STRASSENCORDELIA CHATON

Die Corona-Krise hat Netty Thines und ihr Unternehmen voll erwischt – sie reagierte kreativ

Im so genannten Eventbereich schlug die Coronakrise richtig zu. Netty Thines, die sowohl Field Marketing als auch Events und Kommunikation mit ihren beiden Unternehmen seit Jahren anbietet, bekam das zu spüren. Uns hat sie erzählt, wie ihre beiden Unternehmen mit insgesamt neun Mitarbeitern betroffen waren und welche Lösungen sie gefunden hat.

Frau Thines, was machen Sie und wie haben Sie den Ausbruch der Krise erlebt?

Netty Thines Wir helfen anderen Betrieben, ihr Netzwerk auszubauen, ihre Mitarbeiter zu motivieren und ihre Produkte zu verkaufen. Wir ziehen unsere Motivation aus der Entwicklung von neuen Ideen, der Kreativität und natürlich aus der Wertschöpfung für den Kunden. Darin haben wir eine jahrelange Erfahrung. Wir sind neun Mitarbeiter, verteilt auf zwei Unternehmen. Das eine bietet Field Marketing, also Verkauf und Promotion vor Ort, das andere Lösungen im Eventbereich und der Kommunikation. Als die Krise im März kam, war das alles weg. Von einem Tag auf den anderen war die Arbeit weg. Wir haben zwei Beine weniger. So fühlt sich das an. Alles, was Grafik ist, konnte noch die Projekte fertig machen. Aber alle anderen sind seither entweder in Kurzarbeit oder in Familienurlaub. Dazu kam die Schließung der Grenzen. Das war apokalyptisch. Ich konnte nichts machen. Meine Mitarbeiter hatten Angst und wollten sofort nach Hause zur Familie.

Wie haben Sie reagiert?

Thines Gott sei Dank waren wir gut aufgestellt. Wir sind digital sehr, sehr fit. Ich dachte erst, nach einer Woche wäre das vorbei. Aber das war nicht so. Wir hatten keine Arbeit mehr. Was wichtig ist: Ein Unternehmen ist wie eine Familie, alle machen sich Gedanken. Wir haben in der ersten Woche digitale Apéros veranstaltet und dort Informationen ausgetauscht. Das Schlimmste ist: Du weißt nicht, wo es hingeht. Ich weiß heute noch nicht, wann wir jemals wieder Events organisieren können und unter welchen Umständen. Aber wir haben etwas daraus gemacht. Ich lebe von Hoffnung und Kreativität. Wir haben also gesagt: Jetzt leben wir unsere kreative Ader aus.

Was war das Resultat?

Thines Wir haben eben dann all unsere Life-Events in den digitalen Raum verlegt. Daran sind jetzt erste Kunden interessiert. Wir haben jegliche Formen von Events digital eingeführt. Wir hatten die Idee, für den Nationalfeiertag in den Gemeinden die Feier digital in die gute Stube zu verlegen. Die Gemeinden müssen ja auch Bürger informieren. Wir haben den Gemeinden auch angeboten, lokale Geschäfte zu unterstützen. Livestreaming mit Bürger-Ehrungen und Live-Konzept und TV-Studio beispielsweise. Das funktioniert dank der technischen Mittel. So kann man auch Leute live zuschalten. Darüber hinaus haben wir digitales Teambuilding entwickelt, digitale Schatzsuchen und vieles mehr. Das ist alles eine Notlösung – aber besser als nichts. Wir haben auch digitale Tage der offenen Tür im Angebot, bei denen man durch den Shop gehen und Leute treffen kann oder wie auf einer Messe mit Leuten vor einem Stand stehen kann, inklusive der Vorführungen. Das interessiert jetzt. Die Hemmschwelle beim Digitalen ist weg bei den Kunden; das hat auch sein Gutes. Wir haben zwar schon vor zehn Jahren digitale Anwendung entwickelt, aber früher wollte das keiner. Die Leute lebten in den alten Spuren. Das hat sich geändert.

Haben Sie staatliche Hilfen erhalten?

Thines Ich habe Kurzarbeitergeld erhalten. Die 5.000 Euro Direkthilfe dagegen habe ich nicht erhalten, weil wir das Geschäft nicht schließen mussten. Bei der zweiten Direkthilfe habe ich noch keine Antwort. Auch wenn ich Unterstützung für ein Unternehmen erhalte, darf ich mich für das andere nicht mehr einschreiben. Das kann ich zwar offen halten – aber für was? Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Verköstigungen, Animationen, alles ist abgesagt. Mein Umsatz ist von 100 auf null gefallen. Da hilft es mir wenig, wenn mein Geschäft auf ist. Und der Konkurrenz geht es nicht besser.

Trifft das Ihre Branche härter

als andere?

Thines Die ganze Situation ist surreal, und ich glaube, bis jetzt kann und möchte ich mir nicht das ganze Ausmaß ausdenken und mich fragen, wie das weitergehen soll. Das wird uns in vieler Hinsicht beeinflussen. In unserer Branche arbeiten jene, die das nicht nur machen, um viel Geld zu verdienen. Dieser Job ist eine Passion. Wir leben das – mehr als acht Stunden am Tag. Die Basis des Geschäfts ist auf menschlichen Beziehungen aufgebaut. Wir bauen auf die fünf Sinne. Es ist kein Geheimnis, dass die besten Geschäfte bei einem guten Essen entstehen. Deshalb ist Netzwerkeln in Luxemburg so wichtig. Insgesamt trifft es unsere Branche so hart, dass sich rund 120 Unternehmen zu einem neuen Verband zusammengeschlossen haben, um uns auch politisch mehr Gehör zu verschaffen.