DEN HAAG
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Wie die „EU Internet Referral Unit“ gegen Online-Propaganda kämpft

Seit 2018 besteht bereits die „EU Internet Referral Unit“ (IRU), übersetzt etwa: „Meldestelle für Internetinhalte“. Sie hat zur Aufgabe, zur Prävention terroristischer Aktivitäten beizutragen und auch die jeweiligen Ermittlungen zu unterstützen. Neben dem Aufspüren von extremistischen Inhalten und Propaganda sollen auch der illegale Schmuggel von Migranten aufgedeckt werden. Das Ziel der IRU sei es letztlich, das virtuelle Gesicht des Terrorismus mit seiner physischen Gestalt in Verbindung zu bringen. Der nun erschienene Bericht bezüglich der Aktivitäten zum vergangenen Jahr legt offen, welche Fortschritte hier gemacht worden sind.

IRU nimmt Inhalte nicht selbst vom Netz

25.453 Hinweise sind vergangenes Jahr bei der IRU eingegangen, welche auf terroristische und gewaltbereite extremistische Inhalte verweisen. Lediglich 831 Hinweise gingen bezüglich des illegalen Einschleusens von Migranten ein. Hierbei waren Inhalte extremistischer Gruppen wie Al-Qaeda, dem Islamischen Staat, Hay‘at Tahrir al-Sham sowie deren Unterstützern zu finden. Die Inhalte wurden von Hand analysiert. Daraufhin werden die Internet Service Provider über die Inhalte informiert. Das Herunternehmen dieser Inhalte fällt dementsprechend in deren Verantwortungsbereich und kann nicht von der IRU gefordert oder umgesetzt werden.

Die IRU ist allerdings auch an Zugriffen beteiligt, was im vergangenen Jahr sieben Mal der Fall war. Dabei wurden 1.733 Elemente den betroffenen Dienstleistern gemeldet. Man konzentrierte sich im Rahmen der Aktionen unter anderem auf Handbücher zum Bau von improvisierten Sprengstoffen, so der Bericht weiter. Auch Recherchen im Dark Web wurden seitens der IRU durchgeführt, auch mit einem Fokus auf Sprengstoffe auf den illegalen Märkten dieses Teiles des Internets. Gleichzeitig wurden auch mit dem IS im Zusammenhang stehende Medien in den Fokus gerückt. Die gesammelte Propaganda wird in einer für Ermittlungen wichtige digitale Bibliothek eingespeist. Sämtliche Mitgliedsstaaten der EU haben auf diese Zugriff. Diese sind schließlich einer der vielen Puzzelteile, welche im Kampf gegen den extremistischen Terror herangezogen werden können. Die IRU hat sich im vergangenen Jahr an 251 Operationen in den verschiedenen Mitgliedsstaaten beteiligt.

Eines der Vorhaben, an dem sich das IRU ebenfalls beteiligt, ist das Projekt „Sirius“. Es soll dabei helfen, die Komplexitäten des Zugriffs auf elektronische Beweismaterialien von Online-Dienstanbietern jenseits der EU zu erleichtern. Wie Europol gestern bekannt gab, hat man dieses Projekt nun auch gamifiziert: Das Spiel soll den Ermittlern helfen, Erfahrungen mit dem Anfordern von Daten solcher Dienstleister und Social Media Plattformen zu sammeln. Dabei wird ein „immersives Szenario“ aufgebaut, wo die Ermittler solche Anfragen nach einer simulierten terroristischen Attacke durchführen.