LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Coronavirus: Es bleibt bei acht Toten - Zahl der bestätigten Fälle steigt auf 1.333

Acht Tote und 1.333 Infizierte, das sind die neuesten Zahlen in der Corona-Krise, die gestern Nachmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Staatsminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert im Anschluss an eine Sitzung des Regierungsrats mitgeteilt wurden. Einen weiteren Toten gab es also auch gestern nicht zu vermelden, so dass es vorerst bei acht Corona-bedingten Todesfällen in Luxemburg bleibt. Die Zahl der bestätigten Infektionen ist indes weiter angestiegen und liegt inzwischen (Stand gestern Nachmittag) bei 1.333 - 234 mehr als am Vortag.

„Die Lage bleibt weiterhin sehr ernst“

Der Premierminister erinnerte eingangs der Videopressekonferenz daran, dass die Lage in der Corona-Krise weiterhin „sehr ernst“ bleibe, und immer mehr Leute hospitalisiert würden. Deshalb auch sein erneuter Aufruf zur Solidarität und zum gesunden Menschenverstand, könne doch jeder Träger des Virus sein und gehe es doch immer noch darum, das Verbreiten des Virus so lange wie möglich zu verhindern und die Kurve flach zu halten.

Sollten die Regeln - nach Möglichkeit zu Hause bleiben und Abstand halten - aber nicht eingehalten werden, so könne er nicht ausschließen, dass die Schutzmaßnahmen in Zukunft noch weiter verschärft würden.

So führe die Polizei tagtäglich bis zu 200 Kontrollen durch, und verhänge rund 40 Bußgelder pro Tag (zur Erinnerung: 145 Euro bei Privatpersonen; 4.000 Euro bei Geschäften, Restaurants und Cafés, die im Wiederholungsfall verdoppelt werden). Auch seien bereits zehn Betriebe protokolliert worden, so zum Beispiel ein Café, das zwar drinnen geschlossen hatte, dafür aber seine Terrasse geöffnet hatte, was unverantwortlich sei.

Rund 15.000 Betriebe von Kurzarbeit betroffen

Im Regierungsrat gutgeheißen wurden gestern indes Hilfen und Garantien in Höhe von insgesamt rund neun Milliarden Euro, was eine „enorme Summe“ sei, aber das sei „nötig, notwendig, angebracht und gerechtfertigt“, wie Bettel sich ausrückte. Diese Krise zu überwinden koste, was es koste, aber Luxemburg habe eine starke Wirtschaft und gesunde Staatsfinanzen.

Von der Kurzarbeit betroffen sind nicht weniger als 15.000 Betriebe mit 100.000 Mitarbeitern, wobei die Regierung hier schnell und unbürokratisch vorgehe. Allein hierfür würden pro Monat rund 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Was nun den Urlaub aus familiären Gründen anbelange, so seien hier bislang 20.000 Anfragen eingereicht worden - hier seien rund 200 Millionen Euro monatlich eingeplant.

Der Staat gehe hier „maximal“ vor, so Xavier Bettel, der daran erinnerte, dass es hier um Menschenleben könne und die Gesundheit Bürger absolute Priorität habe. Der Regierungschef dankte dann auch allen Leuten, die helfen würden, diese Krise zu meistern.

143 Personen werden im Krankenhaus behandelt

Gesundheitsministerin Paulette Lenert ging ihrerseits noch einmal auf die aktuellen Zahlen ein. Dass kein neuer Todesfall zu verzeichnen sei, nahm die Ministerin mit Erleichterung auf, derweil die hohe Zahl an bestätigten Infektionen nicht zuletzt auch dahingehend zu erklären sei, dass Luxemburg im Vergleich zu anderen Ländern viele Tests durchführe und hierzulande auch Verdachtsfälle, die vom Befund her auf Corona deuten würden, aber kein klares Testergebnis hätten, zu den positiven Fällen gezählt würden.

143 Personen würden momentan wegen Corona im Krankenhaus behandelt, von denen 21 auf der Intensivstation liegen würden, darunter auch die sechs bislang aus dem französischen Mulhouse eingeflogenen Fälle.

Die „Centre de soins avancés“ würden ihrerseits inzwischen gut funktionieren. So habe das Versorgungszentrum in der LuxExpo bereits am ersten Tag mehr als 100 Patienten gezählt, derweil am ersten Tag 25 Leute zur Untersuchung in die Rockhal nach Esch gekommen seien. Das Zentrum in der Ettelbrücker Deichhalle wurde indes gestern eröffnet, und dasjenige im Kulturzentrum in Grevenmacher soll am morgigen Freitag zugänglich sein. Insgesamt seien hier 75 Leute im Einsatz, und dies alles auf freiwilliger Basis, was gut funktioniere.

Weitere Details zu den regionalen Aufnahmestellen sollen heute im Rahmen einer weiteren Pressekonferenz zu erfahren sein, auf der auch Einzelheiten zur medizinischen Telekonsultation präsentiert werden sollen.

„GovJobs.lu“- Appell ein Riesenerfolg

Von einem Riesenerfolg sprach Lenert im Zusammenhang mit der Plattform „GovJobs.lu“, auf der sich bislang schon über 10.000 Personen aus dem Gesundheits- und Pflegesektor sowie Freiwillige eingeschrieben hätten. Solcherart könne sich die Regierung ein Bild machen, auf wen sie gegebenenfalls, das heißt in einer akuten Phase zurückgreifen könne. Die Aktivitäten in den Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen seien aktuell ja auf die dringenden Fälle heruntergeschraubt, befinde sich doch der ganze Gesundheitssektor momentan im Krisenmodus.

Was nun die Tests anbelangt, so sollen diese im Moment weiterhin nur an Personen durchgeführt werden, die auch Symptome aufzeigen. Präventive Tests würden nichts bringen. Bislang seien aber bereits rund 10.000 Leute getestet worden, was im Vergleich zur Einwohnerzahl Luxemburgs viel mehr als im Ausland sei.

In Bezug auf das Schutzmaterial gab die Gesundheitsministerin an, dass man noch immer viele Bestellungen am Laufen habe, die ganz großen Bestellungen aber noch immer nicht angekommen seien - auch nicht das Material aus China, das bislang nur zu einem Teil angekommen sei. Sie sei aber erst zufrieden, wenn alles da sei und alles funktioniere.

Man verfüge aber inzwischen auch über vier Scanner in den jeweiligen Spitälern, mit denen man das Lungenbild auf Corona untersuchen könne. Auch mache Luxemburg zusammen mit sechs anderen Ländern bei der klinischem Studie „Discovery“ mit, bei der es um vier Medikamente gehe, die gegen Corona eingesetzt werden könnten.

Zum Schluss der Pressekonferenz machte Xavier Bettel dann noch einmal einen Aufruf an die Vernunft eines jeden Einzelnen: „Mir dierfen hei net Epicier spillen, et geet ëm Menschenliewen“. Sollte deshalb ein Punkt aus dem Koalitionsabkommen möglicherweise nicht umgesetzt werden können, so übernehme er die Verantwortung...