LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die Covid-19-Pandemie hat unser Gesundheitssystem ganz vorne ins Rampenlicht gestellt. Sie hat dessen Schwächen aufgezeigt - etwa Versorgungsschwierigkeiten, fehlende Kompetenzen oder den Umstand, dass ein Großteil der Gesundheitsprofis nun mal aus der Großregion kommt, was freilich zu ernsten Problemen führen kann, wenn die Schlagbäume wieder herunter sausen und Länder beschließen, alle Fachkräfte zuhause gegen eine akute sanitäre Bedrohung zu mobilisieren. Die Seuche hat aber auch offenbart, wie schnell Entscheidungen getroffen werden können, um ein ganzes System von heute auf Morgen auf Krisenmodus umzuschalten. Die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren wurde umgehend vertieft, man hat sich besser kennen gelernt und Synergien ausgemacht. Auch die Nutzung der digitalen Instrumente in der Medizin hat schnell einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. So hat der gegenwärtige Stresstest, der leider längst nicht vorbei zu sein scheint, auch sein Gutes. Sicher kommen die Erfahrungen aus der rasanten Kampfaufstellung gegen Corona auch den Diskussionen am „Gesondheetsdësch“ zugute, die diese Woche wieder aufgenommen wurden.

Eigentlich hätte diese breit angelegte Konsultierung über Lösungen für die derzeitigen und künftigen Herausforderungen an das Gesundheitssystem, die am Valentinstag gestartet wurde, bereits vor der Sommerpause zwischenbilanzieren sollen, mit konkreten Empfehlungen für einen neuen nationalen Gesundheitsplan. Aber dann kam Covid-19. Nun sollen die Arbeitsgruppen bis Jahresende liefern. Und zwar Strategien gegen Personalengpässe, für eine bessere Ergänzung zwischen Kliniken und außerklinischen Gesundheitsdienstleistern, für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Dienstleistern und Patienten, für die Förderung der präventiven Medizin, die Anwendung der neuen Technologien und - „last, but not least“ - die nachhaltige finanzielle Absicherung eines Systems, das nicht außerhalb von konjunkturellen Schwankungen steht und schwankt, wenn das Gleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Beitragsempfängern aus dem Lot gerät.

Dass die langfristige Absicherung des Gesundheitssystems eine Reihe beherzter politischer Entscheidungen benötigt, ist klar. Gilles Evrard, der  Vorsitzende der „Association des Enseignants pour professions de Santé“, brachte es gestern im „Wort“ im Kontext der Krankenpflegerausbildung, für die schon lange ein „Bachelor“ gefordert wird, so auf den Punkt: „Die Politik hat Angst davor, den Bürgern zu sagen, dass die Beiträge erhöht werden müssen“. Allerdings habe „ein gutes Gesundheitssystem seinen Preis“. Und weil es hier um Akzeptanz auch für vielleicht zusätzliche Belastungen und um Verständnis der Funktionsweise, Zwänge, Möglichkeiten und Grenzen des Gesundheitssystems geht, müsste der „Gesondheetsdësch“ eigentlich weiter in die Gesellschaft hinein getragen werden.

Das würde sicher auch das Verständnis für die Gesundheitsberufe schärfen, die sicher zu den schwierigsten zählen, braucht es doch extrem viel Engagement um es auszuhalten, neben der physischen Belastung manchmal rund um die Uhr mit Schmerz, Verzweiflung und Tod konfrontiert zu sein. Während der akuten Phase der Pandemie gab es sogar öffentliche Applausabende für die Gesundheitsberufler an der Covid-19-Front, deren Aufgaben manche da erst zu entdecken schienen. Es ist auch die gesellschaftliche Anerkennung, die das Engagement für Berufe anfeuert, die nun durch eine Werbekampagne attraktiver gemacht werden sollen.