MARC ROBERT-NICOUD

Manch einer mag schmunzelnd nach Luxemburg geblickt haben, als das Großherzogtum kürzlich ankündigte, einen 200-Millionen-Euro-Fonds aufzulegen, um auf Asteroidenbergbau spezialisierte Firmen ins Land zu locken.

Luxemburg konkretisiert damit seine zu Jahresbeginn vorgestellten Pläne, zu einem der Weltmarktführer in der Raumfahrtindustrie zu werden. Der Weg zum Ziel: Eine Partnerschaft mit Firmen, die den Weltraumbergbau kommerzialisieren wollen, und gleichzeitig die Entwicklung eines Rechtsrahmens, der die kommerzielle Nutzung von Weltraum-Ressourcen regelt.

Das sind ambitionierte Pläne, die in den kommenden Monaten viele Experten umtreiben werden. An anderer Stelle ist Luxemburg indes schon mitten in der Zukunft angekommen: Die Finanzbranche - eigentlich Luxemburgs Kerngeschäft - kümmert sich derzeit mit Hingabe und viel Zuspruch seitens der Regierung um „Fintech“ (kurz für „Financial Technology“), also um Technologien, die Finanzdienstleistungen einfacher und effizienter gestalten sollen. Der Fortschritt ist derart rasant, dass man längst von der vierten industriellen, der digitalen Revolution spricht, die auf der durch Elektronik und Informationstechnologie geprägten Dritten aufbaut.

In der Finanzbranche macht sich der technologische Wandel bei der Entstehung neuer Geschäftschancen und dem Umdenken in traditionellen Geschäftsfeldern bemerkbar. Technologien wie digitale Währungen und Crowdfunding schaffen innovative Anlageklassen und ebnen neue Wege in die Kapitalmärkte.

Im Zentrum des technologischen Wandels steht die Blockchain-Technologie. Sie ermöglicht die Abwicklung von Transaktionen über ein dezentralisiertes Register. Ursprünglich lediglich als Basis für den viel diskutierten Bitcoin geschaffen, hat die Technologie die digitale Währung längst überholt und wird seit Monaten als Nemesis für Finanzintermediäre bezeichnet, die praktisch die gesamte Wertschöpfungskette zwischen zwei Marktteilnehmern überflüssig mache.

Es ist allerdings überstürzt, angesichts einer bisher wenig ausgereiften Technologie den Untergang einer ganzen Sparte der Branche zu beschwören. Die bestehenden Strukturen gibt es nicht ohne Grund. Sie arbeiten sicher und zuverlässig und sollten daher nicht zu voreilig den Verlockungen neuer Technologie geopfert werden. Schlussendlich verwaltet die Finanzbranche jedermanns Geld. Deshalb wird es unabhängig vom technologischen Fortschritt auch weiterhin Intermediäre geben, die sich der Risikominderung widmen, regulatorische Anforderungen umsetzen und die Marktinfrastruktur und -liquidität bereitstellen.

Das wahre Potenzial der Blockchain-Technologie liegt an anderer Stelle -nämlich in der Kooperation von Marktteilnehmern, die eine gemeinsame Agenda verfolgen: Die Schaffung effizienter und integrierter Märkte. Das Schlüsselwort ist Konsens - die Natur der Blockchain macht die Technologie zu einem Gemeinschaftsprojekt, bei dem alle Beteiligten gemeinsam für sich und ihre Kunden den richtigen Ansatz finden müssen. Dies schließt die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg, mit Märkten mit unterschiedlichen lokalen Praktiken und vielfältigen regulatorischen Rahmenbedingungen, mit ein.

Der Schlüssel zum Erfolg dieser neuen Technologie ist es daher, sich aktiv an den Diskussionen mit Wettbewerbern, Regulatoren und Marktteilnehmern zu beteiligen. Ähnlich wie beim Weltraumbergbau lässt sich heute noch nicht genau sagen, wohin diese Gespräche einmal führen werden. Aber wenn sie zur Folge haben, dass bestehende Konzepte überdacht und optimiert werden, dann ist schon der Weg das Ziel.

Clearstream

Eine Marke der Deutsche Börse Group

Als internationaler Zentralverwahrer (ICSD) mit Hauptsitz in Luxemburg stellt Clearstream, eine Tochtergesellschaft der Gruppe Deutsche Börse, die Post-Trade-Infrastruktur für den Eurobond-Markt und Dienstleistungen für Wertpapiere von mehr als 50 Inlandsmärkten weltweit bereit. Rund 2.500 Finanzinstitute aus über 110 Ländern bilden die Kundenbasis des Unternehmens. Die Dienstleistungspalette umfasst die Emission, Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren sowie die Bereiche Investment Fund Services und Global Securities Financing. Mit einem verwahrten Vermögen von mehr als 13 Billionen Euro ist Clearstream einer der weltweit größten Abwicklungs- und Verwahrungsdienstleister für in- und ausländische Wertpapiere. Clearstream ist mit über 190.000 Investmentfonds auf seiner Fondsverarbeitungsplattform Vestima und jährlich über zehn Millionen verarbeiteten Abwicklungsanweisungen einer der führenden Anbieter von Investmentfondsdienstleistungen weltweit. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter, 1.078 davon auf Kirchberg.