LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Fabio Secci, Generaldirektor der CMCM, über die künftige Positionierung der Mutualitätskasse

Seit Mitte Februar ist Fabio Secci Generaldirektor der „Caisse Médico-Chirurgicale Mutualiste“, der 267.000 abgedeckte Personen zählenden, einzigen Mutualitätskasse für Gesundheitsleistungen.

Die CMCM deckt gegen einen vergleichsweise geringen Mitgliedsbeitrag eine Reihe von Leistungen ab, welche die herkömmliche Gesundheitskasse nicht ganz übernimmt. Seit einigen Jahren schwindet allerdings die Mitgliederbasis. Wir haben uns mit Secci unter anderem darüber unterhalten, wie er gegensteuern möchte.

Herr Secci, Ihr Vorgänger André Even trug den Titel „gérant“ der CMCM, sie sind „directeur général“. Weshalb diese Änderung?

Fabio Secci Unser Vorstand hat festgestellt, dass die Befugnisse der Geschäftsleitung des Unternehmens CMCM, das mittlerweile rund 90 Millionen Euro im Jahr umsetzt, angepasst werden mussten und der Geschäftsführer im Tagesgeschäft eine Reihe von Entscheidungen selbst muss treffen können.

Bislang musste er jedwede Entscheidung von einem Vorstandsmitglied beglaubigen lassen. Das verlangsamte das Tagesgeschäft unnötig. Heute müssen wir schneller und professioneller agieren können.

Seit einigen Jahren sind die Mitgliederzahlen bei der CMCM rückläufig. Der Altersdurchschnitt der Versicherten steigt, was darauf schließen lässt, dass weniger junge Familien zur CMCM stoßen. Wie möchten Sie gegensteuern?

Secci Zum einen durch Kommunikation. Die CMCM hat sehr viel anzubieten zu einem sehr wettbewerbsfähigen Beitrag, durch den eine Reihe von Zusatzleistungen für die ganze Familie abgedeckt sind. Neben der Basisversicherung, in der zum Beispiel bereits Krankheiten und Unfälle bis zu 80.000 Euro pro Person und Zwischenfall abgedeckt sind, sowie die Zusatzkosten in Luxemburg für die 1. Klasse im Krankenhaus, wenn man eine schwere Krankheit oder eine schwere Operation hatte, gibt es mit Prestaplus ein Modell für die Erstattung der Kosten des Krankenhausaufenthalts in 1. Klasse wenn man keine schwere Krankheit oder Operation hat und mit Denta & Optiplus solide Zusatzleistungen im Zahn- und Optikbereich. Nirgends gibt es ein vergleichbares Angebot. Die Zeit in der wir zurückhaltend waren, ist vorbei.

Sie sprechen von Wettbewerbsfähigkeit. Die CMCM ist eine Mutualitätskasse ohne Gewinnzweck. Kann sie sich mit den privaten Zusatzversicherungen messen?

Secci Durchaus. In dem Segment, wo wir tätig sind. Natürlich aber bieten private Zusatzversicherungen andere Leistungen an, sie sind deshalb aber auch um einiges teurer. Sie müssen ja auch Gewinn erwirtschaften für ihre Aktionäre. Das ist bei der CMCM nicht der Fall und ich sehe das als Wettbewerbsvorteil.

Aber wollen sie in diese höheren Segmente rein? Kann man sich vorstellen, dass es irgendwann eine Art Premium-Angebot bei der CMCM gibt?

Secci Das kann man sich durchaus vorstellen, ohne dass der Mutualitätsgedanke deshalb in Frage gestellt wird. Aber so weit sind wir noch nicht. Derzeit untersuchen wir konkreter, was wir in Sachen Präventivmedizin anbieten könnten.

Für mich ist das auch aus allgemein gesundheitspolitischen Gründen ein wichtiges Anliegen.

Denn je früher man eine Erkrankung erkennt, je früher kann man intervenieren. Das kann dem Betroffenen schwere Gebrechen vermeiden und die Belastung des Gesundheitssystems verringern.

Woran denken Sie konkret?

Secci Wir sind derzeit erst in der Analysephase, aber wir denken zum Beispiel an die Erstattung eines Besuchs beim Osteopathen. Wir werden hierzu gemeinsam mit Ärzten eine Arbeitsgruppe einsetzen, in der wir untersuchen, welche Abdeckung in der Präventivmedizin Sinn macht und dies dann unserem Vorstand zur Entscheidung vorlegen.

Macht es heute noch Sinn, von CMCM-Mitgliedern zu verlangen, dass sie auch Mitglied in einer Sterbekasse sind, die Beerdigungskosten abdeckt? Bremst das die Entwicklung der CMCM nicht?

Secci Lange war es so, dass die CMCM-Mitglieder zunächst Mitglieder in einer Sterbekasse waren. Heute gehen die meisten den umgekehrten Weg.

Es ist so, dass Mitglieder von Mutualitäten oft über die CMCM einsteigen. Es ist eine Realität, der diese Vereinigungen, die schließlich unsere Teilhaber sind, Rechnung tragen müssen. Sie müssen entscheiden, welche Befugnisse die CMCM hat. Sie müssen sich aber auch selbst fragen, wie sie ihre Zukunft sehen. Die Frage stellt sich akut, denn es wird ja derzeit an einer Reform des Mutualitätsgesetzes gearbeitet.