LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Boulevardzeitungschef muss sich wieder vor Gericht verantworten

Am Donnerstag stand der Verantwortliche der Boulevardzeitung „LuxPrivat“, Jean N., wegen Verleumdung vor Gericht. Die Geschichte nimmt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete, ihren Anfang im Jahr 2013, als ein Mitarbeiter sich in die Pflicht nehmen ließ, eine Reportage für die Zeitung zu verfassen. Dafür benutzte der Mann auch einen Fotoapparat des Auftraggebers.

Kamerakauf mit Klauseln

Da er die Kamera behalten wollte, unterschrieb der Reporter einen Kaufvertrag, in dem er sich verpflichtet hatte, die Kamera zu günstigen Monatsraten abzuzahlen. Allerdings mit der Klausel, dass bei Nichtbezahlung der Raten die Kamera der Zeitung zurückzugeben sei. Als der Reporter dann entlassen wurde, verschwand der Mann mit der Kamera und zahlte auch die Raten nicht mehr.

Da die Person nicht mehr aufzufinden war, wurde die zuständige Behörde darüber in Kenntnis gesetzt. Ein Gerichtsvollzieher wurde losgeschickt.

Doch der Mann blieb wie vom Erdboden verschluckt. Das habe N. genervt, dass er sich über den Mann in der Redaktion beschwerte. Die Wogen schlugen hoch, es kamen immer mehr Vorwürfe dazu.

Um den ehemaligen Mitarbeiter ausfindig zu machen, veröffentlichte das Blatt einen Artikel über den Mann, der in der Ausgabe vom 20./26.09.2013 erschien. Eine Frau aus Perl (Deutschland) hatte den Artikel gelesen und den gesuchten Mann als ihren Nachbarn identifiziert.

Im Artikel geht es laut Staatsanwaltschaft um „diffamatorische Beschuldigungen“, die den Verlag und ihren Chef N. schließlich wegen Verleumdung vor Gericht brachten. Im Artikel steht unter anderem, dass die Gerichtsvollzieher ihn suchen, aber nicht habe finden können, dass sein beschlagnahmtes Mobiliar die Mühe nicht wert sei, versteigert zu werden, dass er sich vor seinen Schuldnern verstecke und auf seinem Facebook-Account als „Paparazzo“ durch die digitale Welt geistere. Der 33-jährige Kläger, Zacharias E., fühlte sich von N. und seinem Blatt belästigt und behauptete, er sei unter Druck gesetzt worden. Er beantragte einen moralischen Schadenersatz von 25.000 Euro.

Verteidiger beantragt Freispruch

„Der Artikel entspricht der Realität. Trotzdem ist N. nicht der Autor. Den Artikel hat er nicht geschrieben“, sagte der Verteidiger und plädierte auf Freispruch, da ein anderer Journalist am Donnerstagmorgen unter Eid ausgesagt hat, er sei der Verfasser des Artikels.

Die Staatsanwaltschaft wirft N. vor, das Blatt zu einem Werkzeug der Verleumdung gemacht zu haben.

Für die Staatsanwaltschaft wurde im Artikel etwas zusammengereimt, was nur dazu diene, jemanden in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. Weil es keine präzise Identifikation des Autors gibt, wurde auch das Blatt mit angeklagt.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Sie plädierte auf schuldig, weil N. Co-Autor des Artikels sein soll.

Laut Staatsanwaltschaft soll N. und das Blatt zu einer Geldstrafe verurteilt werden.

Das Urteil ist für den 22. Mai vorgesehen.