Bald ist Weihnachten. Dann blicken wieder alle Kinder ab acht den ganzen Heiligen Abend lang wie gebannt auf ihr Smartphone, Tablet oder den Laptop - zumindest fürchten das viele Eltern und Großeltern. Die Elektronikläden quellen über vor Angeboten aller Art. Die lieben Kleinen als digitale Zombies, die zwar geistig abwesend, aber physisch präsent sind, können einem das Fest verleiden.

Die erwachsene Variante der digitalen Generation ist Studienobjekt von Thimon de Jong. Der Niederländer unterrichtet an der Utrechter Universität, berät über sein Unternehmen „Whetston“ Konzerne wie Ikea oder RTL und tritt als Sprecher bei Veranstaltungen auf. Er kennt auch die „Unplugged“-Studie, die Tausend Studierende auf fünf Kontinenten befragt hat, wie sie sich nach 24 Stunden ohne Mobiltelefon fühlen. Das Resultat: Die Mediennutzung glich sich sehr. Vor allem ein Leben ohne Mobiltelefon konnten sich die wenigsten Studierenden vorstellen. Ob in Chile, Uganda oder Großbritannien: Viele sprachen von Abhängigkeit und benutzen das Wort „Droge“. Das Mobiltelefon wurde als eine Art Verlängerung ihres Körpers gesehen. Mobiltelefone sind wichtig für Freundschaften und Kontakte, sogar für die persönliche Entwicklung, sagten die Studenten. Viele wussten nicht, was sie mit sich in den 24 Stunden offline anfangen sollen.

Die Macht des Internets nimmt zu. Bald schickt der Kühlschrank Nachrichten: „Butter nachkaufen“. Oder die Weinflasche simst: „Wenn Du mich nicht bald trinkst, ist es zu spät.“ Laut de Jong heißt das „internet of things“. Aber er macht sich keine Sorgen, dass bald niemand mehr miteinander reden will.

Der beste Beweis, sagt de Jong, ist der Besuch in einer Kneipe, die von Leuten unter 25 Jahren frequentiert wird. Wenn sich dort vier, fünf, sechs oder mehr Handys auf dem Tisch übereinander stapeln, dann hat das seinen Grund. Diese Telefonstapel entsprechen einer Übereinkunft. Die Jugend will nämlich wirklich miteinander sprechen und nicht die ganze Zeit nur tippen und wischen. Aber wenn jemand einen Anruf oder eine Mail erwartet oder einfach dem Summen und Blinken nicht mehr widerstehen kann, dann darf er sein Telefon vom Stapel nehmen - unter dem Gelächter der anderen. Denn wer zuerst der digitalen Sucht nachgibt, zahlt die Runde. Das Pendel schlägt zurück. Es gibt „device-free parties“ oder „digital detox vacations“, bei denen der Blick auf Handys und Tablets strikt verboten ist. Die Marriott Resorts in der Karibik und Mexiko bieten „Tech-Free Zones for Travelers Who Crave a Braincation“ an, bei denen die Gäste auf Ehrenwort der digitalen Nutzung abschwören. Und große Unternehmen wie BMW schalten die Handys ihrer Mitarbeiter nach 19.00 automatisch ab. Die ewige Erreichbarkeit ist nicht mehr erwünscht. „Je digitalisierter die Gesellschaft wird, desto mehr steigt der Druck, abzuschalten“, sagt de Jong. Für Weihnachten heißt das: Keine Sorge, so schlimm wird es nicht. Die lieben Kleinen können tatsächlich abschalten. Und wenn Ermahnen nicht hilft, dann kann der Telefonstapel eine Lösung sein. Wer als erster abnimmt, muss dann spülen. Oder drei Stunden ohne Handy auskommen.