LUXEMBURG
ANDRÉ BAULER

79 der 105 Gemeinden in Luxemburg werden als ländlich eingestuft. Sie stellen 82 Prozent des nationalen Territoriums und sind die Heimat von etwas mehr als 35 Prozent der Bürger. Der DP-Abgeordnete André Bauler stammt aus dem sehr ländlich geprägten Norden des Landes und macht sich seit geraumer Zeit viele Gedanken über die Zukunft des ländlichen Raums. Hier seine Überlegungen.
„Um den Pendelverkehr abzuschwächen muss die Schaffung zukunftsweisender Arbeitsplätze auf dem Land Ziel einer ausgewogenen Landesplanung sein. Interkommunale Syndikate, aber auch private Investoren haben in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass im ländlichen Raum neue Arbeitsplätze entstehen konnten. Auch der Staat steht in der Verantwortung, etwa bei der schulischen Dezentralisierung.
Ländliche Gegenden sollen wirtschaftlich attraktiv bleiben; zum Beispiel für handwerkliche Betriebe oder Startups im digitalen Bereich, die wenig Raum beanspruchen, jedoch einen hohen Mehrwert pro Arbeitskraft schaffen.
Wussten Sie schon, dass ein Unternehmen für exquisite Brillengestelle, das seine Produkte bis nach Hollywood verkauft, im Clerfer Kanton angesiedelt ist? Oder dass sich demnächst ein Geigenbauer in der Nordspitze des Landes etablieren soll, der seine Fabrikate weltweit anbietet?
Diese Firmen zeigen, dass man nicht unbedingt in (der Nähe) der Hauptstadt angesiedelt sein muss, um zu einer international agierenden Firma aufzusteigen.

Wechselwirkungen und Ergänzungen

Im ländlichen Raum müssen sich soziale und kulturelle Dienste, wirtschaftliche Initiativen sowie Naturschutz gegenseitig ergänzen. In regionalen Versorgungszentren sollen Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften unter einen Hut gebracht werden. Der Bau einer Sekundarschule in Clerf, die zu einem digitalen ‚Future-Hub‘ entwickelt wird, ist diesbezüglich ein Projekt mit wegweisendem Charakter. 
Manche Fragen bleiben jedoch zu klären. Zum Beispiel die Frage der Verbesserung der medizinischen Basisversorgung – denken wir an einen schnell einsatzfähigen Notdienst, an die Betreuung kranker Menschen in den Abendstunden und an Wochenenden oder an die langfristige Absicherung des Klinikzentrums in Wiltz.
Damit der ländliche Raum den Anschluss an die Zukunft nicht verpasst, braucht es auch das schnelle Internet, also die flächendeckende Breitbandversorgung in den Landgemeinden. Besonders Startups, Datazentren und Freischaffende sind darauf angewiesen (Stichwort ‚Fernarbeit‘). Keinesfalls darf es zu einer ‚digitalen Spaltung‘ kommen, bei der die Landkommunen den Anschluss an die technologische Zukunft verpassen.
In Sachen Infrastrukturen steht der Staat also in der Pflicht. Nicht nur in der Telekommunikation und im klassischen Straßenbau, sondern auch was die Optimierung der Fahrpläne beim öffentlichen Transport und die Qualität des eingesetzten Materials anbelangt.
Die dezentrale Konzentration sowie die Digitalisierung sind wichtige Voraussetzungen für mehr Arbeitsplätze auf dem Land, für weniger Pendelverkehr und ein besseres ökonomisches Verhältnis zwischen Stadt und Land.
Wollen wir eine harmonische Entwicklung des ländlichen Raums erzielen, müssen wir uns dieser Aufgabe stellen. Stichwörter wie Digitalisierung, gesundheitliche Grundversorgung, flexible Mobilitätsangebote sowie Anreize für innovative Unternehmen sollten in diesem Kontext als Richtlinie dienen.“