LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

„DigiRallye“ macht Kinder spielerisch fitter für Internet und neue Technologien

Ich denke, ich schaue mir Fotos jetzt bewusster an“, sagt der elfjährige Alex, nach einem Rätselspiel, unter anderem auch vor eines „Green Screen“. „Ich wusste vorher nicht, wie Photoshop funktioniert und habe es auch noch nie benutzt.“ Mithilfe eines Angebots des „Casino Luxembourg“ haben Alex und die anderen Kinder aus seinem „Maison Relais“ sehen können, wie Fotos mit dem Bildbearbeitungsprogramm geschönt werden können, aber auch wie Animationsfilme entstehen: Schauspieler wie etwa aus dem Film „Alice im Wunderland“ tragen vor dem „Green Screen“ keine besonderen Kostüme. Die bunten Verkleidungen und fantastischen Figuren entstehen nachträglich am Computer und werden später bei der Postproduktion des Filmes auf Aufnahmen der realen Schauspieler übertragen. Mittels eines „Green Screen“ können sich die Kinder selbst auf einem Foto in eine ganz andere Umgebung versetzen.

„Die Kinder lernen hier auch, dass ein Foto, das sie machen, ihnen gehört und dass sie ein Copyright darauf haben“, erklärt Sandra Schwender, Leiterin der Kunstvermittlung des „Casino Luxembourg“. Zudem wird ihnen auch vermittelt, dass sie auf ihren Fotos abgebildete Menschen um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie das Foto benutzen wollen.

Mehr als hundert Kinder auf Entdeckungsreise

Aber nicht nur über Fotorechte und Filmtechnik gab es gestern im Forum Geesseknäppchen in der Hauptstadt für Kinder einige Neuigkeiten zu erfahren. An die hundert Kinder aus „Maisons Relais“ aus dem ganzen Land haben dort gestern an der „DigiRallye“ teilgenommen. An zehn Stationen gab es unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen.

Polizei, Hackerspace, Post, Kanner-Jugendtelefon, „Spuerkeess“, „Casino Luxembourg“, „Centre pour l‘égalité de Traitement“, Base 1 Makerspace, Graffiti Radio und „Service National de la Jeunesse“ (SNJ), verschiedene Partner von „Bee Secure“, hatten sich kleine Projekte ausgedacht. „Bee Creative“ ist eine Initiative der luxemburgischen Regierung, um junge Leute besser und gezielter auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Die Initiative wird von SNJ und „Service de Coordination de la recherche et de l’Innovation pédagogiques et technologiques“ (SCRIPT) gemeinsam koordiniert.

An jeder Station der „DigiRallye“ ging es darum, das Wissen der Kinder in den Bereichen sicheres Internet und neue Technologien zu testen und zu erweitern. Ziemlich konzentriert und fasziniert waren die Kinder dabei, als es an der Station des Projektes Base 1 Makerspace von „Bee Creative“ hieß, einfache Dinge selbst zu programmieren. Den eigenen Namen, ein Herz oder einen Stern zum Beispiel.

Gearbeitet wird mit dem Mikrokontroller-Entwicklungsboard „Kniwwelino“, die Programmierung passiert dann mit einem visuellen Programmiertool im Browser. Der kleine Mikrokontroller mit LED Matrix und Tastern zur Eingabe kann als Armbanduhr getragen und über Kabel oder Wifi mit dem Internet verbunden werden. „Das kommt sehr gut an“, sagt Cathy Zimmer, die Leiterin des Base 1 Makerspace. „Bei jungen Kindern muss man ganz am Anfang mit den Grundlagen beginnen, aber die Kinder verstehen das sehr schnell, weil es sie interessiert.“ Entwickelt wurde das „Kniwwelino“ erst im vergangenen Dezember vom „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST). Auch Jugendliche und Erwachsenen können damit Programmierschrift lernen oder darin besser werden.

Eigene Geheimbotschaften verfassen

„Tobias, wo gehen wir als nächstes hin?“, will der neunjährige Jonathan von Tobias Rummel wissen. Die Jungs und Mädchen um Jonathan haben ihre Aufgabe um eine verschlüsselte Botschaft schon bewältigt. Der Erzieher ist mit seiner Gruppe eben an der zweiten Station, von 10.00 und 16.00 werden sie im Forum Geesseknäppchen unterwegs sein. „Das kann anstrengend werden, aber wenn es so spannend bleibt, dann vergeht die Zeit schnell.“

Jonathan und seine Freunde haben ein langes Papierband auf einen Stab gerollt und eine Geheimbotschaft daraufgeschrieben, wird das Band abgerollt, ist der ausgedachte Satz in dem Buchstabenwirrwarr nicht mehr auszumachen. Was die Kinder hier spielerisch anwenden, ist eine Verschlüsselungsmethode der alten Griechen. „Vielleicht kann man es später doch lesen, weil ich noch ein Haus und einen Menschen dazugemalt habe“, vermutet Arthur. Bisher hatte er kein Bedürfnis, sich mit seinen Freunden aus Spaß verschlüsselte Botschaften zu schicken, aber nun könnte er sich vorstellen, das in der Freizeit glatt nochmal auszuprobieren. Sitznachbar Jonathan hat sich eine extralange Botschaft ausgedacht. „Die kann man nicht herausbekommen, sie ist ja schon so schwer zu lesen“, erklärt er. Das Team des Standes vom Hackerverein „syn2cat“ hat einen spielerischen Parcours vorbereitet, bei dem die Kinder verschiedene Verschlüsselungstechniken von der Antike, über die Freimaurer der Aufklärung bis heute verfolgen können. „Mit diesen Beispielen können Zehnjährige verstehen, wie eine Browserverschlüsselung funktioniert“, sagt Georges Kessler, Vorstandmitglied des Hackervereins „syn2cat“ aus Bonneweg.

Ob Verschlüsseln, Programmieren, Passwörterknacken oder mehr: Ziel der Veranstaltung war, dass die Kinder sich aktiv beteiligen, Rätsel lösen und Erfinder spielen. Der Spaß jedenfalls kam schon mal nicht zu kurz. Die „DigiRallye“ fand in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal statt.

Weitere Informationen unter www.bee-secure.lu und www.bee-creative.lu