DIEKIRCH

Vom belächelten Palmesel zum thronenden „Wetteresel“

Im Zug der Renovierungsarbeiten der Laurentiuskirche aus dem 7. Jahrhundert wurde der traditionelle Wetterhahn auf der Spitze des Turmes durch einen „Wetteresel“ ersetzt, welcher nicht nur die Windrichtung anzeigt sondern auch von oben das Treiben in der Sauerstadt überwacht. Zusätzlich grüßen seit vergangener Woche am Eingang zum Stadtpark zwei Eselstandbilder in voller Größe die Besucher. Der Esel ist nämlich die Symbolfigur von Diekirch. Es gab allerdings eine Zeit, zu der diese Verbindung als Beleidigung angesehen wurde. Unter dem Impuls vom früheren Direktor des LCD, Ben Molitor, ist man sich seit den 1960er Jahren bewusst geworden, dass das Grautier, trotz störrischer Neigungen, doch arbeitswillig, genügsam und gemütlich ist. „Ce qui, à une certaine époque, fut considéré comme une sorte d’injure, est aujourd’hui presqu’un titre de gloire“, so Molitor im Buch „Diekirch, conté par Ben Molitor“. Die Diekircher sehen heute in dieser Verbindung eher eine Ehrenauszeichnung, an der sie festhalten wollen. Der lokale Karnevalverein hegt und pflegt eine ganze Eselfamilie im Naturpark am Ortseingang. Die beiden Eselsbrunnen in der Altstadt sind zu beliebten Fotomotiven geworden.

Palmesel wurde zum Gespött der Bürger

Über den Ursprung des Rufes von Diekirch als Stadt der Esel gibt es verschiedene Hintergründe. Die gängige Version, dass die Bürger der Sauerstadt sich Mitte des 19. Jahrhunderts gegen die Pläne wehrten, die Stadt zum Eisenbahnzentrum der Zugstrecke zwischen der Hauptstadt und Ulflingen zu machen, und darob als störrische Esel bezeichnet wurden, hält einer genaueren Analyse nicht stand. Bereits viel früher gab es Geschichten über die Diekircher Esel, welche von Historikern behandelt wurden. 1624 wurde die Pfarrei Diekirch vom Bistum Trier betreut. In einem Bericht des Bistums über eine Visitation der Bistumsvertreter steht u.a. „Am interessantesten ist aber die Schlussverordnung, die uns so recht die Tendenz der Trierer Kurie zeigt, alles religiöse Volksbrauchtum abzuschaffen. Man solle in Diekirch die Statue Christi auf dem Esel mit Holz zudecken, um nicht zum Gespött zu werden“. Hier in Diekirch hatten wir das einzige Beispiel hierzulande vom Brauch eines Palmesels, auf welchem sich eine Figur des Heilands befand, den man am Palmsonntag in der feierlichen Prozession mit sich führte. Emile Donkel und Jean Claude Muller haben unabhängig voneinander über diese Visitation berichtet.

Esel bewirtschafteten den Herrenberg

Am bodenständigsten erscheint der Erklärungsversuch, dass die Bauern früher auf die Esel angewiesen waren, um ihre Flächen am steilen Herrenberg zu bewirtschaften. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier u.a. Reben angebaut. Da kein Fahrweg am Hange angelegt war, welcher die Auf- und Abfahrt mit Pferdekarren erlaubt hätte, mussten die Ernten auf dem Rücken von Eseln transportiert werden. Während Jean-Claude Müller die Theorie vom Palmesel als Beweis für die Diekircher Eselsfrage nimmt so sieht die Vereinigung „Al Dikkrich“ eher im Einsatz der vielen Esel beim Bewirtschaften der steilen Hänge den Ursprung für die Symbolfigur. So wurde 2008, anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Vereinigung, in der Fußgängerzone das Standbild eines Dukatenesels auf einem Brunnen eingeweiht. Vielsagend ist die Begleitschrift, die da heißt: „l’âne à ducats, érigé en l’honneur de l’âne diekirchois qui a contribué jadis à la prospérité de sa ville“LJ