LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Nach „Jonk Fuerscher“-Wettbewerb die weite Welt: Charel Wohl forscht im Polarmeer

Ein elektro-magnetisches Auto entwickeln, die Kraft der Musik ergründen oder medizinische Pflanzen analysieren: Seit dem Jahr 1971 können sich Kinder und Jugendliche beim Wettbewerb von „Jonk Fuerscher“ des „Fonds National de la Recherche Luxembourg“ messen. Auch dieses Jahr sind die zwischen Elf- und 21-Jährigen aus Luxemburg wieder für den nationalen Wissenschaftswettbewerb gefragt. In Gruppen zwischen ein und drei können sie Projekte aus Technik, Natur und Geisteswissenschaften einreichen. Und wer weiß, vielleicht ist das der Auftakt zu einer Forscherkarriere, die an traumhafte und unzugängliche Orte führt, wie man sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt. So war es zumindest bei Charel Wohl, dem heute 23-jährigen Luxemburger, der in ein paar Monaten für eine Expedition in die Arktis fährt. Wohl hatte 2011 und 2012 bei „Jonk Fuerscher“ mitgemacht. Damals untersuchte er noch, wie Schwermetalle das Wachstum von Knoblauch hemmen, ab Juni sind es Gase und Wasser aus dem Nordpolarmeer.

Du wirst von Plymouth für ein Forschungsprojekt in die Arktis aufbrechen - womit wirst Du dich beschäftigen?

Charel Wohl Ich mache gerade mein Doktorat in Großbritannien und werde in der Arktis und dann in der Antarktis organische Gase wie unter anderem Methanol, Acetone und Acetaldehyde analysieren, welche die Selbstreinigungsfähigkeit der Luft kontrollieren. Ich werde messen, ob das Nord- und Südpolarmeer diese Gase abgeben oder absorbieren. Diese Gase werden mit dem Wind nach Europa geblasen und beeinflussen, wie sich die Luft in unseren Städten von Luftverschmutzung befreit.

Also dienen Deine Daten auch zur weiteren Erforschung der Luftverschmutzung?

Charel Wie Luftverschmutzung funktioniert, bewegt mich auch. Die Luft reinigt sich über dem Meer selbst, und diese Selbstsäuberungsfähigkeit will ich kontrollieren. Dann wissen wir, wie sauber diese Luft ist, die nach Europa strömt.

Wie bereitest Du dich auf die Expedition vor?

Charel Da ich die Gase im Meer mithilfe eines Gasanalysators messen will, noch dazu während das Boot fährt, entwickele ich gerade eine besondere Extraktionsmethode. Diese erlaubt es, die Gase aus dem Meerwasser zu gewinnen und im Gasanalysator zu messen. Es gibt noch keine Extraktionsmethode für diese speziellen Gase, die ich untersuchen werde, und die während der Fahrt des Eisbrechers funktioniert.

Hat vor dir noch keiner solche Experimente gemacht?

Charel Nein, solche Messungen in der Arktis hat vor mir noch niemand durchgeführt. Es gibt zwar Schätzungen, etwa wurden die Gase im Atlantik und von einem japanischen Team im Pazifik gemessen. Aufgrund dieser Schätzungen weiß ich ungefähr, welche Konzentration ich erwarten kann, aber ich vermute große Variationen. Wenn das Eis im Frühjahr schmilzt, steigt der Nährstoffgehalt und die Wassertemperatur, was Algen gedeihen und blühen lässt. Dies wiederum führt vielleicht zu einer erhöhten Produktion von den Gasen, die ich analysiere. Dabei habe ich das Glück, dass der Eisbrecher ins Eis und an den Kanten vorbeifahren wird, um die Algenblüten zu finden.

Wann geht es los?

Charel Wir werden im Juni mit einer Forschergruppe von Quebec für sechs Wochen in die kanadische Arktis fahren. Der Kurs ist anfangs immer nordwärts entlang der Küste. Danach werden wir die Vorräte auffüllen und noch weiter nördlich ins Eis- und Insellabyrinth der kanadischen Arktis aufbrechen. Auf dem Eisbrecher führen wir Forscher dann unsere verschiedenen Experimente durch.

Wie stellst Du dir die Arktis vor?

Charel Meine Doktorväter haben immer mit glänzenden Augen gesagt „Warte, bis Du den ersten Eisberg siehst“. Also bin ich sehr gespannt, es ist ein Traum, der da für mich in Erfüllung geht. Auch wenn die See an manchen Tagen so rau wird, dass man nicht ins Labor darf, weil alles rumfliegt.

Du hast bei „Jonk Fuerscher“ mitgemacht: Welche Rolle spielte dieser Wettbewerb für Deine Vita?

Charel Ich habe 2011 und 2012 mit einem Projekt in Molekularbiologie mitgemacht und daraufhin Biochemie im Bachelor studiert. Währenddessen habe ich mich immer mehr für Chemie interessiert. Seit dem Wettbewerb wollte ich in die Forschung gehen und das habe ich „Jonk Fuerscher“ zu verdanken. „Jonk Fuerscher“ hat mich auch zum „Mérite Jeunesse“ geführt“, einer persönlichen Herausforderung für junge Leute. Um diese Medaille zu bekommen, habe ich in Schottland und Nordengland kleine Expeditionen durchgeführt. Das hat einen Abenteuergeist in mir erweckt, den ich jetzt mit meinem Beruf kombinieren kann. Als Kind weiß man nicht, dass man so viele Interessen miteinander verbinden kann, aber die Welt ist eine Schatzkiste.

Anreize für Projekte, Kontakte zu Tutoren und Laboren sowie Details zum Reglement für den Wettbewerb „Jonk Fuerscher“ unter www.jonk-fuerscher.lu. Einsendeschluss ist der 17. März, Vorstellung und Verleihung am 1. und 2. April