LUXEMBURG
SANDRA LATINIK

In einem kleinen Land mit im Vergleich wenigen denkmalgeschützten Gebäuden wird der Schutz historischer Bausubstanz umso wichtiger. Vor allem dann, wenn wie in den vergangenen Jahren viel, wenn nicht ein Großteil des historischen Bauerbes verschwunden ist. Mit der Petition 1638 fordert ein Zusammenschluss von Bürgern die Regierung dazu auf, dringend zu handeln.

„Mit dieser Petition wollen wir erreichen, dass Luxemburgs Bauerbe besser geschützt wird. Bedingt durch den Mangel an verfügbarem Bauland und dem Druck auf die Immobilienpreise wurden in den vergangenen Jahren viele alte Gebäude, darunter auch solche, die ohne Zweifel als architektonisch oder historisch wertvoll gelten, abgerissen. Der Denkmalschutz hinkt hoffnungslos hinterher. Daher fordern wir, dass die derzeit geltenden Prinzipien umgekehrt werden:  alle Gebäude, die vor 1955 errichtet wurden, sollten geschützt und nur in begründeten Ausnahmefällen abgerissen werden dürfen. Eine Prüfung sollte auf Grundlage von objektiven und transparenten Kriterien erfolgen, im Einklang mit internationalen Standards des Denkmalschutzes.

Man muss wissen, dass in Luxemburg im Vergleich mit anderen Ländern nur nur noch wenige alte Gebäude erhalten sind. Wie kann es sein, dass schützenswerte und unter Schutz gestellte Gebäude dennoch verfallen oder abgerissen werden? Als engagierte Bürger stellen wir fest, dass die Gemeinden sehr viel Macht haben: Sie sind es, die letztlich die Bau-und Abrissgenehmigungen erteilen. Wir haben jetzt die Situation, in der der Bürgermeister, der kein Denkmalpfleger ist, entscheidet, was geschützt und was abgerissen werden kann.  Wir brauchen Experten, um jeden Fall zu beurteilen.

Häufig sind es aber auch die Eigentümer selbst, die andere Pläne als den Erhalt und die Restaurierung von architektonisch oder historisch wertvollen Gebäuden verfolgen. So etwa im Fall der Villa Marx, wo der Eigentümer die Justiz einschaltete und sich so über den Schutzstatus hinwegsetzen konnte.  Das Gebäude soll jetzt abgerissen werden. An seiner Statt wird ein Wohnblock errichtet.

Die Regierung muss hier etwas unternehmen. Das Land hat sich sicherlich sehr stark entwickelt, um attraktiv für Bevölkerung wie Zugezogene zu sein. Doch gleichzeitig muss man auch historische Bauten schützen. Wir sind der Ansicht, dass der „Service des Sites et Monuments“ in enger Abstimmung mit dem Kulturministerium die Instanz sein müsse, die festlegt, was als schützenswert gilt und erhalten bleiben soll. Das müsste dann aber auch eingehalten werden.

Unsere weitere Forderungen lauten, historische Bauwerke in ihrer Gesamtheit zu betrachten, statt wie häufig zu sehen nur die Fassade beziehungsweise die Außenmauern stehen zu lassen. Der Staat muss außerdem eine Vorbildrolle einnehmen und denkmalgeschützte Gebäude in Staatsbesitz in ihrer Gesamtheit erhalten und, wo möglich, der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Staat müsste außerdem eingreifen, wenn der Eigentümer die Auflage zum Erhalt eines Hauses nicht einhält. Jeder, der ein denkmalgeschütztes Gebäude absichtlich beschädigt, zerstört oder verfallen lässt, sollte bestraft werden.“

Weitere Informationen unter petition1638.org.
Link zur Petition: tinyurl.com/Petition1638