LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Deloitte-Konferenz zeigt digitale Innovationen und Veränderungen

Ziehst Du bei anderen den Stecker - oder verlierst Du selbst Dein Geschäft? Das ist die bange Frage, mit der sich die Geschäftswelt heute beschäftigt. Kein Wunder also, dass Deloitte bei seiner ersten Konferenz zum Thema digitale Innovationen am Montag in den Rotondes rund hundert Gästen namhafte Sprecher zu diesem Bereich bot.

Viel Ärger um Uber

Der schillernste Sprecher war sicher Pierre-Dimitri Gore-Coty. Der 32-Jährige ist Uber-Chef für den Raum Europa, Asien und den Mittleren Osten. Die Uber-Angebote von Fahrtdiensten, die über App zu buchen sind und preislich jedes Taxi schlagen, haben in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem in Frankreich zeigten sich Taxi-Fahrer erbost, die sechsstellige Summen für ihre Lizenz ausgegeben haben und sich über mangelnde Sozialstandards beklagten. Darüber hinaus beschweren sich jetzt die französischen Uber-Fahrer, weil ihr Gehalt rasant gesunken ist, während gleichzeitig die Kommissionen stiegen. Aber auch hier gibt es Sorgen um Scheinselbständigkeit und Schwarzfahrer.

Uber will nach Luxemburg

Uber würde seine Dienste nur zu gern in Luxemburg anbieten. Hierzulande ist Taxifahren teuer. So erstaunt es nicht, wenn Gore-Coty sagt: „Immer wieder versuchen Smartphone-Nutzer, unsere App zu aktivieren.“ Darüber hat er mehrfach mit dem zuständigen Minister François Bausch gesprochen. Dieser hatte selbst in einer parlamentarischen Anfrage vergangenen Monat den Kontakt bestätigt. Aber Mobilität ist eine Sache, Sozialstandards eine andere.

Dann ist da noch das Recht. Würde Uber mit professionellen Fahrern in Luxemburg als Uber-X auftauchen, müsste die Fahrt mindestens eine Stunde dauern - so sieht es das Gesetz vor. Für Taxen ist eine Lizenz notwendig. Eine ganz andere Frage ist die nach Autos ohne Fahrer. Hinzu kommen noch Probleme mit dem Datenschutz. Coty-Gore verweist als Lösung auf Estland und Schweden, wo der Konzern mit den Steuerbehörden zusammenarbeite und Daten austausche.

Aber es ging nicht nur um Uber. Premier Xavier Bettel, der die Konferenz mit einem engagierten Vortrag eröffnete, sieht keineswegs nur Probleme. Bewusstsein und Anpassung würden letztlich einen positiven Einfluss haben. „Wir brauchen Ideen, um das Land immer wieder neu zu erfinden“, sagt er. Doch man solle auch die nicht vergessen, die nicht davon profitieren. Als Regierung können wir die Technologie nicht stoppen, aber wir wollen die Standards sichern.“ Das Land sei bereit.

Hannes Sjöblad, Experte für Biohacking und Cybernetics, der nicht vor Tests am eigenen Körper zurückschreckt, sprach über Virtual Realitiy im Bankenbereich und wearable payments. Er sieht große Chancen durch Chip-Implants, die er auch an sich selbst testet. „Dann macht es nicht, wenn man das Portemonnaie vergisst.“ Blockchain-Spezialist Peter Randall, CEO von Setl, erklärte, warum die digitale Welt eine Veränderung der Geschäftsmodelle bedeutet.

ZUM UNTERNEHMEN

Uber macht 800 Millionen Dollar Quartalsverlust

New York Der Fahrdienstvermittler Uber erkauft sein rasantes Wachstum laut Medienberichten weiter mit hohen Verlusten. Im dritten Quartal habe das Unternehmen ein Minus von mindestens 800 Millionen Dollar (772 Mio Euro) erzielt, schrieb das „Wall Street Journal“ (Dienstag) unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Steuern und Zinsen sowie die Ergebnisse des kürzlich an den dortigen Konkurrenten Didi Chuxing verkauften Geschäfts in China seien in der Summe nicht enthalten. Grund für die roten Zahlen sei unter anderem hoher Aufwand, um Personal anzuwerben. Uber liefert sich mit Rivalen wie Lyft einen harten Wettkampf um Fahrer. Zudem gingen Investitionen etwa in autonomes Fahren oder den Essen-Lieferservice UberEats ins Geld.
Bei den Erlösen zahlt sich die aggressive Expansionsstrategie aber aus. Den Berichten zufolge steigerte Uber den Umsatz vom zweiten auf das dritte Quartal von 1,1 auf 1,7 Milliarden Dollar.

Die von Investoren zuletzt mit 68 Milliarden Dollar bewertete Firma ist bislang noch nicht an der Börse gelistet und macht ihre Finanzberichte deshalb nicht öffentlich. Die Ergebnisse sollen aus einer Telefonkonferenz mit Investoren stammen. (DPA)