LUXEMBURG
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Der Fondsverband ALFI hält seine Jahreshauptversammlung digital ab – Georges Bock von Governance.com regt eine Gesetzesänderung an

Der Fondsverband ALFI organisiert seine Jahreshauptversammlung wegen der Coronavirus-Krise erstmals digital. „Für die ALFI ist die Jahreshauptversammlung Teil unserer Identität, und wir sind stolz darauf, sie virtuell zu veranstalten und mit unseren Mitgliedern auf sichere Weise in Verbindung zu treten“, sagte ALFI-Generaldirektor Camille Thommes in einer Mitteilung. Die rund 1.500 Mitglieder des Verbandes erleben also den digitalen Wandel, der durch die COVID-19-Pandemie beschleunigt wird.

Dazu nutzt der Fondsverband eine Lösung von Governance.com. Georges Bock, Chefstratege von Governance.com, sieht die COVID-19-Pandemie als Treiber für einen Trend hin zu mehr digitalen Veranstaltungen. Dabei wäre es sinnvoll, wenn sich das Gesellschaftsrecht der neuen Realität anpassen würde, wie er in einem Interview darlegt.

Herr Bock, wieso hat die ALFI auf Ihre Plattform zurückgegriffen?

Georges Bock Es stand schnell fest, dass der digitale Wandel durch die Coronavirus-Krise vorangetrieben würde. Da haben wir mit unserer Lösung angesetzt. Wir hatten zuvor schon Erfolg mit unserer Plattform für digitale Boardmeetings. Daher wussten wir, dass das klappt und gut ankommt.

Sie sind Chefstratege eines Start-ups, das von der Krise sicher selbst getroffen wurde.

Bock Die Krise hatte bei uns zwei Effekte: Zum einen haben wir unsere Implementierungprojekte heruntergefahren und alle Demo-Meetings abgesagt. Zum zweiten haben wir uns neu positioniert. Die Verbindung von COVID-19 und der Digitalisierung hat uns inspiriert, unsere Lösung für Geschäftstreffen sowie für das Managen von Homeoffice auf den Markt zu bringen. Dabei sind wir auf eine Lücke gestoßen. Bislang war das Szenario, dass bei einem echten Problemfall eine Bank beispielsweise die Hälfte ihrer Mitarbeiter woanders unterbringen muss, wo diese weiterarbeiten können. Ein Szenario, das vorsah, dass 80 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, gab es bislang gar nicht. Daher haben wir eine Lösung für „remote working“ aufgebaut. Sie kann zum Beispiel die Hauptversammlung einer Körperschaft sicherstellen. Dazu haben wir eine spezielle digitale Plattform für Shareholder-Meetings aufgelegt. Diese nutzt nun die ALFI, aber auch andere große Organisationen haben bereits positive Erfahrungen damit gemacht. Daran können durchaus mehr als 2.000 Menschen „remote“ teilnehmen.

Bislang gab es doch vor allem Telefon- oder Visiokonferenzen. Wo liegt der Vorteil Ihrer Lösung?

Bock Das Problem ist die Nachvollziehbarkeit: Wer hat sich eingeloggt? Wer hat wie abgestimmt? Bei einer größeren Zahl von Teilnehmern geht das nicht mehr, da gibt es keinen Überblick. Diesen können wir mit unserer Lösung bieten. Sie ist auch gut, weil die physische Präsenz durch Länderregeln untergraben wird. Wenn ein Aktionär aus Deutschland nach Luxemburg kommen will, geht das möglicherweise gar nicht. Gut wäre eine rechtliche Grundlage.

Wie meinen Sie das?

Bock Ich würde mir wünschen, dass die Möglichkeit, solche Termine digital abzuhalten, dauerhaft im Gesellschaftsrecht verankert wird, als normale Lösung. Das macht Hauptversammlungen einfacher. Die EU will Projekte in diesem Sinne auch fördern. Es wäre nicht nur leichter im globalen Geschäft, sondern auch deutlich kostengünstiger. Noch dazu wäre der CO2-Footprint deutlich geringer, wenn nicht alle anreisen müssten. COVID-19 hat da etwas losgetreten, worüber wir nachdenken sollten.