LUXEMBURG
SVEN WOHL

Filmkritik: „Avengers: Age of Ultron“

Die Flut der Superheldenfilme scheint kein Ende zu nehmen. Der Kalender für jedes Jahr bis 2020 ist ziemlich gut gefüllt. Einer der Gründe dafür ist der ursprüngliche „The Avengers“-Film, der das Kunststück vollbrachte, die vielen Stränge und Verknüpfungen des Vorbild-Mediums, des Comics, im Filmuniversum umzusetzen. Alleine die Tatsache, dass dies gelang, sollte als Beweis dafür gelten, dass es dem Genre noch lange gut gehen wird. Die Erwartungen für den Nachfolger, „Avengers: Age of Ultron“ waren dementsprechend hoch, vor allem weil „Thor 2“, „Captain America 2“, „Iron Man 3“ und „Guardians of the Galaxy“ eine teils überraschend hohe Qualität erreichten.

Skynet 2.0

Der Film lässt zu Beginn nichts anbrennen: In einer Schlacht versuchen die Avengers, die letzte Bastion der Hydra-Gruppierung zu zerschlagen, um dort ein altes Artefakt wiederzuerlangen, das im ersten Film eine wichtige Rolle spielte. Später erkennen Tony Stark und Bruce Banner, dass es sich dabei um eine komplexere Art von Computer handelt, der sich eventuell so ausnutzen lässt, dass man eine künstliche Intelligenz entwickeln kann, welche den Frieden auf Erden ermöglichen könnte. Natürlich läuft schief, was schief laufen kann und die neue künstliche Intelligenz mit dem schmucken Namen Ultron entschließt sich dazu, die Avengers und natürlich die Menschheit auszulöschen. Womit auch für Frieden gesorgt wäre. Dieser Dreh im Plot ist natürlich so alt wie die Geschichte der Science Fiction, doch es ist nicht der eigentliche Plot, der hier von Interesse ist, sondern die Figuren. Joss Whedon hatte bereits beim ersten Avengers verstanden, dass die ikonischen Figuren und deren Zwischenspiel die Hauptlast des Filmes stemmen Dass den Figuren auch die Gelegenheit gegeben wird, etwas mehr Tiefe zu entwickeln, was vor allem bei Hawkeye und Black Widow willkommen ist, ist auch positiv zu bewerten. Es zeigt, dass man ein bemerkenswertes Fingerspitzengefühl dafür hat, worum es in den Filmen unter dem Strich geht, denn schnörkellose Action bekommt man woanders auch geboten. Das bedeutet natürlich nicht, dass an den Actionszenen etwas auszusetzen wäre. Sie sind in ihren Dimensionen noch weiter gewachsen, als das in den vorigen Filmen der Fall war, und das vorhandene Tempo lässt einen keine Sekunde zum Rasten. Doch das ist ein Gefühl, das man oft beim Film hat: Er ist randvoll gepackt und nimmt sich zu selten eine kleine Auszeit.

Flacher Bösewicht

Das vielleicht größte Problem des Filmes ist der Bösewicht. Auch wenn James Spader sich jede Mühe gibt, den Roboter Ultron interessant zu machen, so scheitert er doch an der Motivation seiner Figur, die eigentlich nur wenig Sinn macht, weil sie zu sehr ein Klischee darstellt. Er besitzt auch keine Verknüpfung zu einer der Figuren, wie etwa Loki im ersten Avengers-Film, was keinerlei persönliche Dynamik hochkommen lässt. Das färbt leider auch auf die neuen Helden, Quicksilver und Scarlet Witch ab, die am Ende des Films genauso gesichtslos sind, wie sie es am Anfang sind. Die Tragweite des eigentlichen Plots kann ebenfalls hinterfragt werden, wird ständig darauf verwiesen, dass eine größere Gefahr irgendwo in der Zukunft auf die Avengers lauert. Deshalb wirkt „Age of Ultron“ phasenweise wie eine Zwischenstufe zum doppelten Finale der Avengers-Trilogie. Trotz dieser Schwächen ist der Film gelungene Unterhaltung, der die bekannte Qualität des Marvel-Universums weiterhin aufrechterhält.