung heraus sind in den letzten Wochen schon einige neue Songs entstanden. Langsam gewöhne ich mich – wie wir alle – an die Quarantäne, sodass auch dieser Faktor wieder ein wenig nachlässt. Doch insgesamt bin ich momentan sehr kreativ, arbeite an Texten und Melodien und freue mich, wenn ich bald wieder ins Studio darf.

Was bietest Du Leuten, die Dich auf Patreon unterstützen?

MAZ Momentan findet man dort Backstage oder „Behind the Scenes“-Material, also Einblicke hinter die Kulissen oder in meinen Schreibprozess. Was ich aber zusätzlich anbieten will, sind unveröffentlichte Lieder, oder auch Gedichte, Texte, die meine Gedanken wiedergeben, die ich nicht in Songs umwandeln werde.

Neben dem Kauf solcher Packages ist es für uns aber auch wichtig, dass unsere Musik geteilt wird. Wir Künstler freuen uns in dieser schweren Zeit über jede Unterstützung. Solches Material von uns zur Verfügung zu stellen, ist leider das Einzige, was wir gerade tun können – und abwarten, dass wir wieder auf die Bühne dürfen.

Was genau kann man sich unter den anderen Texten vorstellen?

MAZ Es sind quasi Zusatzinfos. Teile, die helfen, das Bild, das Leute von mir haben ein wenig zu vervollständigen. Dabei geht es nicht zwingend um meine Persönlichkeit, sondern auch und vor allem um meine Gedanken und meine Weltansicht. Ich liebe das Schreiben in all seinen Formen und habe mich in dem Bereich schon immer gerne ausgetobt. Meine Leidenschaft gilt natürlich der Musik, aber ich schreibe generell meine Gedanken gerne auf – egal, in welcher Form.

Der Patreon-Account von Maz findet ihr unter www.patreon.com/rappermaz