ESCH/BELVAL
CHRISTIAN SPIELMANN

Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ in der Rockhal

Das Märchen „La Belle et la Bête“ wurde 1740 erstmals von der französischen Romanautorin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve erzählt. Die Fassung von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont aus dem Jahr 1757 popularisierte die Geschichte. Im Kino wurde sie bereits 1899 verfilmt. Die Walt-Disney-Studios adaptierten 1991 das Märchen im Zeichentrickfilm „Beauty and the Beast“. Komponist Alan Menken und Texter Howard Ashman (1950 - 1991) gewannen die Oscars für die beste Filmmusik und den besten Originalfilmsong. Mit zusätzlicher Musik von Menken, dem Tim Rice als Texter beistand, kam 1994 ein Bühnenmusical am Broadway heraus. Die deutsche BB Promotion produzierte schon 2011 zusammen mit dem Budapester Operetten- und Musicaltheater eine Tournee-Produktion von „Die Schöne und das Biest“, die bis heute mit wechselnder Besetzung gezeigt wird und von György Böhm inszeniert wurde. Nach „Dirty Dancing“ letzte Woche, ist es die zweite BB Promotion Produktion, die in der Rockhal in Esch/Belval gastiert.

Nur wahre Liebe kann helfen

Die junge und hübsche Belle (Kitti Jenes) lebt bei ihrem Vater, dem Erfinder Maurice (Attila Bardóczi), in einem kleinen Dorf. Sie wird vom Muskelprotz Gaston (Attila Németh) begehrt. Doch sie weigert sich, diesen rüden Kerl mit wenig Gehirn zu heiraten. Als ihr Vater mit seiner neuen Erfindung zu einem Jahrmarkt fährt, verirrt er sich im Wald und landet im Schloss von einem Biest (Sándor Barkóczi). Einst war das Biest ein Prinz, der aber verzaubert wurde, weil er sich einer Bettlerin, die in Wirklichkeit eine schöne Zauberin war, gegenüber schlecht benahm, weil sie ihm eine Rose schenken wollte. Alle Bediensteten des Schlosses wurden mit verwunschen, wie Lumière (Ádám Bálint), Herr von Unruh (Támas Földes), Madame Pottine (Lilla Polyák) und ihr Sohn Tassilo (Bulcsù Homonnay), Babette (Nikolett Füredi) und Madame de la Grande Bouche (Ildikó Sz. Nagy). Sie alle wurden zu Gegenständen, wie Lumière zu einem Kerzenleuchter und Unruh zu einer Uhr.

Das Biest sperrt Maurice kurzerhand ein. Als Belle Gastons Gehilfen Lefou (Attila Serbán) mit dem Schal ihres Vaters sieht, ahnt sie Schlimmes. Lefou fand diesen im Wald. Belle macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und landet ebenfalls im Schloss. Das Biest willigt dem angebotenen Tausch zu, dass Belle bleibt, wenn er Maurice freilässt. Alle Bediensteten sehen endlich die Chance gekommen, von ihrem Fluch erlöst zu werden. Nur muss sich das ungehobelte Biest in Belle verlieben. Und umgekehrt natürlich.

Tragende Evergreens

Die deutschsprachige Premiere war 1995 in Wien, und 1997 kam das Musical nach Stuttgart. Für die Tournee-Produktion musste das Bühnenbild von Istvá Rózsa auf alle Bühnen passen, die nicht die Standards einer Theaterbühne erfüllen. In der Mitte steht das drehbare Treppenhaus des Schlosses, ein Vorhang mit den gemalten Umrissen des Dorfes hängt im Hintergrund, während der Wald auf beweglichen Seitenvorhängen dargestellt ist.

Das Musical lebt natürlich von den bekannten Filmliedern, wie „Belle“, „Gaston“, mit einer originellen Choreografie mit Bänken und einem Tisch von Éva Duda, „Sei hier Gast“, wo die fantasievollen Kostüme von Erzsébet Tùri speziell hervorstechen, und dem wunderschönen romantischen „Die Schöne und das Biest“. Von den neuen Songs gefallen „Wie kann ich sie lieben?“ vom Biest gesungen und das neu integrierte Lied „Wandel“ von Belle am besten. Außerdem wird die Musik live von einem Orchester unter der Leitung von Làszló Maklár gespielt.

Kitti Jenes hat eine sehr angenehme Stimme und singt im Gegensatz zu einigen ihrer ungarischen Kollegen akzentfrei. Sándor Barkóczi muss stets unzufrieden agieren, ändert aber im Verlauf der aufkommenden Liebe Belle gegenüber sein Benehmen und seine Stimme, die beim Lied „Wie kann ich sie lieben?“ überzeugend hoffnungsvoll klingt. Bemerkenswert sind Lilla Polyák, die den Titelsong mit viel Gefühl singt, und Lumière mit seiner lustigen Art. Attila Németh wirkt mit seiner komischen Frisur etwas überspitzt, kann aber gesanglich gefallen. Somit ist diese Produktion von „Die Schöne und das Biest“ geglückt und daher sehenswert.


Weitere Informationen und Tickets

unter www.rockhal.lu.