LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Guy Wagner, Chefökonom der Banque de Luxembourg Investments, gab seinen Ausblick auf die Entwicklung der Volkswirtschaft

Um steigende Zinsen muss sich auch längerfristig niemand sorgen. Davon zeigte sich Guy Wagner, Chefökonom der Banque de Luxembourg Investments, gegenüber der Presse bei der Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung überzeugt. Wagner informierte die Presse erstmals in den neuen Räumen am Boulevard Royal Nr. 16, den die wachsende „Banque de Luxembourg Investments“ bezogen hatte.

Das aktuelle Umfeld hälte er für geprägt von mäßigem Wachstum, das seit der Finanzkrise ohnehin unterdurchschnittlich seit. Laut dem Ökonomen liegt das an der Demographie mit wenig Nachwuchs, einer hohen Verschuldung, niedriger Produktivität sowie einer Globalisierung, die desinflationierend wirkt. Darüber hinaus sei das Kapital aufgrund der niedrigen Zinsen sehr ungleichmäßig, Blasen deuteten sich an. „Diese strukturellen Faktoren begrenzen das Wachstum weitaus mehr als konjukturelle Faktoren“, urteilte er. Alles deute weiter auf schwaches Wachstum und eine anhaltende Inflation hin. Eine mögliche Rezession erwartet er nicht sofort, aber in absehbarer Zeit. Insgesamt habe die Politik des lockeren Geldes der Zentralbanken in den vergangenen Jahren das Wirtschaftswachstum gestärkt. „In den USA läuft es gut, in der EU eher enttäuschend“, urteilte Wagner.

Der Volkswirt hielt fest, dass seit den 80er Jahren weltweit das Wachstum sinke. „Allein in den USA hält das Wachstum seit neun Jahren an. Normalerweise kommt dann ein Einbruch. Aber davon ist derzeit nichts zu merken“, stellte er fest. Darüber hinaus seit 2017 das erste Jahr gewesen, in dem sich keine Region weltweit in einer Rezession befunden habe. „2018 bleibt das so“, ist Wagner überzeugt. Er rechnet auch weiterhin mit einer niedrigen Inflation. „Die Inflation existiert im Finanzbereich, nicht im Warenkorb des Alltags“, erklärte er dazu. „Damit bleiben die Zinsen tief.“

Wagner sprach sich klar gegen das Quantitative Easing und die Politik der Negativzinsen der Europäischen Zentralbank aus. „Bislang hat diese Politik zu falschen Geldanlagen geführt, deren Folgen wir in der Zukunft sehen werden“, betonte er. Darüber hinaus habe die internationale Verschuldung einen Höchststand erreicht und steige weiter, weil das Wachstum schwach und der Zins niedrig seien. „Aber wenn der Zins zu schnell steigt, wird das abgewürgt“, ist Wagner überzeugt. So bliebe die Wirtschaft fragil, das Wachstum moderat und der Zins niedrig. Solide findet der Ökonom das jedoch nicht.