LUXEMBURG
MARCO MENG

Banken beim Zahlen via Smartphone in die Enge getrieben

Internetfirmen sagen der Bankenwelt den Kampf an. So zumindest schreibt die Deutsche Bank in Ihrer Ende September vorgelegten Studie „Fintech - Die digitale (R)evolution im Finanzsektor“. Tatsächlich scheinen viele Banken webbasierte Geldgeschäfte, dazu gehört auch das immer populärer werdende digitale Bezahlen via Smartphone, verschlafen zu haben. Die großen Anbieter sind keine Banken, sondern heißen Apple oder Paypal, in Luxemburg Digicash, Cashcloud, FlashIz und Yapital. Dadurch entstünde den Banken ein neues Wettbewerbsumfeld, wie es die Deutsche Bank sieht. Genauer: Der Druck wird größer, denn den Banken drohen Marktanteile beim Zahlungsverkehr verloren zu gehen.

Die Nachrichtenagentur dpa zitiert Theodor Weimer, Chef der HypoVereinsbank, mit den Worten: „Die wahre Schlacht wird nicht zwischen den Banken geschlagen.“ Das heißt, die eigentliche Konkurrenz seien Nicht-Banken wie Apple, Google, Amazon, Paypal - während auch die Liste kleiner Anbieter für mobiles Bezahlen länger wird. Nach der neuen Integration des Versicherers Foyer, der Stadt Luxemburg, Tango, Orange und der Stadt Esch/Alzette werden auf immer mehr Rechnungen in Luxemburg QR-Codes von Digicash abgedruckt, wie der Luxemburger Bezahldienst gestern mitteilte. Digicash Payments konnte dabei die BGL BNP Paribas als vierte Einzelbank in Luxemburg gewinnen, ihren Kunden ab Anfang 2015 die Dienstleistung Zahlen mit Scannen des QR-Codes anzubieten. Das Unternehmen Digicash ist seit 2012 in Partnerschaft mit der Spuerkees auf dem Markt. Seit März kooperiert auch die BIL mit dem Bezahldienst. Auch der Luxemburger Bezahldienst Yapital, Tochter des deutschen Otto-Konzerns, baut kontinuierlich ihr Netz von Einzelhändlern aus, wo man mit Scannen des QR-Code bargeldlos bezahlt. Jüngst kam die Drogeriekette Douglas hinzu.

Seit Jahren versuchen Mobilfunk-Anbieter, Kreditkarten-Konzerne und Internet-Firmen, die digitale Brieftasche im Handy zu etablieren. Die Finanzbranche ist herausgefordert. „Die digitale Revolution rüttelt an der Rolle der Banken als Finanzintermediär“, stellte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch kürzlich bei einer Tagung in Frankfurt fest und räumte ein: „Wir haben in der Vergangenheit ähnliche Tendenzen aus unseren eigenen Reihen unterschätzt.“ Für Banken sei es darum höchste Zeit, intensiver in moderne Technologien zu investieren und sie in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren. Sonst drohten laut Studien bis zu 25 Prozent Ertragsrückgang allein bei Privatkunden. Die Direktbank ING-Diba stellte darum kürzlich eine „SmartSecure App“ vor, die mobile Bankgeschäfte beschleunigen und vereinfachen soll. Der Finanzwissenschaftler Jürgen Bott von der Fachhochschule Kaiserslautern betont in diesem Zusammenhang: „Banken geben derzeit viel Geld aus, um in der digitalen Welt wettbewerbsfähiger zu werden. Aber wenn es sich darauf beschränkt, das zu kopieren, was andere schon tun, werden sie es schwer haben.“

Banken müssen reagieren - und investieren

Fazit der Deutschen Bank: Langfristig sollte eine umfassende Digitalisierungsstrategie für traditionelle Banken eine hohe Priorität haben. Die Studie des Kreditinstituts verweist auf die Musikindustrie, die schmerzhaft die Digitalisierung zu spüren bekam. „Bestehende und lange Zeit erfolgreiche Geschäftsmodelle mit Tonträgern wurden plötzlich in Frage gestellt“, so die Studie.

Bekannt ist ein ähnliches Phänomen, das die Medien - und Verlagsbranche trifft, die nach wie vor im Strukturwandel steckt. Seit 2007 der erste massenmarkttaugliche E-Reader von Amazon in den USA eingeführt wurde, gewinnen ebooks an Popularität, während die Verkaufszahlen gedruckter Bücher - allerdings schon seit längerem - sinken, was nicht ursächlich mit dem ebook-Phänomen zu tun haben muss.

„Alles bequem aus einer Hand“ setzt sich auch im Internet durch und zwingt die herkömmlichen Finanzdienstleister zum Handeln. Nach wie vor ist es aber auch so , dass der Großteil der innovativen Bezahlideen aus dem Nicht - Bankensektor erfolgt und nicht aus dem Finanzsektor selbst.

Zwar hat sich beim Smartphone-Zahlen bislang noch keine der Technologien wie Nearfield Communication (NFC) oder Quick Response 32 (QR), web-basierte Finanzdienste über Apps, oder die Technologie Bluetooth Low Energy (BLE) durchgesetzt; der „Vorstoß von Apple Pay in Kollaboration mit diversen Kreditkartenanbietern könnte dies jedoch mittelfristig ändern“, meint die Deutsche Bank. Trotz Altlasten aus der Finanzkrise, dem sich ändernden Konsumverhalten der Kunden sowie strenger werdenden regulatorischen Bestimmungen müssen Banken jetzt Geld in die Hand nehmen und sich dem modernen Internetzeitalter anpassen, schlussfolgert die Deutsche Bank.

Dass kürzlich beim in St.Gallen veranstalteten Business Engineering Forum das Luxemburger Unternehmen cashcloud mit seiner gleichnamigen mobilen eWallet mit dem Banking IT Innovation Award ausgezeichnet wurde, sagt also einiges aus. Cashcloud habe die Jury mit ihrer „visionären Umsetzung“ überzeugt, wie Cashcloud gestern mitteilte.