LUXEMBURG
DANIEL OLY, SPARKMAGE

Zug um Zug: „Magic: The Gathering Arena“ als offene Beta-Version verfügbar

Da haben die „Wizards of the Coast“ aber gut aufgepasst: Nach dem rasenden Erfolg von digitalen Kartenspielen wie Blizzards „Hearthstone“ hat sich der große Konzern ebenfalls nicht lumpen lassen und hat den „Daddy“, das Urgestein aller Sammelkartenspiele schlechthin, auf eindrucksvolle Weise zurück auf den Schirm gebracht. Das Resultat heißt „Magic: The Gathering Arena“ (MTGA) - und steht dem analogen Vorbild aus Pappe in nichts nach. Seit Ende September ist das digitale Kartenspiel in der offenen Betaphase - und damit kostenlos für alle Spieler verfügbar. Höchste Zeit für einen alten „Magic“-Hasen, den Sprung zurück in das Sammelkartenspiel rund um Mana, Elfen, Drachen, jede Menge Magie und Zombies zu wagen. Das Resultat ist eigentlich eine Empfehlung - aber unter Vorbehalt.

Perfekt umgesetzt

MTGA gelingt es wie keiner bislang veröffentlichten digitalen „Magic“-Version (und davon gab es mehrere), das Spielprinzip und die Spannung einer normalen Runde „Magic“ einzufangen. Das liegt an der eigens für die neue Version programmierten Regel-„Engine“, die viele nervige Schritte wie das Umdrehen von Mana-Karten beim Bezahlen und die einzelnen Phasen des Zuges für jeden Spieler soweit automatisiert, wie es möglich ist - und den Spielern dabei dennoch alle Freiheiten lässt. Damit ist MTGA einen ganzen Schritt weiter als das etwas ältere „Magic: Online“, bei dem Spieler viele Schritte noch selber durchführen mussten.

Damit lässt sich genau so flüssig „Magic“ spielen wie am heimischen Wohnzimmertisch. Ein kleines Tutorial führt in die Spielmechanik ein - Anfänger müssen also nicht bibbern. Außerdem gibt es direkt zu Beginn eine Reihe von vorgefertigten „Decks“ an Karten, mit denen sich sofort loslegen lässt. Irgendwann juckt es dann aber, und der zweite Reiz an „Magic“ entsteht: Selbst ein „Deck“ basteln. Und auch hier ist MTGA dem Papp-Vorbild verblüffend ähnlich: Spieler haben volle Freiheit bei der Gestaltung. So muss das sein. Typisch Sammelkartenspiel: Leider müssen dann schnell neue Karten her, mit denen sie sich ausbessern lassen. Die Karten zieht man - ganz wie in echt - aus „Booster“-Packungen, in denen zufällige neue Karten stecken. Gut ist, dass sich diese Packungen (und sogar ganze „Decks“) auch durch normales Spielen freischalten lassen. Es ist aber offensichtlich, dass der Hersteller erwartet, dass man doch bitteschön etwas Geld dalässt. Aber dazu später mehr.

Gespielt wird in den herkömmlichen Formaten, und immer eins gegen eins. Das heißt auch: Man spielt immer gegen andere Menschen - und damit auch gegen andere „Decks“, in denen vielleicht wesentlich mehr Geld und Zeit steckt. Eigentlich sollte ein Rangsystem dafür sorgen, dass Anfänger möglichst nur gegen andere Anfänger spielen; das klappt aber (noch) nicht immer. Eine Funktion, um nur gegen Freunde in einem freundschaftlichen Match zu spielen, gibt es ebenfalls noch nicht. Das muss definitiv besser werden.

Besonders praktisch für „Rückkehrer“ wie mich: Alle neuen Sonderregeln und Spezial-Effekte werden mit kleinen Textboxen schnell und effizient erklärt. Alles wirkt vertraut, und die visuelle Aufmachung peppt das Spielgeschehen dank cooler kleiner Effekte und 3D-Modelle auf. Präsentation, Spielablauf, Stimmung: All das passt. Es ist einfach nur „Magic“.

Weil MTGA kostenlos verfügbar ist, darf ein Ingame-Shop natürlich nicht fehlen. Hier lässt sich echtes Geld gegen digitale Karten tauschen? Denkste: Stattdessen wird leider wie so oft Geld gegen eine digitale Währung (hier: Kristalle) getauscht, die sich dann weiter gegen Kartenpacks tauschen lässt. Dass in diesen Packs dann genau die Karten drin sind, die man haben möchte, ist wie in echt: Recht unwahrscheinlich. Das mit der digitalen Währung ist doppelt ärgerlich, weil sie nicht in runden Beträgen abgezahlt werden können - es bleibt also immer noch etwas übrig, auf dem man „sitzen bleibt“. Hier muss „Wizards of the Coast“ noch gehörig nachbessern; Monetarisierung darf es durchaus geben, Abzocke aber nicht. Wenn die Probleme gelöst sind, steht dem Erfolg aber wenig im Weg. Zum Glück ist es (noch) nur eine Betaversion.

Kostenlos downloadbar unter magic.wizards.com/en/mtgarena