LUXEMBURGDANIEL OLY

Erfolgsrezept „LuxMasters“: Der E-Sport absolvierte sein zweites Erfolgsturnier

Was lange währt, wurde am 1. Dezember endlich gut: Die „LuxMasters“-Nationalmeisterschaft kürte einen Sieger, die ausrichtende Organisation, die Spieler und die Teams waren zufrieden - was will man mehr? Selbst das, was gespielt wurde, ist inzwischen nicht mehr so selten: Das „LuxMasters“-Turnier war eine E-Sport-Veranstaltung, bei der der Taktikshooter „Counter-Strike: Global Offensive“ gezockt wurde. Klicken am Bildschirm statt Kicken auf dem Rasen.

An sportlicher Qualität, spannenden Momenten und Emotionen mangelt es da aber nicht, und die Herausforderung „Organisation“ bleibt sowieso, wie Jérôme Becker von den Organisatoren „E-Sports Luxembourg“ erklärte. „Das war nach 2017 jetzt unsere zweite Meisterschaft, die wir ausgerichtet haben“, erinnert er sich. „Damals waren wir nur zu dritt.“ Seitdem sei das Team einerseits groß aufgestockt worden, zudem konnte man damals wie heute auf die Hilfe der teilnehmenden Spieler zählen. „Ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre es unüberschaubar.“

Als es am Samstag dann ab 9.30 bis zum späten Abend krachte - das letzte Finalspiel dauerte bis knapp 22.00, zusammen gepackt wurde aber erst am Tag danach um 10.00 - war der Druck aber plötzlich wie weggeblasen: „Es hat einen Heidenspaß gemacht. Der Druck, die Last war weg“, erklärt Becker. Morgens habe es zwar einige kleine Soundprobleme gegeben, die sich aber sehr schnell lösen ließen. „Die Spiele liefen aber reibungslos, alle waren vollauf zufrieden - Spieler, Kommentatoren, Zuschauer. Und wir erst!“ Zudem sei es spannend gewesen bis zum Schluss: „Das Finale ging in drei Matches 16:13, 8:16 und 13:16 aus“, meint er. „Besonders das letzte Match war ein extremer Finisher, der noch fast gedreht wurde - da lagen die Nerven blank.“

Ein Resultat, auf dem man aufbauen kann? „Auf jeden Fall. Wir wollen in den kommenden Monaten beschließen, wann das nächste ‚LuxMasters’ stattfindet. Aber wir wollen auf jeden Fall weiter machen“, betont er. Und gibt sich bescheiden: „Wir haben noch viel Luft nach oben - wir sind schließlich nicht die ESL.“ Gemeint ist damit die „Electronic Sports League“ aus Köln, die seit dem Jahre 2000 Wettbewerbe, Turniere und Ligen organisiert - zum Teil auch ganz in der Nähe, etwa in der LanXess Arena in Köln, die bei einem Turnier meist berstend voll ist. „Das ist ein Steinwurf von hier entfernt. Sowas muss es doch auch hier gehen“, wagt Becker die steile These. Deshalb soll sich der Standort vorerst nicht ändern. „Wir sind sehr zufrieden mit der ,Schungfabrik‘ in Tetingen und wollen die Halle auch künftig füllen“, unterstrich er. „Erst wenn wir nicht mehr herein passen, werden wir uns nach anderen Möglichkeiten umsehen müssen.“

Harte Vorbereitung, die sich lohnt

Die Arbeit zur „LuxMasters“-Meisterschaft begann bereits im April 2018: „Wir haben mit dem Start der Werbung begonnen und das Regelwerk für das Event ausgearbeitet“, erklärt er. Basierend auf dem Regelwerk, das bereits im vergangenen Jahr galt, aber verfeinert wurde. „Wir lernen natürlich mit der Zeit dazu und haben das gesamte Regelwerk angepasst“, sagt Becker. Dass das eine Heidenarbeit ist, glaubt man schnell; die asbl. mit gerade einmal fünf Vorstandsmitgliedern stellt das aber dennoch auf die Beine. „Wir machen das alles nebenbei, weil da so viel Herzblut drinsteckt“, betont er. Entsprechend hektisch war dann auch die Anmeldung in der „Schungfabrik“ - die war nämlich schon lange ausgebucht. „Deshalb haben wir jetzt schon den Plan, für 2019 zu buchen - damit das nächstes Jahr nicht passiert“, meint Becker.

Im August folgte dann die erste Anmeldungsphase, ab dem 15. September ging es in die Gruppenphase - all das online und über eine eigens dafür eingerichtete Webseite, die Buch führte. „Die Scripts dafür mussten wir ebenso schreiben wie die Internetseite selbst, auf von uns zur Verfügung gestellten Servern“, erklärt Becker. Das alles kostet Geld; Geld, das die asbl. gern investiert und unter anderem aus Mitgliederbeiträgen finanziert. Sie bewirbt damit ganz gezielt den Taktik-Shooter - mit dem klaren Ziel, den Titel für die Community aufzubauen. „Jeder soll etwas davon haben“, meint Becker. „Was nutzt es uns, wenn wir etwas organisieren, und die Community nichts davon hat?“ Und noch bevor das große Finale in der „Schungfabrik“ zum 1. Dezember anstand, musste auch noch reichlich erledigt werden: „Aufbauen, die Stühle, Tische, Server, Switches und Kabel installieren - das wäre ohne die starke Hilfe der ,Schungfabrik‘-Mitarbeiter und den anderen Helfern nicht zu machen gewesen“, lobte er.

Generelle Förderung

Becker war auch der Urheber einer Chamber-Petition, die eine Anerkennung des E-Sports anstrebte. Er fühlt sich bestätigt: „Inzwischen findet es sich im Koalitionsabkommen“, sagt er. „Dabei ist es aber noch sehr weit gefasst.“ Es soll erst geprüft werden, ob der Sport anerkannt werden kann und wie er dann gefördert wird. „Das ist eine langfristige Arbeit“, meint Becker. Das sei aber nicht verkehrt, schließlich lässt sich der Wandel nicht herbei erzwingen. Außerdem gebe es noch viel zu tun, um die Vorarbeit der vielen Vereine und Institutionen im Sektor zu würdigen. „Es gibt so viele Teams und Vereine wie uns, die in der Szene seit Jahren aktiv sind“, meint er. „Da fehlt es an der Sensibilisierung und dem Bewusstsein für das Geleistete - noch.“ Seit Jahren führe Luxemburg international erfolgreiche Spieler und sogar Teams, die in großen Ligen oder internationalen Wettbewerben und Mannschaften spielen. „Gecovert wurde das nie“, bedauert er. Es fehle am Verständnis.

Verständnis für Spieletitel wie „Counter-Strike“, dem wohl bekanntesten Urgestein der Taktik-Shooter. „Das ist wie andere mentale, aber auch physisch anstrengende Sportarten“, erklärt er. „Es ist eher ein Koordinationssport wie Billard.“ Deshalb verwehrt er sich auch davor, den E-Sport als „gewöhnlichen Sport“ zu klassieren. „Für mich muss das eine eigene Kategorie bekommen“, betont er. Allein deshalb, weil dahinter mehrere Unterkategorien stehen - von Echtzeitstrategie über Shooter, Sportspiele bis hin zu Racern. Viele Menschen verstünden die Faszination am E-Sport nicht. „Sie verstehen nicht, wie hoch der Druck sein kann, eine gewisse Leistung zu bringen“, erklärt er. Wer nicht spiele könne auch nicht verstehen, dass es sich überhaupt nicht vom absolut ekstatischen Höhegefühl anderer Sportarten unterscheiden lässt, wenn Basketballspieler den Siegestreffer in letzter Sekunde, Fußballer den entscheidenden Elfmeter oder Golfer den alles entscheidenden Putt verwandeln. „Es gibt absolute Top-Spieler, die werden zu emotionalen Wracks während und nach dem Spiel - ob Sieg oder Niederlage“, erklärt er. „So stark ist die emotionale Verbindung.“

Wenn Luxemburg die Anerkennung des E-Sports umsetze - bislang sind da europaweit Länder wie Frankreich und Schweden Vorreiter - dann nähme das Großherzogtum ebenfalls eine moderne Vorbildfunktion ein. „Das wäre hervorragend und würde unseren Anspruch einer modernen digitalen Gesellschaft unterstreichen, bei der auch digitale Athleten ihren Wert eingeräumt bekommen“, meint Becker. Denkbar wäre dann sogar auch, dass offizielle Nationalmannschaften Luxemburg bei internationalen Wettbewerben vertreten - „eine bessere Werbung für ein digitales Luxemburg kann man sich praktisch nicht vorstellen“, betont er.


Mehr Informationen unter www.luxmasters.com